Manchester City und die deutschen Spieler

Als Poster an der Wand

Kaum ein englischer Verein hat in seiner Geschichte so viele Deutsche unter Vertrag genommen wie Manchester City. Einige wurden zu Legenden, andere suchten schnell das Weite. Doch woher kommt diese Verbindung? Manchester City und die deutschen Spieler
Heft#96 11/2009
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Im UEFA-Pokal Viertelfinale zwischen dem HSV und Manchester City steht mit Dietmar Hamann heute ein Deutscher auf Seiten der Engländer. Das scheint in den Zeiten der globalisierten Fußballwelt nicht weiter interessant. Immerhin spielt Hamann seit Jahren in England, ist auf der Insel akzeptiert und galt sogar einst als legitimer Namensgeber einer Brücke, die zum Heiligtum des englischen Fußball, des Wembley Stadions, führen sollte. Doch das der Deutsche Hamann über die Stationen Newcastle und Liverpool bei Manchester City gelandet ist, ist auch Teil einer Tradition, die mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann. Denn seitdem spielten in kaum einem anderen englischen Verein so viele Deutsche wie bei Manchester City.

Der erste und gleichwohl bekannteste Deutsche in der Geschichte von Manchester City war Bernd Trautmann. Der gebürtige Bremer landete als Kriegsgefangener in England, wurde von einem Dorfplatz von St.Helens Town entdeckt und unterschrieb bereits 1949 einen Vertrag bei Manchester City. Gegen den anfänglichen Widerstand einer ganzen Stadt, deren Einwohner, gebeutelt vom Krieg, keinen Deutschen in ihren Reihen haben wollten, erspielte sich Trautmann die Sympathien der Zuschauer und wurde zu einem der besten Torhüter seiner Zeit. Jahrzehnte später entdeckten die Zuschauer von City einen neuen Publikumsliebling, der wieder aus Deutschland kam: Uwe Rösler.

»Uwes Granddad bombed Old Trafford«

Rösler wechselte 1994 von Dresden nach Manchester, mit ihm kam, der in Dortmund aussortierte, Steffen Karl. Karl konnte sich nicht durchsetzen und ging schon nach wenigen Monaten in die Schweiz. Rösler hingegen schoss in der Folge in 153 Ligapartien 50 Tore und verewigte sich so in den Geschichtsbüchern von City. Die Fans liebten den Fußballarbeiter Rösler, der in Deutschland bis dahin nur echten Experten bekannt war, und feierten ihn bei jedem Ballkontakte mit einem lang gezogenen »Uuuuuuuuuuuwe«. Er blieb bis 1998 in Manchester, machte mit dem Verein den Abstieg in die zweite Liga mit und traf in dieser Zeit im Kader von City immer wieder alte Bekannte aus der Heimat. 1995 kamen Eike Immel und Maurizio Gaudino zu Manchester, doch während der Mittelfeldstratege nur ein halbes Jahr blieb, um dann nach Mexiko zu wechseln, wurde Immel in der Abstiegssaison zum Stammtorhüter an der Maine Road. 1996 folgte dann Michael Frontzeck auf die Insel und blieb zwei Jahre bevor er dann zum SC Freiburg ging. Nachdem Rösler ManCity verlassen hatte, druckten die Zuschauer ihm zu Ehren T-Shirts mit der bissigen Aufschrift: »Uwe's Granddad bombed Old Trafford« – ein schwarzhumoriger Ritterschlag. Warum gerade in den 90er Jahren so viele deutsche Spieler an die Maine Road gingen, kann nur erahnt werden. Einerseits wurde England in dieser Zeit erstmals wieder für ausländische Spieler attraktiv, weil es auf der Insel abseits der italienischen Seria A großes Geld zu verdienen gab. Andererseits passten die deutschen Spieler, mit den ihnen nachgesagten Tugenden, perfekt zu einem Verein, der immer zwischen der ersten und zweiten Liga pendelte. Kampf und Einsatzwillen waren an der Maine Road einst wichtiger als Hochglanz und Show. Doch auch die Strahlkraft von  Bernd Trautmann ist im Nachhinein nicht zu unterschätzen. Sein Auftreten und Verhalten in der schwierigen Nachkriegszeit schaffte viele Sympathien und imponierte den Briten bis heute. 2007 wählten die City-Fans Trautmann sogar zum besten ManCity-Spieler aller Zeit. Auch nach Rösler Abgang hielt die Tradition weiter an. Im Jahr 2001 ging Dino Toppmöller, der Sohn von Klaus Toppmöller, nach England, blieb aber ohne Einsatz an der Maine Road. 2003 kam dann Michael Tarnat, der nach seiner turbulenten Zeit in München bei City eine willkommene Abwechslung fand. Und heute steht eben mit Dietmar Hamann ein weiterer Deutscher im Kader.

Woher die Liebe des Vereins zu deutschen Spielern wirklich kommt, ist nicht abschließend zu klären. Das die romantische Idee, die Vereinsvorderen hätten einfach einen Faible für deutsche Tugenden, keinen Bestand hat, ist allerdings genauso klar, wie die Tatsache, dass die City-Fans, trotz des historisch angespannten deutsch-englischen Beziehung, ein besonders Verhältnis zu »Traut the Kraut« und seinen Nachfolgern aufgebaut haben. Sie mögen ihre Deutschen. Ob die Tradition auch weiterhin Bestand hat, wagt selbst Bernd Trautmann zu bezweifeln. Der Verein ist durch den Einfluß seiner Milliardeninvestoren mittlerweile nur noch ein Schatten seiner ruhmreichen Geschichte. Trautmann beschwerte sich jüngst, dass bei City mittlerweile nur noch »Bürokraten am Werk« seien, denen das Gefühl für den Sport fehle.« Enttäuscht sagte er:»Der Verein hat sehr große Spieler gehabt, die hängen in der Legends Lounge nur noch als Poster an der Wand.« Unter ihnen sind auch viele Deutsche.

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