Machtwechsel: Fürth, Paderborn und Co. ersetzen Köln, Hamburg und Berlin

Hurra, hurra, das ganze Dorf ist da

Ein Graus für alle Traditionalisten: Während sich die ruhmreichen Großklubs aus Köln, Hamburg und Berlin selbst demontieren, streben immer mehr Provinzvereine in den oberen Etagen. Ein Wachwechsel, der seine Berechtigung hat, meint zumindest unser Autor Jens Kirschneck.

Neulich musste ich das erste Mal seit längerem mal wieder einen sogenannten Facebook-Freund eliminieren. Nicht, dass der mir persönlich kaum bekannte Geselle zur Tierpornographie aufgerufen oder acht Mal täglich über den Stand seiner Verdauung informiert hätte. Es ging eigentlich bloß um einen einzigen Satz, angelegentlich einer weiteren Niederlage für den 1. FC Köln. Der Satz lautete sinngemäß so: »Ich bin so verzweifelt, ein Verein wie der FC gehört einfach in die Bundesliga, wer will dort schon Greuther Fürth sehen?«

Mit jemandem, der solche dämlichen Sätze schreibt, möchte ich nicht befreundet sein, nicht einmal bei Facebook. Wenn man den Mann fragen würde, warum denn der 1. FC Köln eher in die erste Bundesliga gehört als die Spielvereinigung Greuther Fürth, so würde wahrscheinlich ein stereotyper Sermon über Tradition, Flair und tolle Fans kommen, wogegen Fürth graue Maus, kaum Zuschauer und überhaupt.

Man muss das jetzt nicht im Einzelnen sezieren und kann sich die klugscheißende Bemerkung, dass Fürth ebenso oft Deutscher Meister geworden ist wie der große FC aus Kölle, geflissentlich sparen. Und natürlich hat Köln mehr Fans und unbestreitbar einen gewissen Glamour, auch wenn der inzwischen doch ein bisschen streng riecht. Aber gibt dies dem Klub und seinen Anhängern die Legitimation, sich als natürlich geborener Erstligist zu fühlen? Oder gehört nicht auch ein bisschen dazu, vernünftig Fußball zu spielen?

Rattenschwanz aus Tradition, Flair und tollen Fans erschwert den Erfolg

Vielleicht ist es sogar so, dass dieser ganze Rattenschwanz aus Tradition, Flair und ach so tollen Fans Kölner Erfolge wenn nicht verunmöglicht, dann doch zumindest erheblich erschwert. Gleiches gilt, damit wir uns nicht missverstehen, auch für den Hamburger SV und Hertha BSC. Allesamt Vereine in einer großen Stadt, mit tollen Fans, einer beeindruckenden Ahnengalerie – und im Moment schrecklich erfolglos.

Wenn man sich die Tabellen der ersten drei deutschen Ligen anschaut, könnte man leicht auf die Idee kommen, dass sich im provinziellen Kontext leichter erfolgreicher Fußball produzieren lässt als im überhitzten Umfeld der in den großen Metropolen ansässigen Traditionsvereine.

Der Abstieg der verstaubten Großstadtklubs wäre am Ende gerecht

Während im Oberhaus Köln und Berlin ums Überleben kämpfen, haben Klubs wie Freiburg und Augsburg trotz zwischenzeitlich kritischer Lage den Klassenerhalt mittlerweile so gut wie sicher. In der zweiten Liga haben die bereits erwähnten Fürther den Aufstieg perfekt gemacht und ein Niemand wie der SC Paderborn nach wie vor beste Chancen, während die wesentlich populäreren Aachener, Karlsruher und Rostocker zweieinhalb Absteiger unter sich ausmachen. Sollten alle drei runter müssen, ist es nicht unmöglich, dass sie von Sandhausen, Aalen und Heidenheim ersetzt werden: drei (pardon!) Käffern irgendwo aus Baden-Württemberg, die bislang noch nie groß im Profifußball in Erscheinung getreten sind.

Offenbar ist es so, dass sich bei den Großklubs eitle Selbstdarsteller von einer aufgeregten Presse und nach vergangenem Glanz dürstenden Fans zu einer Vereinspolitik treiben lassen, die nur selten von Nachhaltigkeit und fachlichen Erwägungen getrübt ist, während sich in eher verschlafenen Nestern in aller Ruhe werkeln lässt – wobei von Wirtschafts-Multis alimentierte Vereine wie Wolfsburg, Hoffenheim und Red Bull Leipzig ausdrücklich ausgenommen seien.

Zurück zum Anfang: Mag sein, dass es unter folkloristischen Gesichtspunkten schade ist, wenn ein Klub wie der 1. FC Köln (oder Hertha oder der HSV) aus der Bundesliga verschwindet. Aber es wäre auch folgerichtig und furchtbar gerecht.

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