Loblied auf die Zweite Liga

Grätsche statt Steilpass

Heute startet die Zweite Liga. Sie bestach schon immer weniger durch große Kunst als durch Leidenschaft. Ein Rückblick auf ehrliches Bemühen und elegantes Scheitern.

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Wenn die Zweite Bundesliga eines immer war, dann: ehrlich. In anderen Ländern machte sich die zweite Spielklasse immer deutlich größer als sie ist. In England nennt sie sich »Championship«, in Österreich firmiert sie unter »Erste Liga«, ebenso in Polen. In Deutschland hingegen hieß sie immer Zweite Liga. Oder: Unterhaus, was ja stark nach Parterrewohnung mit feuchtem Keller klingt.

Dabei wurde diese Spielklasse bei ihrer Gründung von großen Hoffnungen begleitet. Sie sollte die Kluft zwischen der boomenden Bundesliga und den darbenden Klubs in den Regionalligen schließen und im Idealfall eine ähnliche Erfolgsgeschichte werden wie die elf Jahre zuvor gegründete Erste Bundesliga. Das klappte zunächst nicht so ganz, weil die Liga, um die Reisekosten nicht explodieren zu lassen, in zwei Staffeln à 20 Mannschaften aufgeteilt worden war. Unter den 40 Teams tummelten sich dann auch zahlreiche, hüstel, regionale Größen wie der SC Herford, Olympia Bremerhaven, der VfR Oli Bürstadt und der Spandauer SV, dem die zweifelhafte Ehre des schlechtesten Zweitligaklubs aller Zeiten gebührt. 1975 aufgestiegen, verabschiedete man sich ein Jahr später mit immerhin zwei Siegen und einem erstaunlichen Torverhältnis von 33:115.



Die Hölle des Nordens

Gleichwohl, ohne die Provinzklubs hätte der Zweiten Liga etwas gefehlt. Auf dem Land, in den dörflichen Stadien wurde etwas konserviert, was in den großen Klubs längst verlorengegangen war. Der unmittelbare und ungekünstelte Kontakt zwischen Anhängern und Spielern war Markenzeichen vieler kleiner Klubs. Ob in Havelse, wo sich während der Spiele die Zuschauer auf den Balkons der angrenzenden Häuser drängten, ob beim VfB Oldenburg, dessen Heimat Donnerschwee nicht umsonst als »Hölle des Nordens« gefeiert wurde, ob bei Bayern Hof, dem Freiburger FC oder dem VfR Oli Bürstadt.

Und da war da natürlich der SV Meppen. Der stieg 1987 in die Zweite Liga auf und verzückte auswärtige Anhänger und Spieler mit speziellem emsländischen Charme. Zwar wurde in der zweiten Spielklasse nicht wie noch in der Oberliga den Spielern direkt nach dem Schlusspfiff noch auf dem Spielfeld das erste Bier gereicht. Dennoch wurden das Hindenburgstadion, die ländlich-derbe Atmosphäre und das kampfbetonte Spiel der Männer um Torjäger Van der Pütten alsbald zum Synonym für die Zweite Liga, in der eine zünftige Grätsche im Zweifel produktiver war als ein Diagonalpass in die Spitze. So wurde Meppen als bald zum Schreckensbild aller verwöhnten Erstligaprofis wie Keeper Toni Schumacher, der angstbleich feststellte: »Ich spiele doch nicht in Meppen, da gehe ich lieber in die Türkei.«

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