Mein Highlight 2011: Kevin Großkreutz geht kotzen

Prolo 2.0

Ja, is denn scho wieder alles vorbei? Kaum zu glauben, aber 2011 ist bald wieder Geschichte. 11FREUNDE-Redakteure erinnern sich an ihr persönliches Highlight des Fußballjahres. Heute: Alex Raack über den kotzenden Deutschen Meister Kevin Großkreutz. Mein Highlight 2011: Kevin Großkreutz geht kotzen

Man kennt die Geschichten der Alten. Geschichten, in denen Profifußballer des nachts am Tresen der regionalen Taverne gesichtet worden. Geschichten, in denen Profifußballer ein normales Auto, einen normalen Haarschnitt, eine normale Freundin und einen normalen Alltag hatten. Geschichten, die einem Fußball-Fan im Jahr 2011 ganz warm ums Herz werden lassen. In der Gegenwart sind Profifußballer von der Normalität so weit entfernt, wie Markus Babbel von einem Job bei Hertha BSC. Sie fahren riesige verspiegelte Luxusautos, haben Luxusfrauen und wenn sie mal ein Bierchen trinken gehen, dann ganz sicherlich nicht in der regionalen Taverne, sondern in einem verspiegelten Luxusrestaurant mit Luxusbedienungen.

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Dass die kickenden Großverdiener eigentlich noch immer im Schnitt zwischen 20 und 30 Jahre alt sind, und damit junge Kerle, vergisst man schnell. Auch, dass diese reichen und jungen Kerle vielleicht mal gerne einen heben gehen, sich selbst und ihren Reichtum und ihre Jugend ein wenig zu überschwänglich abfeiern, dabei vielleicht auch mal über das Ziel hinausschießen, ist 2011 irgendwie unvorstellbar. Da sieht man ernste, ja fast bieder Athleten, die, wenn sie gerade nicht auf dem Platz stehen, ihre athletischen Körper in teure Kleidung hüllen und die athletischen Ohren mit großen Kopfhörern von der normalen Welt abschotten. Asketen. Mönche des Erfolgs. Profis eben.

Der gute alte Fußball-Prolet: Geliebt, gehasst, getunt

Der gute alte Fußball-Prolet, der mit aufgetunter Karre zu spät zum Training kommt, seine Stammkneipe in der Innenstadt hat, dem man regelmäßig irgendwelche Frauengeschichten nachsagt, der gegnerischen und allzu forschen Fans Prügel androht, und sich von den eigenen Fans ein Siegerpils spendieren lässt; der – wie sagt man so schön: volksnah ist – der war eigentlich so ausgestorben wie Libero und Vorstopper.

Bis Kevin Großkreutz auftauchte. Auch er ein Athlet, ein, rein sportlich betrachtet, Fußball-Profi wie jeder andere. Der aber selbst als Vollzeitprofi noch eine Jugendmannschaft trainierte. Der sagt, was er denkt, auch wenn das vielleicht nicht immer der Weisheit letzter Schluss sein sollte (siehe: »Ich hasse Schalke wie die Pest!«) Und der, kommen wir endlich zum Highlight, sich vor lauter Freude über den Meistertitel, auf der offiziellen Meisterfeier so dermaßen die Kante gab, dass er, von zwei Securityleuten gestützt, erst einmal kotzen gehen. Nicht auf einem dieser teuren Luxusklos für Profifußballer, nein! Auf einem Dixieklo neben der Bühne. Genau wie du und ich und jeder andere, der sich, wenn ihn 400.000 Verrückte feiern wollen, vor lauter Aufregung heftig betrinken muss. Ein Fußball-Prolet im Jahr 2011, ein Fußball-Prolo 2.0.

Großkreutz: Endlich mal wieder einer, der unterhaltsam ist

Ich finde das herrlich. Nicht das Besäufnis und das anschließende Herauswürgen, das hätte nicht sein müssen. Gehört auch nicht unbedingt zum Fußball dazu. Aber als Symbol dient es allemal. Fazit: Fußballprofis im Jahr 2011 sind nicht alle klug und schön und strebsam und talentiert und langweilig. Sie können auch, wie Kevin Großkreutz, nicht so klug und nicht so schön, dafür strebsam und talentiert und unterhaltsam sein.

Und sich, wenn es die Situation erfordert, vor lauter Euphorie die schicke Anzughose vollkotzen. Wir gucken und staunen und haben endlich was zu erzählen. Gut so. Denn, seien wir doch ehrlich, die Geschichten der Alten gingen uns doch langsam, aber sicher auf den Geist.

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