Magath und Helmes: Chronologie einer schwierigen Beziehung

Ja, es ist (doch) Liebe!

Felix Magath fordert: Patrick Helmes muss mit zur EM! Dabei wollte ihn vor knapp vier Monaten noch nicht mal mehr sein Amateurtrainer Lorenz-Günther Köstner haben. Helmes wurde isoliert und aussortiert – nun trifft er wie er will. Eine Chronologie der Extreme.

4. April 2011
Das erste Zeichen war ein positives: Nach seiner Rückkehr zum VfL Wolfsburg beordert Felix Magath Patrick Helmes für das Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt in die Startelf. Ungeachtet dessen besitzt der Stürmer bei Magath von Beginn an keinerlei Kredit. Nach dem Schlusspfiff der Partie, die 1:1 endet, wird dies deutlich. »Wenn ein Spieler seine Stärken im Abschluss hat, und die nicht nutzt, ist es schwer, Geduld zu haben«,  ereifert sich Magath über die vergebenen Großchancen Stürmers. Helmes wird aus der Startelf verbannt.

5. Mai 2011
Die Argusaugen Magaths lassen Helmes nicht los. Und ja, der Stürmer kann in der Gunst des Patriarchen punkten. »Er hat seine Intensität im Training gesteigert. Es ist ein gutes Zeichen, wenn man als Trainer merkt, dass ein Spieler die Lage erkannt hat«, äußert sich Magath vor der Partie gegen den 1. FC Kaiserslautern am 33. Spieltag. Seit dem Remis gegen Frankfurt hat Helmes nicht mehr von Beginn an gespielt. Nun kehrt er zurück in die erste Elf. Wird jetzt alles gut?

9. Mai 2011
Helmes hat gegen Kaiserslautern nicht getroffen, seine beste Chance vergab er per Kopf. »Vielleicht war er etwas zu verkrampft«, mutmaßt Magath, zeigt dafür jedoch wenig Verständnis. In Hoffenheim steht eine Woche später das Endspiel um den Klassenerhalt an. Für Helmes, das steht schon zu diesem Zeitpunkt fest, führt der Weg zurück auf die Ersatzbank. Letztlich fehlt der Ex-Leverkusener erkrankt, als der VfL durch einen 3:1-Erfolg die Klasse hält. Sommerpause.

14. Juli 2011
Die Vorbereitung auf die neue Saison läuft. Srdjan Lakic, Mario Mandzukic und Helmes keilen sich um die freien Plätze im Sturm. Und der Ex-Kölner macht auf sich aufmerksam. »Er trainiert gut«, lobt Magath ungeachtet der Gerüchte, die besagen, dass er ihn am liebsten loswerden möchte. Helmes lässt das alles kalt. Er strotzt vor Selbstvertrauen: »Viele rechnen nicht mit mir – vielleicht wird mancher am ersten Spieltag blöd gucken.«

7. August 2011
Das war's. Mehr geht nicht. Helmes hat es geschafft! 3:0 gewinnen die Wolfsburger am ersten Spieltag in Köln, und der Ex-Nationalstürmer steuert zwei Tore zum Erfolg hinzu. »Normalerweise gibt's dafür einen Stammplatz«, posaunt der Mann des Spiels mutig heraus. Ganz ernst gemeint wird er seine Aussage nicht haben, dafür kennt er Magath mittlerweile zu gut. Vom Trainer gibt's erwartungsgemäß keine Lobeshymnen, sondern eine eiskalte Forderung: »Dieses Niveau muss er mindestens halten, dann steht weiteren Einsätzen nichts im Wege.«

8. September 2011
Nein, Helmes konnte seine Leistung nicht halten (mindestens zwei Tore pro Spiel) oder gar steigern. Für Magath Grund genug, seinen Angreifer zum gesonderten Lauftraining zu schicken und obendrauf eine Geldstrafe von 10.000 Euro zu verhängen, die ebenfalls mit Helmes' dürftigem Defensiveinsatz gerechtfertigt wird. Immerhin: Zwei Tage vor der Partie gegen Schalke 04 kehrt Helmes aus der Isolation zur Mannschaft zurück.

20. September 2011
Frustschießen eines Geächteten: Helmes darf im Testspiel gegen Landesligist Eintracht Lüneburg ran und trifft beim 12:0-Schützenfest sechsfach. Eine Torquote, die Magath offensichtlich auch in der Bundesliga erwartet. In den nächsten beiden Spielen darf Helmes jeweils eine Halbzeit ran.

17. November 2011
Magath reicht's: Für Helmes gibt es keinen Platz mehr im VfL-Kader. »Er kann uns bis zur Winterpause nicht mehr helfen«, findet der Trainer und schickt seinen Stürmer zur zweiten Mannschaft, die in der Regionalliga kickt. Der vorläufige Tiefpunkt?

