Lukas Podolski darf noch einmal

Die einzige Alternative

Nach der unbefriedigenden Episode beim FC Bayern hatte sich Lukas Podolski gedanklich wohl schon nach Köln verabschiedet. Doch plötzlich wird er in München gebraucht. Ob er diese Chance nutzen kann – und will? Lukas Podolski darf noch einmalImago Als Lukas Podolski im Januar seinen Wechsel zum 1. FC Köln bekannt gab, war seine Karriere beim FC Bayern München auch formell beendet. Frustriert hatte Podolski jedoch schon Monate zuvor aufgegeben, ernsthafte Bemühungen anzustellen, um die Stammplätze der beiden Platzhirsche Klose und Toni zu attackieren. Es ging nur noch darum, eine verkorkste Saison einigermaßen versöhnlich zum Abschluss zu bringen.

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Vorbei war die Beziehung von Lukas Podolski mit dem Rekordmeister, die nach anfänglichen Schwärmereien und verbalen Liebkosungen ihr Ende in kalter Ignoranz fand. Startpunkt der Krise war Podolskis Auftritt im September 2008 beim Auswärtsspiel in Köln, als sich der Nationalspieler im Dienste der Bayern vom Kölner Publikum feiern ließ – eine ebenso bizarre wie einzigartige Szene dieser Saison. Allen war klar, dass Podolski nur noch weg wollte aus München. Was folgte, war ein monatelanges Hin und Her, ein Potpourri aus Bestätigungen und Dementis über die weitere Zukunft des Nationalspielers. Podolski sparte nicht mit Liebesbekundungen für seinen Heimatverein aus Köln, der im Gegenzug nichts unversucht ließ, um die nötigen Finanzmittel aufzutreiben, die einen Podolski Wechsel möglich machen konnten, um so Stadt und Verein in einen Quell ewiger Glückseligkeit zu verwandeln. Bayern-Manager Hoeneß polterte daraufhin, Podolski müsse sich »auf seinen Job konzentrieren, aufhören in der Ecke zu jammern, schlecht gelaunt zu sein und über seine so schwierige Situation zu lamentieren.« Doch nachdem der Wechsel nach Köln endgültig fix war, begann für Podolski die nächste Stufe seiner in jedem Fall lehrreichen Zeit beim FC Bayern.

In der Versenkung verschwunden

Nach einer Grippe rutschte Podolski in der interne Stürmer-Hierarchie sogar hinter die US-Leihgabe Landon Donovan und war damit faktisch in der Versenkung des Bayern Kaders verschwunden. Klinsmann nannte ihn offen »Stürmer Nr. 4« und machte so mehr als deutlich, dass Podolskis Einsatzzeiten sich für den Rest der Saison auf ein Minimum beschränken werden. Als Klinsmann, der noch Wochen zuvor an Podolskis Moral appellierte und ihm die Vorteile seiner Herausforderer-Position schmackhaft machen wollte, den 23-jährigen im Spitzenspiel gegen die Hertha nicht einmal für den Kader nominierte, war ein weiterer Tiefpunkt erreicht. Podolski wurde nicht mehr gebraucht, ein Gefühl das einen Fußballer lähmen kann. Das Lächeln des dauerfröhlichen Bergheimers wirkte noch gezwungener als in den Monaten zuvor. Vorbei war die Zeit der Späße und Witzchen, Podolski schien den Ernst der Lage erkannt zu haben. Ändern konnte er daran jedoch nichts mehr.

Doch wie schnell sich im Fußball doch alles ändern kann, merkt Podolski genauso wie der FC Bayern in diesen Tagen. Nach dem Abgang von Landon Donovan, den andauernden Problemen von Luca Tonis Achillessehne, die ihn seit vier Wochen außer Gefecht setzt und der schweren Verletzung Kloses, wurde aus dem »Stürmer Nr.4« innerhalb weniger Wochen der einzige konkurrenzfähige Angreifer, den der FC Bayern aufbieten kann. Auf einmal wird Podolski nicht mehr nur als Ergänzung gebraucht, er ist zum Hoffnungsträger für den FC Bayern geworden. Man hat hohe Ansprüche und muss in der Meisterschaft bis zum letzten Spieltag um den Titel kämpfen. Ein ungewohntes Gefühl für einen Verein, der sonst die souveräne Tabellenführung inklusive vorzeitiger Meisterschaft, in den Statuten festgeschrieben zu haben scheint. Auch in der Champions League wollen die Bayern weiterhin ihre Grenzen austesten.  So wird eine große Verantwortung auf Podolskis Schultern abgeladen.

Nicht gerade der günstigste Zeitpunkt, denn nach dem ungemütlichen Umgang mit ihm wird auch Podolskis Selbstbewusstsein einen Knacks erlitten haben. Doch es stellt sich nicht die Frage, ob Podolski diese Last überhaupt schultern kann oder will - er muss. Klinsmann wird wohl taktisch umstellen und Podolski bis zu Luca Tonis Rückkehr als einzige Spitze aufbieten. Weitere Alternativen im Angriff sind nicht in Sicht. Denn bei der bayovarischen Scheu vor dem vorschnellen Einsatz von Jungtalenten wird auch der 19-jährige Thomas Müller kaum über Kurzeinsätze hinauskommen. Lukas Podolski hat also die einmalige Möglichkeit sich und seinem Verein zu beweisen, dass er die monatelange Degradierung ins letzte Glied nicht verdient gehabt hätte. Er kann zeigen, dass seine Qualitäten auch dem FC Bayern weiterhelfen können und so für ein versöhnliches Ende seines Aufenthalts in München sorgen. Er kann aber genauso schnell an den hohen Erwartungen scheitern. Alle Augen sind also wieder auf ihn gerichtet. Zur Belohnung darf er dann am Ende der Saison endlich nach Hause. In Köln werden sie ihn mit gewohnter Euphorie empfangen. Die Erwartungen an ihn werden dort allerdings nicht kleiner werden.

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