Marek Mintal nimmt Abschied

Au revoir, Phantoma!

Marek Mintal nimmt Abschied

Marek Mintal hat eine lange Nase. Und einen guten Riecher. Er wandelt vermeintlich unsichtbar für Minuten über den grünen Rasen. Doch dann! Es juckt das Näschen: Mintal riecht eine Fährte. Mintal schlägt eiskalt zu. Der Clou: Jeder im Stadion fragt sich sogleich, wer überhaupt den Treffer erzielt hat? Mannschaftskollegen schauen einander verdutzt an, Trainer blicken ratlos aus der Wäsche. Das »Phantom« hat wieder geknipst.

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Leider darf Marek Mintal in dieser Saison nur selten verstecken spielen. Acht Minuten lief der Slowake im Schnitt bei seinen 15 Kurzeinsätzen auf. Vergessen wird man den 33-Jährigen im Frankenland keinesfalls. Heute nicht. Morgen auch nicht. Denn zu schwer wiegen seine Heldentaten aus jüngerer Vergangenheit.

Die Dienste des gebürtigen Slowaken kosteten den »Club« vor der Saison 2003/2004 lediglich die bescheidene Ablösesumme von 150 000 Euro. Mit einem derartig niedrigen Betrag kann man in der Bundesliga nicht viel falsch machen. Im Gegenteil: Die Nürnberger Verantwortlichen machten mit dem Transfer alles richtig: Mintal schlug ein wie eine Bombe.

»Die goldene Kanone«

Der quirlige Goalgetter wurde auf Anhieb Torschützenkönig der 2. Bundesliga und ballerte den »Club« 2004 wieder in die Elite-Klasse des deutschen  Fußballs. Jetzt erhöhte der Slowake – nach eigenen Aussagen Mittelfeldspieler und kein Stürmer – die Drehzahl. »Minti« war auf vollen Touren.

Mit 24 Bundesliga-Treffern sicherte sich das beidfüssige »Phantom« sogar in der 1. Bundesliga spontan die Goldene Kanone – übrigens bis heute die einzige in der Geschichte des Traditionsvereins. Wechselgerüchte folgten en masse, Mintal blieb seiner Perle treu. Denn: »Es klappt nicht immer alles so, wenn man den Verein wechselt. Du bist wieder ein Niemand und fängst bei null an. In Nürnberg wusste und weiß ich, was ich habe. Es war eine Sache des Herzens«.

Mit Meyer nach Berlin und auf Morlocks Spuren

Das Herz sagte ja, die Füße nein. Hartnäckige Verletzungen fesselten Marek Mintal monatelang ans Krankenbett. Das darauffolgende Comeback im DFB-Pokalhalbfinale 2007 beschreibt er als den bis dato emotionalsten Moment seiner Karriere: »Diese drei Minuten, die mir unser Trainer Hans Meyer damals geschenkt hat, waren unglaublich schön – ein Abend, den ich mein ganzes Leben lang nicht vergessen werde.« Überraschend besiegte der 1. FC Nürnberg den VFB Stuttgart im DFB-Pokal-Finale und landete den ersten Coup seit 1968. Tragische Figur des Abends: Marek Mintal. Da Holzfäller Fernando Meira das »Phantom« absägte, war der Finaltraum abrupt beendet. Auf Krücken gestützt, kehrte der Verletzte zur Pokal-Sause in das Olympia-Stadion zurück.

Seither fand die Nummer 11 nie zu alter Stärke zurück. Dennoch ist der slowakische Fußballer der Jahre 2004 und 2005 der beliebteste Vollstrecker seit Max Morlock. Folgerichtig will man den 33-jährigen nach acht Jahren anständig entlassen: »Marek wird seinen gebührenden Abschied bekommen«, äußerte sich Trainer Dieter Hecking. Und Mintal? Auch wenn der Slowake noch zwei oder drei Jahre bei einem anderen Klub ranhängen will, scheint ihm der Abschied aus Nürnberg und das bevorstehende letzte Heimspiel im Frankenstadion sehr nahe zu gehen. »Ich weiß jetzt schon«, sagte er jüngst und schluckte. »Ich weiß jetzt schon: Ich werde heulen wie ein kleiner Junge.«

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