22. November 2011
Es geht noch schlimmer: Helmes entschließt sich dazu, für die zweite Mannschaft aufzulaufen, trifft gegen den FC St. Pauli II sogar einmal (Endstand: 2:2), sieht aber kurz vor Schluss die Rote Karte wegen Nachtretens. Der Magath der Reserve heißt Lorenz-Günther Köstner. Und der schlägt sich im »kicker« ebenfalls auf die Seite der Helmes-Kritiker: »Wenn man hakelt und der Schiedsrichter nimmt das wahr, kann man sich nicht beschweren.« Helmes wird für drei Spiele gesperrt.

12. Januar 2012
Es ist Winterpause, und für Helmes keine Besserung in Sicht. Noch nicht mal Köstner ist scharf auf den Mann, der in der Saison 2008/09 21 Tore in der Bundesliga schoss. Die VfL-Reserve hat wieder mit dem Training begonnen, Helmes macht artig mit, doch Köstner nimmt ihm, wiederum im »kicker«, magathesk den Wind aus den Segeln. »Sie (neben Helmes sind drei weitere Spieler von Magath in die zweite Mannschaft verbannt worden, Anm. d. Red.) müssen einsehen, dass sie bei uns nicht alles mitmachen können und auch gesondert trai­nieren müssen.« Testspiele sind für Helmes und Co. tabu. Immerhin: Beim Sieben-gegen-Sieben-Spielchen und der Zweikampfschulung dürfen die Profis mitmachen.

16. Januar 2012
Letzter Ausweg Zweite Liga? Eintracht Frankfurt will Helmes verpflichten, der Aufsichtsrat der Hessen hat bereits sein Okay für Gespräche mit Magath gegeben.

31. Januar 2012
Der Wechsel zur Eintracht platzt. Magath soll zu viel für seinen Ladenhüter gefordert haben. Der Stürmer selbst zeigte sich tadellos, wie Frankfurts Sportdirektor Bruno Hübner bestätigt: »Wir bedanken uns bei Patrick Helmes für das entgegengebrachte Vertrauen während der gesamten Verhandlungszeit.« Kaufen kann sich Helmes davon nichts: Ihm droht ein hartes Halbjahr in der Versenkung.

1. Februar 2012
Magath hat ein Einsehen. »Er wird wieder bei uns mittrainieren«, verkündet der Wolfsburger Macher einen Tag nach Ende der Transferfrist. Der Marktwert, den Helmes noch besitzt, soll nicht im Regionalliga-Nirvana zusammenschrumpfen.

19. Februar 2012
Eine Spitze hat Magath noch im Petto: Zum Auswärtsspiel nach Gelsenkirchen (0:4) nimmt er Helmes zwar mit, doch im 18-Mann-Kader steht der Stürmer nicht. Aufwärmen mit den Kollegen: ja. Spielen: nein. Noch nicht. Eine Woche später steht er tatsächlich zum ersten Mal seit dem 1. Oktober 2011 wieder auf dem Platz und trifft per Elfmeter zum zwischenzeitlichen 1:1 (Endstand: 1:2).

17. März 2012
Ein Helmes-Doppelpack sichert Wolfsburg den 3:1-Erfolg in Nürnberg. Helmes hat vier Tore in den zurückliegenden vier Spielen erzielt, doch euphorisch ist er deswegen nicht: »Derzeit passt es. Ich spiele und habe das Vertrauen des Trainers. Aber was in naher Zukunft passiert, wird man sehen.« Magath schlägt plötzlich positive Töne an: »Seine Stärken liegen im Strafraum, dies hat er eindrucksvoll demonstriert. Er wird auch in Zukunft seine Tore für uns machen.«

8. April 2012
Die Kehrtwende ist endgültig: Magath plant mit Helmes und Mario Mandzukic, den er zwischenzeitlich ebenfalls angezählt hatte, für die Zukunft. »Beide haben Verträge, die noch über die kommende Saison hinausgehen. Es gibt nicht die Absicht, sich von den Spielern zu trennen«, sagte der Trainer und Manager dem Norddeutschen Rundfunk (NDR).

29. April 2012
Die Beziehung Magath-Helmes auf dem Höhepunkt: Nach dem 3:1-Erfolg gegen Werder Bremen, zu dem der Stürmer zwei Tore beigetragen hat, ergreift der Trainer öffentlich Partei für seinen einstigen Problemfall. »In so einer Verfassung wie Patrick Helmes ist, weiß ich nicht, wie man ihn nicht mitnehmen kann. Aus meiner Sicht führt für Joachim Löw kein Weg an Patrick Helmes vorbei«, fordert Magath eine Nominierung des Stürmers für die EM. Zudem demonstrierte er die Wertigkeit Helmes anhand des verloren gegangenen Spiels in Hannover: »Hätte Helmes bei dieser so wichtigen Begegnung mitspielen können, wäre unsere Europa-League-Qualifikation schon sicher.« Dass er vor der Partie gegen Bremen nicht trainieren konnte, veranlasste Magath im Hinblick auf den letzten Spieltag sogar zu einem Scherz: »Wenn Patrick Helmes immer zwei Tore schießt, wenn er die Woche nicht trainiert hat, dann braucht er auch in der nächsten Woche nicht trainieren.«

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