Jordan ist da anders. Sein Talent, so sagen viele, sei noch größer, als das seines Bruders. Wie es mit kleinen Genies so ist: Einfach hat man es mit ihnen nie. Während sein Bruder OM verließ, um zunächst bei kleineren Klubs ein besserer Fußballer zu werden, blieb Jordan in Marseille und stellte nach seinem ersten Tor im ersten Pflichtspiel gleich Forderungen auf einen Stammplatz. Die Ersatzbank meidet er wie der Teufel das Weihwasser. Für Jordan Ayew ist jedes Spiel auf der Bank ein verlorenes Spiel. Seine fehlende Demut könnte seiner Karriere zum Verhängnis werden, obwohl erst 21 Jahre alt, hegen Beobachter schon jetzt den Verdacht, dass der Pelé-Sprößling nicht allzu viel aus seiner Begabung herausholt. André ist ein Arbeiter, Jordan ein Talent. Vermutlich wird es trotzdem André sein, der die große Karriere macht.
Wie es um das Temperament der beiden Brüder bestellt ist, zeigt sich auf dem Platz: Wird Jordan gefoult, eilt sein großer Bruder zum Tatort, tröstet Jordan und versucht mit ruhigen Worten die hitzige Situation zu beruhigen. Liegt aber André am Boden, oder wird von anderen Spielern bedrängt, wird Jordan zur Furie.
Seinen Zorn bekommen nicht nur Gegenspieler zu spüren: Vor dem Europa-League-Spiel gegen Eskisehirspor grätschte André seinen Teamkollegen Mathieu Valbuena ziemlich rustikal im Training um, der wurde laut – und wäre dafür fast von Jordan vermöbelt worden. Zumindest in Sachen Bruderliebe muss sich Papa Abedi Pelé keine Sorgen um seine Schützlinge machen.
Von den unterschiedlichen Gemütern einmal abgesehen: Tolle Fußballer sind sie beide. Borussia Mönchengladbach bekommt es nicht nur mit den Erben des großen Abedi Pelé zu tun, sondern auch mit einem unberechenbaren Duo, dass hauptverantwortlich dafür ist, dass Olympique Marseille nach elf Spieltagen in der heimischen Liga auf Platz zwei steht. Punktgleich mit dem Scheichklub PSG und gar mit einem Spiel weniger. Mönchengladbach ist gewarnt. Und sollte den Gebrüdern Ayew erneut ein würdiger Auftritt im Trikot von OM gelingen, sitzt Papa Abedi sicherlich vor dem Fernseher und – Vorsicht, französisches Sprichwort! – krault sich vergnügt am Sack. Er hat nämlich goldene Eier.