Mario Mandzukics langer Weg zum FC Bayern

Family Guy

Als Sechsjähriger floh Mario Mandzukic 1992 mit seiner Familie vor dem Kroatien-Krieg. Er zog ins schwäbische Ditzingen, spielte dort vier Jahre in der Jugend, bevor er zurück nach Kroatien musste. Heute trifft Mandzukic für den FC Bayern. Auch weil ihm seine Familie Halt gibt. 


Ivana Maslov bekommt nur selten Besuch von ihrem Bruder. Doch das macht nichts, sie weiß ja, warum. Mario Mandzukics Zeit ist knapp bemessen. Und Ivana hat einen Weg gefunden, damit umzugehen. »Wir machen es einfach umgekehrt. Wir fahren zu seinen Spielen, wann immer wir können«, sagt die 30-Jährige und lacht. Ivanas Bruder schießt beim FC Bayern seit dieser Saison Tore. Nicht nur in München jubeln sie darüber, sondern auch in Ditzingen, einem kleinen Städtchen nordöstlich von Stuttgart. Dort lebt Ivana Maslov, geborene Mandzukic. Dort lebte früher auch der Bruder. Wenn er heute in der Champions-League auf den FC Valencia trifft und sein erstes Champions-League-Tor erzielen will, ist Ivana selbstverständlich wieder im Stadion.



»Mario braucht seine Familie«, sagt die Schwester des Torjägers. Die Nähe zur Verwandtschaft sei ihm wichtig, sonst könne er keine Topleistungen bringen. Derzeit scheint es ihm gut zu gehen. In dieser Saison hat Mandzukic in allen Pflichtspielen getroffen: drei Tore in der Bundesliga, zwei im DFB-Pokal, eins im Supercup. Beim VfL Wolfsburg zählte er zuvor mit 20 Toren in zwei Jahren zu den besten Torschützen. Nach einer starken EM (drei Tore in drei Spielen) zahlten die Münchner 13 Millionen Euro Ablöse. Weil Mario Gomez verletzt fehlt, ist Mandzukic gesetzt. Und stellt sich nicht ungeschickt an beim Versuch, seinen Namensvetter zu verdrängen.



Dem 26-Jährigen liegt das Torschießen in den Genen. Das steht schon 1992 fest, als er mit seiner Familie nach Ditzingen kommt. Sein Vater Mato Mandzukic war ebenfalls Profi in der Heimat. Als der Kroatien-Krieg beginnt, ist es damit vorbei. Die Mandzukics leben damals in Slavonski Brod, einem kroatisch-bosnischen Grenzstädtchen. Einem Ort mitten im Krieg. 182 Menschen, darunter 27 Kinder, verlieren zwischen 1991 und 1995 ihr Leben. Den Mandzukics gelingt 1992 die Flucht nach Deutschland.

Der Vater spielte an der Seite von Fredi Bobic




In Ditzingen erlebt die TSF ihre fußballerische Blütezeit. Bis in die Regionalliga schafft es der kleine Verein Mitte der Neunziger, höher wird der heutige Bezirksligist nie wieder spielen. Der spätere Nationalspieler Fredi Bobic schießt von 1990 bis 1992 32 Tore in 62 Spielen, Sean Dundee trifft in der Saison 1994/95 24 Mal in 34 Partien. Mit ihnen steht ab 1992 Mato Mandzukic auf dem Platz. Er gibt sein Comeback. Um seine Familie mit dem Gehalt als Ober- und Regionalligafußballer durchzubringen. 

In der F-Jugend der TSF zeigt ein Junge namens Mario mit seinen sechs Lenzen, dass er in die Fußstapfen seines Vaters treten möchte. »Aus dem wird mal was«, hört man immer mehr Kiebitze am Rand sagen. Angelo Columpsi, der langjährige Ditzinger Jugendleiter, erinnert sich: »Mario traf wie er will, war immer in Bewegung, schlank, flink und schnell. Ein Riesentalent.« 



Der Fußball hilft den Mandzukics. Andere Probleme bleiben. Die Familie hat wenig Geld. Die Sprache lernt sich zunächst schleppend. Heute sprechen Ivana und Mario perfekt deutsch. Damals können sie kein Wort und haben Bammel vor der Integration. »Wir haben oft geweint, wenn wir in die Schule mussten«, sagt Ivana. »Die Sprache kam uns unheimlich schwer vor.« Doch die Mitschüler helfen wo sie können. Viele Kontakte von damals bestehen bis heute. »Und nach sechs Monaten machte es Klick und wir realisierten, dass wir plötzlich deutsch sprechen«, erinnert sich die Schwester.



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