Machtkampf bei Real Madrid: Casillas vs. Mourinho

Königlich zerstritten

Bei Real Madrid sitzt der beste Torwart der Welt nur auf der Bank. Das Verhältnis zwischen Iker Casillas und Trainer José Mourinho ist zerrüttet. Es geht um Macht, Einfluss und ein Telefonat zwischen Freunden.

So viel Zuneigung war José Mouhrinho schon unheimlich. Landsmann Cristiano Ronaldo hatte gegen Real San Sebastian gerade sein zweites Tor für Real Madrid erzielt, als er ohne Umwege Richtung Ersatzbank rannte. Dort fuchtelte Mourinho wild mit den Armen umher, er signalisierte Ronaldo, dass dieser doch verschwinden solle, aber es half nichts. Der Angreifer herzte und drückte seinen Trainer so fest, dass der sich nicht mehr erwehren konnte.

»Mourinho, hau jetzt ab!«

Cristiano Ronaldo gehört bei Real Madrid zu den wenigen Menschen, die José Mourinho noch lieb haben. Vor dem 4:3-Sieg gegen San Sebastian hatte es im Estadio Santiago Bernabeu ein Pfeifkonzert gegeben, als der Trainer bei der Mannschaftsaufstellung ausgerufen wurde. Ein anderer erntete dagegen stürmischen Beifall, obwohl er zunächst gar nicht spielte: Iker Casillas. Mourinho hatte den Torwart wieder auf der Bank gelassen – zum zweiten Mal innerhalb von zwei Spielen. Dass Casillas schon nach sechs Minuten eingewechselt werden musste, weil Antonio Adan wegen einer Notbremse die rote Karte gesehen hatte, beruhigte die Anti-Mourinho-Stimmung im Stadion nicht. Auf einem Plakat etwa schrieb ein junger Fan: »Ich bin Madridista seit meiner Geburt. Ich und meine ganze Familie wollen, dass du gehst! Mourinho hau jetzt ab!«

Der Streit zwischen Mourinho und Casillas erregt momentan weit über die Grenzen Madrids hinaus, in ganz Spanien ist die Auseinandersetzung Gesprächsthema. Wobei das, was gerade bei Real vor sich geht, weniger ein Streit als viel mehr ein Machtkampf ist.

Bereits vor Weihnachten hatte der Trainer seinen Torwart degradiert. Die 2:3-Niederlage beim FC Malaga musste sich Casillas von der Ersatzbank aus ansehen. Auch damals bekam Antonio Adán den Vorzug. Mourinho begründete seine Entscheidung rein sportlich: »Adán ist derzeit einfach besser.« Allein, glauben tat ihm das niemand. Reals Fans tobten, die Presse wütete. Ein Kolumnist der Sportzeitung »As« gab Mourinho die alleinige Schuld an der Niederlage und beim Konkurrenzblatt »Marca« sprachen sich über 80 Prozent der Online-Leser für einen sofortigen Abschied des Portugiesen aus. Der Zuspruch für Casillas war dagegen enorm.

In Madrid nennen sie Casillas »San Iker«, den heiligen Iker

Einen Tag nach dem Spiel in Malaga stand der 31-Jährige bei einem traditionellen Benefizspiel in Madrid zwischen den Pfosten. Es kamen mehr Zuschauer als sonst, sie feierten ihren Helden mit Sprechchören und Plakaten. Für Casillas, den sie in Madrid »San Iker«, den heiligen Iker nennen, endete das Spiel mit einem Bad in der Menge.
 
Sein ganzes Leben lang spielt Iker Casillas nun schon für Real Madrid. Mit dem Klub hat er unter anderem fünf Mal die spanische Meisterschaft und zwei Mal die Champions League gewonnen. Spaniens jüngste EM und WM-Erfolge wären ohne ihn als Nationaltorwart nur schwer möglich gewesen. Erst kürzlich wurde er vom internationalen Statistikverband IFFHS zum fünften Mal in Folge als Welttorhüter des Jahres ausgezeichnet. Auch das ein Rekord. Casillas, darüber herrscht in der Fachwelt Einigkeit, ist einer der besten Torhüter dieser Zeit. José Mourinho sieht das wohl anders. Es heißt, aus dem gesamten Trainerstab hätte niemand Casillas zu seiner Auszeichnung gratuliert.

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