Mannschaftsfoto (5): VfL Wolfsburg

Die Marsmännchen

Grüner wird's nicht: Der VfL Wolfsburg präsentiert sich konform, ganz nach Magaths Geschmack. Aber ein ehemaliger und ein zukünftiger Leistungsträger glänzen durch Abwesenheit. Am Ende nützt alles nichts. Mannschaftsfoto (5): VfL Wolfsburg

Unsere neue Serie: Wir präsentieren jeden Tag das aktuelle Mannschaftsfoto eines Bundesligisten und zeigen in unserer Bildergalerie die schönsten historischen Schüsse. Diesmal: der Deutsche Meister 2009/10, VfL Wolfsburg

1.

Der neue Star
Srdjan Lakic. Kostete nix. Bringt alles mit. Wunderbar. Ein Transfer ganz nach Magaths Geschmack. Obwohl Lakics Wechsel im Januar vereinbart wurde, als Magath noch gar nicht wieder Trainer bei Wolfsburg war. »Ich möchte zeigen, dass ich ein würdiger Nachfolger des teuersten Spielers der Bundesliga bin«, sagte Lakic und meint damit nicht etwa Sascha Riether. Lakic' Gesichtsausdruck ist entsprechend angespannt. Das ist doch gar nicht nötig: Vergangene Saison schoss er in 31 Spielen 16 Tore, Magath urteilte ungewohnt generös, Lakic bringe »eine Supereinstellung« mit.

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2.
Wer ist er denn?
Michael Schulze ist kein Name wie Manfred Mustermann, das Telefonbuch listet nur etwas über 400 Treffer unter diesem Namen. Michael Schulze ist nicht irgendwer. Der Sunnyboy mit der blonden Boygroup-Welle (auf dem Foto in der dritten Reihe dritter von rechts) ist das, was man in Fußballkreisen stolz Eigengewächs nennt, seine Stationen: VfL Wolfsburg A-Junioren, VfL Wolfsburg II, VfL Wolfsburg. Gewicht: 1,85 Meter. Position: Abwehr. Kostet nichts. Bringt alles mit. Ein Spieler ganz nach Magaths Geschmack.

3.

Eine kleine Stilkritik
Das Grün schmerzt, keine Frage. Die Assoziation winkt mit allen zur Verfügung stehenden Zaunpfählen dieser Erde: Die Spieler des VfL Wolfsburg sehen aus wie Marsmännchen. Dazu fallen dem kritischen Betrachter die dunkelgrünen Sitzschalen im Hintergrund auf. Was hat das zu bedeuten? Vesteckt sich hier die subversive Kritik des Foto-Komponisten, die Mannschaft sei grün hinter den Ohren? Oder grün vor Neid auf die Mannschaft, die an selber Stelle im Jahr 2009 posierte? Ein schöner Ausbruch aus der wie festgefahren wirkenden Konformität der ewigen Mannschaftsfoto-Körperhaltung von durchgedrückten Rücken, hochgezogenen Schultern und rausgestreckten Brustpartien demonstriert Tolga Cigerci (dritte Reihe, vierter von links): Er zeigt zeigt ganz unverblümt seinen Bauchansatz. Für den schaffen Thomas Kahlenberg und Tuncay Sanli eine Reihe vor ihm auch extra Platz.
Felix Magath wäre nicht Felix Magath, wenn er nicht auch irgendwie auffallen würde: In diesem Fall einerseits durch sein Textil, er trägt als einziger einen Anzug, und andererseits durch seine Hautfärbung im Stile eines Dieter Bohlen. Damit sticht der Trainer jeden noch so südländischen Spieler seiner Mannschaft aus. Ganz nach Magaths Geschmack.

4.
Was fehlt?
Hasan Salihamidzic. Der Neuzugang verpasste den Fototermin, weil er sich kurz zuvor den Arm gebrochenen hatte und operiert werden musste. Außerdem fehlt Diego. Der Brasilianer durfte zwar mit ins Trainingslager, weil Magath ihm wohlwollenden Trainingsfleiß unterstellte, aber für einen Platz auf dem Mannschaftsfoto reichte Magaths Gnade dann doch nicht aus. Man plant nicht mehr mit dem Brasilianer. Die Frage ist, was Diego gemacht hat, während dieses Foto entstanden ist. Salihamidzics Gips angelegt? Schmutzige Trikots gewaschen? Den Hügel der Leiden gewässert? Eine Demütigung ganz nach Magaths Geschmack.

5.
11FREUNDE-Prognose
Felix Magath wird seine Männer pünktlich zum Saisonstart zu Bestform gequält haben. Zur Winterpause aber wechseln die absoluten Leistungsträger Salihamidzic, Lakic und Schulze völlig überraschend zu Dynamo Moskau, weil sie sich nach mehr Wärme sehnen. Wolfsburg startet mit einer Niederlagen-Serie in die Rückrunde, flugs kündigt Magath seinen Vertrag und wechselt – ganz nach seinem Geschmack – noch am selben Tag zurück zum FC Schalke 04. Am Ende der Saison landet Wolfsburg auf Rang 17 und steigt ab.

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