Mannschaftsfoto (13): Hannover 96

Im Glückshormonrausch

Mannschaftsfoto (13): Hannover 96

Unsere neue Serie: Wir präsentieren jeden Tag das aktuelle Mannschaftsfoto eines Bundesligisten und zeigen in unserer Bildergalerie die schönsten historischen Schüsse. Heute: Hannover 96.

1.
Der neue Star
Christian Pander (untere Reihe, 5. v. l.) probiert sich bei Hannover 96 an seinem x-ten Anlauf zurück ins Rampenlicht der Bundesliga. Ein Mann, mit so vielen Comebacks wie Evander Holyfield, dabei aber verletzungsbedingt erfolgloser als »The Real Deal«. Panders Krankenakte ist dicker als der Brockhaus, er muss als das X in der Hannoverschen Gleichung bezeichnet werden, als die/der große Unbekannte. Bleibt der Linksverteidiger wider Erwarten fit, erwartet Christian Schulz ein zundriger Zweikampf. Schon Panders Bilanz im Nationaltrikot dürfte Schulz schocken: »Funky Pee« traf in der Hälfte seiner Spiele für Deutschland ins Tor.

In unserer Bildergalerie: Historische H96-Mannschaftsbilder >>

2.
Wer ist er denn?
In der zweiten Reihe tummelt sich links neben Jörg Sievers ein Mann aus dem Funktionsteam, der nur Kennern und Kiebitzen ein Begriff sein dürfte: Nestor El Maestro. Einst hieß der in Belgrad Geborene noch Nestor Jovic, änderte im zarten Alter von 18 Jahren aber seinen Nachnamen und ließ sich das auch amtlich eintragen. Ob Nestor damit Mädels abgreifen wollte, eine Wette verloren hatte oder einfach nur gelangweilt war, kann allenfalls gemutmaßt werden. Die fixe Idee zeitigte jedenfalls baldigen Erfolg: El Maestro übernahm, gerade mal volljährig, das Technik-Training von West Ham United, heuerte später auch bei Juventus Turin, Austria Wien und dem FC Valencia an. 2006 erlag Mirko Slomka als Coach von Schalke 04 diesem Namen, der den revolutionären Duft von Guerilla und dekadenter Klassik atmet. Nestors Biografie beweist, bei aller ohne jeden Zweifel vorhandenen Kompetenz: Auch im Fußball macht der Ton die Musik.

3.
Eine kleine Stilkritik
In unserem Bundesliga-Sonderheft #117 titeln wir »Han over – Sie sind in der Europa League ... und haben keine Ahnung, wie sie dahin gekommen sind«. Der Durchmarsch von Hannover 96 bis auf Platz 4 hat alle überrascht, zuvorderst den Verein selbst. Ergo ist das ebenso kollektive wie entrückte Grinsen endlich mal nicht dem Dekret des Sponsors mit gleichem Logo geschuldet, sondern ehrlicher Vorfreude. Optisch sind die 96er gut gewappnet für das internationale Parkett. Rot und Grün harmonieren, das wurde mit der Farbenlehre bewiesen, großartig miteinander, und auch die schwarzen Torwarttrikots heben sich wohltuend von den neonfarbenen Exemplaren der Konkurrenz ab. Einzig beim Blick auf Mirko Slomka (mittlere Reihe, 4. v. r.) stutzt der Betrachter: Hier spannt das Shirt hauteng. Der Trainer hat im Sommer ganz offensichtlich an der Hantel geschnuppert und zwanzig Kilo Kraftmasse raufgeschafft. Ein Workout, das zum neuen Selbstverständnis passt: Hannover ist nicht mehr Abstiegskandidat Nr. 1, sondern ein Klub mit Ambitionen. Man lässt die Muskeln spielen, lieferte sich im Frühjahr ja schon einen zähen Zweikampf mit dem Primus aus München. Mirko will mehr George Clooney sein statt nur netter Herr Slomka. 

4.
Was fehlt?
Zum perfekten, weil fehlerfreien Mannschaftsbild beschriebenermaßen nicht viel. Die Entscheidungsträger aus dem operativen Geschäft, zum Beispiel Martin Kind und Jörg Schmadtke, halten sich fern. Und auch mit dem Hype um die »In-Stadt« Hannover (Lena, Christian Wulff) wurde idealerweise nicht kokettiert, befindet sich dieser doch sowieso schon wieder in der Regression. Bei den Niedersachsen regiert eine Mischung aus neuem Selbstbewusstsein und dem Understatement der alten Saison. Das kann weit führen. Womit wir bei der Prognose wären.

In unserer Bildergalerie: Historische H96-Mannschaftsbilder >>

5.
Prognose 2011/12
Es wäre vermessen, an die kopiegleiche Wiederholung des Höhenfluges zu glauben. Genauso wenig ist ein totaler Absturz realistisch. Hannover 96 hat es geschafft, die wichtigsten Stützen zu halten (Zieler, Haggui, Schulz, Rausch, Ya Konan) und wird sich deshalb in der oberen Tabellenhälfte einpendeln. Die Region zwischen Platz 5 und 9 ist möglich, wir wählen die blecherne Mitte und sagen: Siebter. In der Europa League kann die ungebrochene Euphorie – die letzten Pokalnächte datieren aus 1992 und stiegen gegen, ein billiger Treppenwitz, Werder Bremen – auch das Achtel-, vielleicht sogar das Viertelfinale bringen. Selbst wenn es mal nicht ganz so gut laufen sollte beim Nordklub: Dass sie mehr Geduld haben mit Mirko Slomka als die Verantwortlichen auf Schalke, wurde vielfach bewiesen.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!