Manuel Neuer, Deutschlands Trumpf im WM-Finale

Siegfried mit Handschuhen

Dieser Kerl ist riesig, gefühlte drei Meter. Wenn die Stürmer auf Manuel Neuer zulaufen, kriegen sie es mit der Angst zu tun. Der Torwart ist Deutschlands Trumpf im Finale.

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Dieser Kerl ist riesig, gefühlte drei Meter. Wenn die Stürmer auf Manuel Neuer zulaufen, kriegen sie es mit der Angst zu tun. Der Torwart ist Deutschlands Trumpf im Finale.

Manuel Neuers Füße stecken in schwarz-rot-goldenen Birkenstock-Latschen. Sein großer rechter Zehennagel ist blau unterlaufen. Irgendein Spieler sei ihm draufgestiegen, sagt Neuer, in irgendeinem Spiel. So ganz genau wisse er das nicht mehr. Passiert halt im Fußball. Und außerdem: Was sind schon blaue Flecken, wenn am Ende das goldene Ding wartet, der Weltmeisterpokal. Er ist zum Greifen nah. Noch ein Sieg, dann läge den neuen deutschen Helden eine ganze Nation zu Füßen.

Noch sitzt Neuer im Schatten einer Pergola auf einem Regiestuhl. Wenn er seine kurzbehosten Beine ausstreckt, ist unter dem Tisch kein Platz mehr.

Es gibt solche Menschen, die in Wirklichkeit größer sind, als sie das Fernsehen macht. Und es gibt Manuel Neuer. Wenn er seine Arme jetzt noch über den Kopf ausstreckte, kein Ball mehr würde zwischen ihn und das Pergoladach passen. Dieser Kerl ist riesig, gefühlte drei Meter lang. Welcher Stürmer möchte auf diesen Hünen im Tor zulaufen, in einem WM-Finale, mit 75.000 auf den Rängen ringsum und zwei Milliarden vor den Fernsehgeräten weltweit. Es gibt nur ganz wenige solcher Typen, die den gegnerischen Stürmern das Blut in den Adern erstarren lassen, die ihnen irgendwie den Stecker ziehen.

»Das Tor so klein und mich so groß wie möglich machen.« Das hat Neuer nicht hier in Brasilien erzählt, sondern vor vier Jahren bei der Weltmeisterschaft in Südafrika. Damals war er 24 und eher durch ein Missgeschick seines Konkurrenten ins deutsche Tor gerutscht. René Adler war eigentlich ausgeguckt worden, als deutsche Nummer eins ins Turnier zu gehen. An dem Tag, als Joachim Löw sich entschieden hatte, saßen Neuer und Adler gemeinsam am Frühstückstisch. Dann hieß es, dass der Bundestrainer sie beide noch sprechen wolle.

Neuer ist damals als Erster zu Löw gegangen, weil er endlich wissen wollte, was los ist. »Ich mochte nicht mehr gemütlich noch einen Orangensaft trinken«, hat Neuer damals erzählt. Das Gespräch war dann nicht so lang, Löw habe ihm schnell zu verstehen gegeben, was los ist. Dass Adler in entscheidenden Spielen gut gespielt und in diesen Drucksituationen seine Leistung gebracht habe. Neuer akzeptierte, obgleich er sich ärgerte. Er ist damals nach dem kurzen Gespräch mit Löw in den Kraftraum des Mannschaftshotels gegangen. Nicht, um sich abzureagieren und aus lauter Wut und Verzweiflung Gewichte zu stemmen, wie er damals erzählte. Sondern: »Ich habe mein normales Programm gemacht.« Kurz vor der WM verletzte sich Adler dann, Löw schenkte Neuer das Vertrauen und wurde belohnt. Neuer hechtete durch die Strafräume von Johannesburg, Bloemfontein und Kapstadt und kehrte neben dem blutjungen Torschützenkönig Thomas Müller als neuer deutscher Held zurück.

Auch deswegen war kürzlich der Aufschrei in Deutschland so laut, als Manuel Neuer sich kurz vor dem Turnier in Brasilien schwer verletzte. Mitte Mai war er im deutschen Pokalfinale mit Bayern München gegen Dortmund derart übel auf seine rechte Schulter gefallen, dass er zwei Wochen lang seinen rechten Arm nicht richtig heben konnte. Derselbe Arm war es, der sieben Wochen später in der Nachspielzeit des WM-Viertelfinales herausschnellte und eine wackelnde deutsche Mannschaft gegen Frankreich im Turnier und den Traum vom Titel am Leben hielt.

»Manuel Neuer ist ein Geschenk für uns alle. Er ist der beste Torwart der Welt«, sagte Bastian Schweinsteiger nach dem Spiel gegen die Franzosen. Schweinsteiger mag für manche noch immer der emotionale Leader des Teams sein, zu dem ihn Löw vor ein paar Jahren ausgerufen hatte. Hier in Brasilien spielte er lange wie ein Veteran, der sich darauf zu konzentrieren hatte, zu Kräften zu kommen. Schweinsteiger hat noch immer eine gute Präsenz, auch hat sein Wort noch Gewicht, aber die Mannschaft ziehen und tragen andere durchs Turnier. Wie Thomas Müller, der fünffache Torschütze, oder eben Neuer.

»Die stille Autorität« von Manuel Neuer unterstreiche die deutsche Effizienz, befand nach dem Frankreichspiel »The Times« und schrieb weiter: »Die bisher nicht beantwortete Frage war, ob diese Gruppe von Spielern in der K.-o.-Phase die Siegermentalität und Effizienz des teutonischen Stereotyps entwickeln konnte. Diese Frage haben sie in der drückend heißen Atmosphäre des Maracana mehr als beantwortet.«

Wenn der Bundestrainer dieser Tage über seine Nummer eins sprach, dann hörte sich das so an: »Das ist insgesamt ein wahnsinnig gutes Gefühl für die Abwehr, wenn man weiß, der Torhüter ist in der Strafraumbeherrschung gut, auf der Linie überragend, außerhalb des Strafraumes gut, fußballerisch gut.« Man kann es aber auch so sehen: Manuel Neuer steht in der Blüte seiner Karriere.

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