Mannschaftsfoto (9): VfB Stuttgart

Ein Krokodil zu viel

Alles glänzt, so schnöd alt. Der VfB Stuttgart will die verkorkste letzte Saison vergessen machen. Blöd nur, wenn sich so gar nichts geändert hat: Spieler, Trikot und Maskottchen sind die gleichen. Immerhin trägt Arthur Boka eine neue »Frisur«. Mannschaftsfoto (9): VfB Stuttgart

Unsere neue Serie: Wir präsentieren jeden Tag das aktuelle Mannschaftsfoto eines Bundesligisten und zeigen in unserer Bildergalerie die schönsten historischen Schüsse. Heute: der VfB Stuttgart.

1.
Der neue Star
Heißt William Kvist, kam vom FC Kopenhagen und sieht aus, als würde er morgen als Frontman einer dänischen Boyband am Eurovision Song Contest teilnehmen. Heute posiert er noch mit verkniffenem Lächeln (mittlere Reihe, 4. v. l.), vielleicht weil ihm die Erwartungshaltung unheimlich ist. Sportdirektor Fredi Bobic sprach über den 20-fachen Nationalspieler: »Die Realisierung dieses Transfers war ein wichtiger Baustein in unseren Planungen. Wir haben immer wieder betont, dass wir bereit sind, bei einem Transfer auch finanziell in Vorleistung zu gehen. Das haben wir bei William getan.« In der württembergischen Landeshauptstadt versucht man gar nicht erst, den Druck vom Neuen zu nehmen. Bobic' Worte klingen nach Drohgebärde. Enttäusch' uns nicht, sonst ...

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2.
Wer ist er denn?
... wirst du ausrangiert und landest im Krokodilskostüm von Fritzle! Das will keiner, weshalb die Frage drängt, wer sich denn aktuell im Maskottchen versteckt. Sean Dundee? Nein, kann nicht sein, gibt das Plüschreptil auf seiner Homepage doch Ur-Schwäbisch als Nationalität an. Jens Lehmann vielleicht? Die Größe würde passen, auch war die ehemalige deutsche Nummer 1 für eine große Klappe bekannt. Allein, Fritzle greift für die Fortbewegung auf sein Fritzle-Mobil zurück, einen gepimpten Benz, sehr normal und damit zu normal für Helikopternarr Lehmann. Der zielführende Hinweis findet sich, kryptisch versteckt, bei einer Reise durch die bewegte Vergangenheit von Fritzle: »In dem Ei, aus dem ich geschlüpft bin, hing ein Poster von unserer Meistermannschaft von 1992.« Aha. Christoph Daum ist es, der nach seinem gescheiterten Frankfurter Experiment über den Umweg Maskottchen in der Bundesliga Fuß zu fassen versucht. Weitere Beweisführung: Fritzle bringt »die Stimmung zum Kochen« (Daum: großer Motivator), tritt als Walking-Act auf (Daum: Glasscherben, glühende Kohlen) und findet als »Partykanone« (Daum: Kokain-Affäre) wirklich »keinen Weg zu weit« (Daum: Fenerbahce Istanbul, Weg zurück an die Spitze). 

3.
Eine kleine Stilkritik
Zugegeben, es gibt schlimmere Settings für das Mannschaftsfoto als das vom VfB Stuttgart gewählte. Es gibt aber auch schickere. Die roten Dächer im Hintergrund gemahnen sehr an Jugendherberge, an Doppelstockbetten und Zapfenstreich. Vielleicht will Trainer Bruno Labbadia so eine Rückbesinnung auf alte, unverbrauchte Werte schaffen. Cacau gefällt das definitiv, er grinst entrückt aus dem Zentrum des Bildes, wird also auch in der kommenden Saison – zumal Kapitän Matthieu Delpierre einmal mehr verletzt ausfällt – Fixpunkt des Stuttgarter Spiels bleiben. Und sonst? Posiert der fünffache Meister sehr akkurat aufgereiht, erschrecken nur die leuchtknickstabbunten Torwarttrikots das Auge des Betrachters, hat sich Arthur Boka (untere Reihe, 4. v. l.) den Schmerz über die Trennung von Gina-Lisa mit Wasserstoffblond wegzufärben versucht. Summa summarum: nett. Leider ist das manchmal der kleine Bruder von etwas anderem.

4.
Was fehlt?
Es fehlt ein Aufbruchssignal. Wo sind das Zeichen großen Wandels, wo die optische Hauruck-Rhetorik, die das verkorkste letzte Jahr vergessen machen kann? Der VfB Stuttgart kommuniziert einen Neuanfang nach außen, gibt auf dem Foto aber noch wenig Anlass für den unbedingten Glauben daran. Die Mannschaft blieb im Gros unverändert, das Trikot sieht immergleich aus, Bruno Labbadia grinst sein Bruno-Labbadia-Grinsen. Dabei liegt die Zäsur nahe: Am 17. Juli 2011 wurde Gerd Mäuser ins Präsidentenamt gewählt! Mit einem nicht ganz reibungslosen Ergebnis von 58,7 Prozent der Stimmen! Als ehemaliger Porsche-Manager! Nach acht Jahren Erwin Staudt! Es wäre so einfach gewesen, mit neuen Ufern zu kokettieren.

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5.
Prognose 2011/12
Der VfB Stuttgart verpatzt die Hinrunde in großem Stil, Bruno Labbadia muss in der Winterpause gehen, Thomas Doll wird als neuer Trainer vorgestellt, hat dann nur »superwenig Zeit, die Mannschaft kennenzulernen«, sieht trotzdem »riesige Fortschritte und eine neue Mentalität, alle ziehen toll mit«. Stuttgart spielt die beste Rückrunde der Vereinsgeschichte und schafft fast noch die Europa League. Platz 7.

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