Mannschaftsfoto (15): 1. FC Köln

Die Achsenspieler

Links wie rechts: Beim 1. FC Köln verschieben sich die Achsen, der Verein besticht durch Flexibilität, Balance und neue Kontinuität. Am Ende springt die minimalste Steigerung gegenüber der vergangenen Saison dabei heraus. Mannschaftsfoto (15): 1. FC Kölnimago

Unsere Serie: Wir präsentieren jeden Tag das aktuelle Mannschaftsfoto eines Bundesligisten und zeigen in unserer Bildergalerie die schönsten historischen Schüsse. Heute: 1. FC Köln.

1.
Der neue Star
Dass er in seinem fortgeschrittenen Fußballer-Alter von 28 Jahren noch einmal als Star tituliert würde, hätte sich Sascha Riether wohl auch nicht vorstellen können. Aber in Köln ist alles ein bisschen anders. Sobald die ersten vagen Anzeichen eines sich andeutenden Transfers von Riether, dem auch noch das Reizwort »Nationalspieler« anhaftet, in Köln durch die Presse geisterten, kannte der örtliche Boulevard kein Halten mehr. Sascha Riether erfährt in der Domstadt eine erdrückende Zuneigung, aber auch die gewohnt größenwahnsinnige Erwartungshaltung, dass es mit »Vorschusslorbeeren« nur unzulänglich beschrieben wäre. Er soll die Defensive stabilieren helfen und ein wichtiger Teil einer sogenannten Achse werden. Kleiner Exkurs: Achse ist ein beliebtes Plastikwort von Sportjournalisten und mittlerweile auch von Trainern. Aus jedem Mannschaftsteil wird der Spieler als Achsenspieler gekrönt, dem man am meisten zutraut. Bisher hatte Köln meist keine Achse, weil in der Mitte jemand fehlte. Nun kommt neben Riether vielleicht sogar noch ein zweiter hinzu: der Flügelspieler Mato Jajalo (vorderste Reihe, vierter von rechts). Wobei, ganz neu ist Jajalo freilich nicht, er spielte bereits in der vergangenen Saison beim FC, damals noch auf Leihbasis vom AC Siena. Jetzt hat man den kroatischen Nationalspieler für etwa zwei Millionen Euro gekauft. Jajalo soll Unruhe stiften. Das nennt man dann wohl Achsensprung.

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2.
Wer ist er denn?

Beim FC Köln haben sie noch Sinn für Humor. Direkt neben dem wie immer fröhlich grinsenden Vereinsaushängeschild Lukas Podolski steht Tomoaki Makino. Der weiß anscheinend auch nicht so recht, wie er das finden soll: ehrenvoll? Belastend? Der berühmteste FC-Spieler neben dem, nun ja, noch nicht so richtig zur Geltung gekommenen Japaner mit fünf Einsätzen in der vergangenen Rückrunde. Ob Makino ein Achsenspieler in der Abwehr werden kann, muss er jedenfalls erst noch beweisen.

Bildergalerie: Historische Mannschaftsfotos des 1. FC Köln >>

3.
Eine kleine Stilkritik
Ersatztorwart Miro Varvodic (der mit den schwarzen Haaren) guckt versteinert und hält als einziger der vier Torhüter den Ball ins Bild. Eine klare Kampfansage an den gesetzten Michael Rensing! Dass den diese Provokation jedoch ziemlich kalt lässt, kann man ihm im Gesicht ablesen. Überhaupt scheint sich Rensing mit zwei seiner Kollegen abgesprochen zu haben, was das Lächeln angeht: Zusammen mit Lukas Podolski und Christian Eichner (links neben Podolski) bildet er eine Grins-Achse. Die ist zwar etwas verzerrt, passt somit aber auch zur Anordnung der Bildanordnung. Hier nämlich lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Das ansonsten tadellos austarierte Gesamtgefüge wird optisch durch den leichten Überhang von Schwarzhemden auf der rechten Seite getrübt (2:3). Dieses Ungleichgewicht gleicht man beim FC etwas trickreich aus, indem die größte Achse, die das Bild zusammenhalten soll, wiederum einen Linksruck vollführt. Die Rede ist von den beiden kräftigen Baumstämmen im Hintergrund, welche die Seitenränder markieren. Der linke Stamm zieht das Bild eindeutig wieder auf seine Seite. Was das nun für Köln und die kommende Saison bedeutet? Der FC ist flexibel, kann links wie rechts. Aber auf die Saison betrachtet ist der Kader ausgeglichen und behält die Balance.

4.
Was fehlt?

Hennes VIII. Auch wenn es auf fast allen Mannschaftsfotos das nervige Element ist, gerade beim 1. FC Köln gehört das Maskottchen mit aufs Bild. Wie auf der Vereinshomepage zu lesen ist, setzte sich Hennes VIII., der mit bürgerlichem Namen »Bertie« heißt, mit über 70 Prozent der wahlberechtigten FC-Mitglieder gegen die Konkurrenten »Jimmy«,»Elvis« und »Rocky« durch. Das hat einen Auftritt auf dem Mannschaftsfoto verdient. Dass es auch Nationalspieler Sascha Riether nicht mehr auf das Bild schaffte, ist wohl der späten Verpflichtung geschuldet – oder aber der vielen Interviewanfragen, in welchen er womöglich noch einmal die Gründe für seinen überraschenden Wechsel an den Rhein erörtern soll. Und wo ist überhaupt Volker Finke? Muss er womöglich Hennes im Zaum halten? 

5.
Prognose 2011/12
Albert Einstein vertrat zwar die Meinung, dass nur zwei Dinge unendlich seien: das Universum und die menschliche Dummheit; dass er Nummer drei unerwähnt ließ, liegt allein daran, dass er leider acht Jahre vor der Bundesligagründung verstarb. Sonst hätte er natürlich auch noch die Erwartung der Fans des 1. FC Köln dazugerechnet. Aber wir glauben nicht an die Deutsche Meisterschaft. Stale Solbakken, der neue Trainer, wurde verpflichtet, um mindestens das Ergebnis der vorigen Saison zu wiederholen: Platz 10. Vor allem ist den Kölnern zu gönnen, dass mit Volker Finke endlich einmal ein Mann für Stabilität und Kontinuität sorgen könnte. So wagen wir es, Albert Einstein zu widersprechen (obwohl er das eingangs erwähnte natürlich nicht gesagt hat) und prognostizieren für Köln die minimalste Steigerung gegenüber der vergangenen Saison: Platz 9.

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