1989
In Italien wird erstmals ein Ermittlungsverfahren gegen Diego Maradona eingeleitet. Der Vorwurf: Verdacht auf Steuerhinterziehung.
1991
Nach einer Doping-Kontrolle, bei der Kokain im Urin des Superstars festgestellt wird, verlässt Maradona heimlich Italien.
13. Januar 2001
In seiner Zeit beim SSC Neapel von 1984 bis 1991 soll der Argentinier den Steuerbehörden einen erheblichen Teil seines Einkommens verschwiegen haben. Maradona weist alle Steuerhinterziehungsvorwürfe zurück und schiebt es bei einem Auftritt im italienischen Fernsehen (RAI) auf den SSC Neapel: »Der Klub muss zahlen.«
24. Februar 2005
Das römische Kassationsgericht (letzte Instanz) hat entschieden: Maradona soll in Italien rund 30 Millionen Euro Steuerschulden begleichen. Ursprünglich hatte der »Pibe d’oro« (Goldjunge) der italienischen Steuerbehörde aus seiner Zeit als Spieler noch mehr als drei Millionen Euro geschuldet. Durch Verzinsung und Strafgebühren wuchs dieser Betrag in den darauffolgenden Jahren auf 30 Millionen Euro an. Sollte er diese nicht begleichen, droht ihm ein Prozess wegen Steuerhinterziehung. Noch im selben Jahr kehrt Maradona für einen Fernsehsendung nach Italien zurück. Doch das Honorar für seinen Auftritt in der Tanzshow »Ballando con le stelle« (mit den Sternen tanzend) auf Rai Uno wird ihm vom Fiskus abgenommen.
7. Juni 2006
Die »Hand Gottes« ist zu Besuch in Neapel, um dort bei einem Wohltätigkeitsspiel mitzuwirken. Wegen Regen wird die Partie jedoch abgesagt. Nach der obligatorischen Pressekonferenz läuft Maradona direkt der Polizei in die Arme. Die Beamten erinnern ihn an seine mittlerweile auf 31 Millionen Euro gewachsenen Steuerschulden, nehmen ihn mit auf die Wache und beschlagnahmen seine beiden Rolex-Armbanduhren im Wert von rund 10.000 Euro. Seine Diamantohrringe kann Maradona gerade noch rechtzeitig verstecken. Der Weltmeister von 1986 nimmt die ganze Aktion gelassen und verteilt beim Verlassen der Wache noch gut gelaunt Autogramme.
9. März 2007
Nun vermutet auch ein Steuerstrafgericht in Buenos Aires, dass der Weltstar Steuern hinterzieht und gibt der argentinischen Zentralbank den Auftrag, alle Kontobewegungen und Geldtransfers Maradonas zu untersuchen. Der Fall kommt nur deshalb ins Rollen, weil Maradona die Unterhaltszahlungen für seine uneheliche Tochter (mit der Ex-Geliebten Valeria Sabalian) nicht mehr gezahlt hatte.
September 2009
Diego Maradona hält sich für eine Diätkur im Hotel Palace im Südtiroler Meran auf. Da schlägt die italienische Finanzwache zu und beschlagnahmt einen Diamantohrring im geschätzten Wert von 4000 Euro. Maradona empört: »Sie platzten einfach in unser Zimmer rein. Meine Freundin stand gerade unter der Dusche!«
Januar 2010
Das beschlagnahmte Schmuckstück mit 0,2 Karat wird in Bozen versteigert. Der stolze Käufer heißt Fabrizio Miccoli und ist Stürmer bei US Palermo. »Ich bin seit jeher ein Maradona-Fan«, begründet der Fußballer die Ersteigerung des Diamanten.
6. Mai 2011
Diego Maradona hat bei einem neapolitanischen Gericht einen Antrag gestellt, wieder nach Italien reisen zu dürfen, ohne gleich festgenommen zu werden. Das Gericht gibt seinem Antrag statt, da der Weltstar behauptet, niemals eine Zahlungsforderung der Steuerbehörden erhalten zu haben.
12. Januar 2012
Der Prozess gegen Maradona wegen Steuerhinterziehung hat begonnen. Zu diesem Zeitpunkt fordert der italienische Fiskus bereits 38 Millionen Euro.
Videobotschaft und Neapel-Besuch
12. März 2012
Maradona reist nach Neapel. Nach mehr als 20 Jahren will er seine Probleme mit den italienischen Finanzbehörden lösen. Er sei kein Steuerhinterzieher, sondern ein Opfer der Ungerechtigkeit, erklärt sein Rechtsanwalt Angelo Pisani. Im vorangegangenen Prozess hatte es einen Formfehler gegeben, deswegen wurde dieses neue Verfahren eröffnet. Der Anwalt beruft sich nun auf einen Fall von 1994: Spieler wie Alemao und Careca waren damals in derselben Position wie Maradona. Sie mussten dem Staat allerdings nicht eine Lira zahlen und wurden freigesprochen. Anscheinend hatte Maradona damals vergessen, Berufung einzulegen, wie zuvor schon Alemao und Careca. »Auch ich muss freigesprochen werden«, verlangt die Neapel-Legende.
2. Februar 2013
Maradonas Rechtsanwalt verkündet, dass der Weltstar seine Probleme mit der italienischen Steuerbehörde beigelegt habe. Er dürfe – ohne Angst vor Enteignung – als freier Mann nach Italien zurückkehren. Die Steuerbehörde dementiert diese Aussage kurz darauf und berichtigt: Maradona habe lediglich eine Verlängerung seiner Zahlungsfrist beantragt. Dieses Gesuch sei aber abgelehnt worden, seine Schuldbarkeit bleibe unverändert. Der Kampf zwischen dem Argentinier und der Equitalia (italienische Steuereinzugsgesellschaft) entflammt neu.
6. Februar 2013
Der Argentinier sendet eine Videobotschaft aus Dubai, in der er versichert, kein Steuersünder zu sein, sich aber als Verfolgter zu fühlen. Er wolle einfach wieder nach Neapel zurück.
25. Februar 2013
Diego Maradona ist wieder in Italien. Laut Anwalt Pisani will er sich mit Republikspräsident Giorgio Napolitano treffen: »Napolitano soll seine Unschuld bestätigen. Damit würde ein Traum wahr werden.« Nach seinem Besuch fährt Maradona samt Gefolge nach Neapel.
26. Februar 2013
Der italienische Fiskus verlangt noch 34,2 Millionen Euro von Maradona. Obwohl dieser Betrag weiterhin nicht beglichen ist, befindet sich Maradona wieder in seiner Lieblingsstadt. Der 52-Jährige ist im Hotel Royal an der Strandküste Neapels untergebracht.
In einer Pressekonferenz gibt Maradona zu Protokoll: »Ich will wieder nach Italien zurückkehren und mit meinem Enkel ein Spiel von Neapel anschauen gehen können. Ich will, dass er sieht, was sein Großvater gemacht hat. Ich will ihm nicht als Steuerhinterzieher in Erinnerung bleiben, denn ich bin keiner. Ich will glauben, dass die Gerechtigkeit existiert und ich werde die Justiz darum bitten, mich frei durch Neapel laufen zu lassen. Ich bin zurückgekehrt, um zu erklären, dass ich unschuldig bin.« Als er nach seinem beschlagnahmten Diamantohrring gefragt wird, sagt der Argentinier: »Wenn Miccoli mir meinen alten Ohrring zurückgibt, schenke ich ihm den Ohrring, den ich jetzt trage.«
Fortsetzung folgt.