Manchesters Stürmer Javier Hernandez

Die mexikanische Erbse

Manchesters Stürmer Javier Hernandez

Ob ein Klub eine gute oder eine schlechte Scouting-Abteilung hat, entscheidet sich an Kleinigkeiten. Vereine mit einer schlechten fahren zu einer WM und holen nach dem Turnier die stärksten Spieler. Vereine mit einer guten holen schon vorher die, die während der WM zu Stars werden. So hielt es Manchester United bei Javier Hernandez.

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Und so brauchte sich kein großer Klub mehr zu bemühen, als bei der WM 2010 bei den eher durchwachsenen Auftritten der Mexikaner ein kleiner Angreifer herausstach. Vor allem Hernandez' 1:3 im Achtelfinale gegen Argentinien deutete an, dass hier ein großes Talent schlummerte: Mit dem Rücken zum Tor wird er an der Straufraumgrenze angespielt, nach einer knappen Körpertäuschung legt er sich den Ball in den freien Raum, setzt kraftvoll hinterher und drischt den Ball mit links hoch ins kurze Eck. Eins der schönsten Tore des Turniers.



Seine Begabung stand also außer Zweifel, aber wie würde der Mann mit dem Spitznamen »Chicharito« (kleine Erbse) den Wechsel von Deportivo Guadalajara in die stärkste Liga der Welt verkraften? Warnende Beispiele von Landsleuten, die in Europa die hohen Erwartungen nicht erfüllt haben, gab es schließlich genug.

So ragten bei der mexikanischen Mannschaft, die 2005 überraschend U17-Weltmeister wurde, zwei Spieler heraus. Carlos Vela wurde mit fünf Treffern Torschützenkönig, Giovani dos Santos wurde zum zweitbesten Spieler des Turniers gewählt. Arsenal sicherte sich rasch die Dienste von Vela, dos Santos spielte da schon für den FC Barcelona. Der ganz große Durchbruch ist beiden nicht gelungen: Vela ist gerade an West Bromwich Albion verliehen, dos Santos gehört Tottenham und wird von den Spurs immer wieder verliehen. Derzeit spielt er für Racing Santander, den 15. der Primera Division.

Hernandez ist ein anderes Kaliber. Der 1,73 Meter kleine Angreifer hat schnell erkannt, worauf es in Europa ankommt. Über seine Anfangszeit in England sagt er: »Es war nicht einfach. Nichts im Leben ist einfach. Ich bin körperlich viel stärker geworden, bin oft im Kraftraum. Ich mache das nicht gerne, aber es war nötig, weil die Premier League schneller und körperbetonter ist.«  

Die harte Arbeit hat sich gelohnt: In der Premier League hat Hernandez in 24 Spielen zwölf, in der Champions League in sieben Partien vier Tore erzielt. Auffällig ist dabei, dass er die meisten seiner Treffer aus dem Fünfmeterraum heraus erzielt. Mal grätscht er mit vollem Einsatz in Pässe hinein wie im CL-Viertelfinale gegen Chelsea, mal nickt er aus kurzer Distanz ein wie am Wochenende beim wichtigen 1:0 gegen Everton. Und wenn es gar nicht anders geht, trifft er auch mit dem Hinterkopf wie gegen Stoke:



Bei solchen Toren wundert es dann nicht, dass sein Trikot mit der Nummer 14 und seinem Spitznamen zu den bestverkauften im Fanshop von Manchester United gehört.

Den Titel in England hat Manchester United fast sicher, der Erfolg in der Champions League wäre die Krönung für Hernandez' tolle erste Saison in England. Nicht nur auf Rooney, Giggs und Nani muss Schalkes Verteidigung heute Abend also ein Auge haben. Sondern auch auf die kleine Erbse aus Mexiko, die durch viel harte Arbeit Europa im Sturm erobert hat.

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