26.01.2014

Maskottchen Goleo kehrt zurück

Gut gebrüllt, Löwe

Es ist der PR-Coup des Jahres: WM-Maskottchen Goleo soll helfen, die Euro 2024 nach Deutschland zu holen. Doch der Löwe ist in die Jahre gekommen. Hat er noch Kraft für einen Neuanfang? Wir haben ihn getroffen.

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imago

Wohin die Reise geht? Wir fragen nicht nach, als wir am Hamburger Hauptbahnhof von zwei kräftigen Herren in den Fond einer schwarzen Limousine gebeten werden. Eine Begegnung mit einer streitbaren Persönlichkeit ist uns versprochen worden. Diskretion Ehrensache! Das ist der Deal. Und so sind wir auf jede Überraschung vorbereitet: Sylvies Piloten. Jens Riewa. Manfred Ertel. Wir haben den Gurt noch nicht angelegt, da tritt der Fahrer bereits kräftig aufs Gaspedal. Rasend schnell geht es nun durch die feinen Viertel der Hansestadt. Pöseldorf fliegt vorbei. Um uns zu verwirren, dreht der Wagen zwei Runden im Kreisverkehr. Ein beliebter Trick, vom Mossad entwickelt. »Muss ich nach Blankenese links ab?«, fragt der Fahrer. Unsere Begleiter brummen zustimmend. Noch eine falsche Fährte, das wissen wir. In Blankenese angekommen, werden wir in eine Fabrikhalle geführt. Dort, im Schein einer fahlen Deckenlampe, sitzt er an einem Tisch und reicht nach kurzem Zögern seine Fellpfote. »Schön, dass Sie sich Zeit genommen haben!«
Goleo! Ist also doch wahr, was seit Wochen in Fußballkreisen getuschelt wurde? Das WM-Maskottchen 2006 ist zurück in Deutschland. Mehrfach war der großgewachsene Löwe bereits gesichtet worden. Im Spa-Bereich des Berliner Soho House. Und vor dem Pennymarkt in Herne. Spontane erste Frage: Gibt es neue Pläne? Goleo zieht noch einmal an seiner Zigarette, erklärt: »Die EM-Bewerbung 2024. Ich werde wieder Maskottchen!« Rumms! Das ist nun eine Überraschung. Goleos erste Amtszeit galt schließlich, milde formuliert, als unglücklich. Die missratene Präsentation bei »Wetten dass ..?«. Später der Spott über die vergessene Hose. Dann der Dauerzoff mit Partner Pille.

»Pille ist gestorben«

Apropos Pille. Diese Kugel dort auf dem Tisch, weiß und rund. »Das ist nicht Pille«, unterbricht Goleo unwirsch, »sondern ein stinknormaler Aschenbecher.« Aber was ist denn nun passiert, mit dem Partner von einst. »Pille ist gestorben«, sagt Goleo düster. Wir schweigen bestürzt. »Jedenfalls für mich!«, ergänzt er und erzählt zum ersten Mal von der WM und der schwierigen Zeit danach. Das Turnier, ein einziger Rausch. So viel Euphorie, so viele Eindrücke. Goleo flüchtete sich in eine Parallelwelt aus schnellem Sex und harten Drogen. »Bei meiner WM war Kolumbien dabei«, sagt er heute mit einem Augenzwinkern.
Am Tag nach dem WM-Finale wurde ihm jedoch vom OK gekündigt. Natürlich zu Unrecht, betont Goleo, und präsentiert uns sein Arbeitszeugnis. Wir lesen aufmerksam. Hat sich stets bemüht, unseren Erwartungen zu entsprechen. Gesellig. War in der Regel pünktlich. Goleo nicht ohne Stolz: »Wenn das kein Prädikatsexamen ist, weiß ich auch nicht weiter!« Pille hatte sich anschließend auszahlen lassen und ein Laufhaus in Husum übernommen.

 
 
 
 
 
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