09.01.2013

Machtkampf bei Real Madrid: Casillas vs. Mourinho

Königlich zerstritten

Seite 2/3: Schuld war nur die Carbonero
Text:
Sebastian Stier
Bild:
Imago

Die Probleme zwischen Mourinho und seinem Kapitän begannen kurz nach der Ankunft des Trainers bei Real. Sara Carbonero, Spaniens derzeit bekannteste TV-Reporterin, nannte Cristiano Ronaldo in einer Talkrunde einen »egoistischen Individualisten«. Keine exklusive Meinung, nur ist Carbonero die Freundin von Iker Casillas. In der Umkleide kam es zum Zwist, beleidigt stellte Ronaldo Casillas zur Rede. Mourinho war außer sich, er vermutete, dass Casillas seine Lebensgefährtin für seine Person sprechen ließ und so die Harmonie im Team absichtlich gefährde.

Intern ist Reals Team längst zerstritten. Auf der einen Seite steht die portugisiesch-sprechende Fraktion um Pepe, Ricardo Carvalho, Fabio Coentrao, Marcelo und eben Cristiano Ronaldo. Auf der anderen Spaniens Nationalspieler um Iker Casillas, Sergio Ramos, Xabi Alonso, Alvaro Arbeloa und Raul Albiol. Es geht um Einfluss und verletzte Eitelkeiten. Angeblich neiden die Portugiesen den Spaniern ihre Erfolge mit der Nationalmannschaft. Der Vorwurf: Casillas und die anderen kokettieren allzu offensiv mit den EM und WM-Titeln. Man erinnere sich an Ronaldos Gesicht, als Cesc Fabregas im EM-Halbfinale zwischen Spanien und Portugal den entscheiden Elfmeter verwandelte. »Das ist so unverdient«, will eine Lippenleserin Ronaldo entnommen haben. Mourinho hielt sich lange raus, ging es aber um unpopuläre Entscheidungen des Trainers, etwa bei Aufstellungsfragen, erhielt er die meiste Unterstützung von der Gruppe um Ronaldo. So etwa im Herbst, als er Europameister Sergio Ramos für kurze Zeit auf die Ersatzbank verbannte.

»Ey Mister, bei uns sagt man sich die Sachen ins Gesicht«

Mit Casillas und Ramos hat Mourinho seine größten Probleme. Anders als bei Chelsea oder Inter, wo er selbst schwierige Charaktere wie Nicolas Anelka oder Zlatan Ibrahimovic hinter sich bringen konnte, hat er bei Real die großen Leader gegen sich. Casillas und Ramos sind schon lange bei Real und im Klub sehr angesehen. Der mächtige Präsident Florentino Perez schätzt das Duo, genau wie die Fans im Santiago Bernabeu. Für den Machtmenschen Mourinho verfügen sie schlicht über zuviel Einfluss. Aus ihrer Position heraus scheuen sie keine Konfrontation. Nachdem er von Mourinhos Misstrauen aus der Zeitung erfahren hatte, raunte Casillas seinen Trainer laut spanischer Medien an: »Ey Mister, bei uns sagt man sich die Sachen ins Gesicht.«

 
 
 
 
 
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