Liebten die Fab Four das runde Leder?

Die Beatles und der Fußball

Der Platz der Fab Four im Fußballuniversum scheint die letzte Ungereimtheit in der Beatles-Story zu sein. 11FREUNDE begibt sich auf Spurensuche nach der Beziehung des populärsten Sports der Welt und ihrer berühmtester Popband. Liebten die Fab Four das runde Leder?

Es gibt auf der Welt inzwischen so viele »fünfte Beatles«, dass die Fab Four posthum wohl fast auf Fußballteamstärke kommt. Neben Klaus Voormann, George Martin oder Neil Aspinall ist George Best der einzige Fußballer in diesem illustren Kreis. In den späten Sechzigern hatte ihn die  Presse »El Beatle« gerufen, was ihm bei seiner Beerdigung 2005 die Ehre eintrug, unter den Klängen des Beatles-Songs »The Long And Winding Road« ins Grab zu fahren. Dabei war Best weder aus Liverpool, noch Beatles-Fan. Der Nordire hielt es jobmäßig mit Manchester United und als Musikrezipient angeblich eher mit den Stones. 
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Trotzdem passte der Spitzname, da Best der glamouröseste Repräsentant jenes Rock’n’Roll-Lifestyle war, der von der Beat(les)-Musik wesentlich ausgehend auch in die Profifußballwelt eindrang. Und die Fab Four waren in den Sechzigern nun mal das Maß aller Dinge. Eigentlich sind sie es bis heute geblieben. »Die beste Gruppe seit den Beatles«, titelte The Sun nach der Gruppenauslosung zur WM 2010. Die ein paar Monate später nachgereichte Gagpointe bestand darin, dass England die Vorrundengruppe nur mit Ach und Krach überstand. Man sollte die Beatles und den Fußball eben doch nicht in eine Schlagzeile stecken. Zwischen dem populärsten Sport der Welt und berühmtester Popband der Welt scheint es einfach keine innige Beziehung zu geben. Oder doch?    

Beatles waren nicht die größten Fußballfans

Schon die Frage, wie sehr die Musiker dem Fußball anhingen, ist nicht so einfach zu beantworten wie es ihre Herkunft Liverpool suggeriert. »Die Fünfziger Jahre waren für die beiden großen Klubs der Stadt keine besonderen. Liverpool spielte von 1954 bis 1962 in der zweiten Liga und Everton dümpelte im Mittelfeld der ersten Liga«, sagt Andrew Thompson, Autor der LFC-Chronik „This is Anfield“. »Verglichen mit anderen Merseybeat-Bands waren die Beatles jedenfalls nicht die größten Fußballfans. Sie hatten damals wohl auch nicht wirklich Zeit für etwas anderes außer Musik. Als die Fußball-Explosion in Liverpool geschah - Everton wurde 1963 Meister und LFC in der folgenden Saison -, waren die Beatles schon schwer mit den Folgen ihres Durchbruchs beschäftigt. Nach 1964 kamen sie nur noch selten in die Stadt.«  

Immerhin, es gab durchaus sporadisches Fußballinteresse bei den Jungs, mal abgesehen von George Harrison. Die größte Leidenschaft zeigte der erste Beatles-Schlagzeuger, Pete Best. Der bekennende Evertonian wurde 1962 nach den Beatles-Lehrjahren in St. Pauli (aus denen nicht eine winzige Fußballanekdote überliefert ist) durch Ringo Starr ersetzt. Zu seinem Spaßvogelimage passt seine Geschichte als einziges Fußballvereinsmitglied der Beatles: Als er 13-jährig mit einer Rippenfellentzündung ins Krankenhaus musste, versuchte ihn sein aus London stammender Stiefvater Harry Graves aufzumuntern und schrieb ihn als förderndes Mitglied bei Arsenal London ein. Skurrilerweise war Graves West Ham-Fan und glaubte lediglich, die erfolgreicheren Gunners würden dem kleinen Ritchie mehr gefallen.   

Paul McCartney. Vom Goodison Park bis Hillsborough

Paul McCartney hatte gleich zwei fußballverrückte Verwandte, die ihn früh mit ins Stadion schleppten und letztlich dafür sorgten, dass er im engeren Beatles-Kreis zum Einäugigen unter den Blinden in punkto Fußballverstand wurde. »Als Junge ging er ein paar Mal mit seinen Onkels Harry und Ron in den Goodison Park des FC Everton«, berichtet Andrew Thompson. 1966 soll er sich auch, zusammen mit John Lennon, das FA Cup Final Everton gegen Sheffield Wednesday angeschaut haben. Während es dafür keinen konkreten Beweis gibt, bezeugt ein Foto den Besuch von Paul im Wembley-Stadion 1968, als Everton gegen West Brom verlor. Später nahm McCartney sogar mehrfach an Benefizauftritten zugunsten verunglückter Fußballfans teil. Nach der Hillsborough-Katastrophe 1989 hatte er sich neben anderen Liverpooler Musikern an der Neuaufnahme des Titels »Ferry Cross The Mersey« von Gerry and the Pacemakers beteiligt, wie schon 1985 an der Neueinspielung von »You’ll Never Walk Alone« zugunsten der Brandopfer von Bradford.   

Obwohl der Weg dieses Songs zur LFC-Hymne 1963 von Gerry Marsden und seinen Pacemakers bereitet wurde, sind die Beatles indirekt involviert. So waren die Pacemakers nicht nur das zweite Pferd im Managementstall von Brian Epstein, sondern die Musicalballade wurde auch vom ersten »Fünften Beatle«, dem Produzenten George Martin, in den Beatzeitgeist überführt. Der erste, ebenfalls von Martin produzierte, Pacemakers-Hit »How Do You Do It« war ursprünglich sogar für die Beatles geschrieben worden. Sie mochten ihn jedoch nicht und gaben ihn an die Lokalrivalen, mit denen sie noch 1963 gemeinsam tourten, weiter. Angesichts dieser Austauschpraktiken und der Tatsache, dass auch die Beatles anfangs Musicalsongs wie »Till There Was You« im Liveprogramm hatten, ist es keineswegs undenkbar, dass durchaus auch sie »You’ll Never Walk Alone» hätten einspielen können.   
Während es der größte Hit der Pacemakers wurde, räumten die Beatles alsbald mit Lennon/McCartney-Kompositionen ab, die in den Stadien zu Chant-Klassikern avancierten. Siehe »Yellow Submarine«, hierzulande bekannt als Lederhosenausziehschunkler. 

Ein paar Fetzen Fußballkult sind aber auch auf Beatles-Platten zu hören. Zum Beispiel »It’s A goal!« aus der 66er WM-Finalreportage von BBC-Reporter Kenneth Wolstenholme am Ende des Songs »Glass Onion« oder »Dig It« Matt Busby, Spieler von Liverpool und später Meistertrainer von Manchester United, der auf »Let It Be« Erwähnung findet. Es soll auf die Idee von Lennon gewesen sein, dem nicht zuletzt deshalb ein gewisses Fußballinteresse nachgesagt wurde (was Pete Best wiederum bestritt). Zu der Legende trug vermutlich auch eine Kinderzeichnung bei, die 1974 das Cover von Lennons Solo-LP »The Walls and Bridges« zierte. Das Kunstwerk des elfjährigen John zeigt offenbar eine Szene aus dem 1952er Cup Final Newcastle gegen Arsenal. Zudem wird Lennon die Verantwortung für die Anwesenheit des einzigen Fußballers unter all den Berühmtheiten auf dem legendären »Sgt. Pepper’s«-Cover von 1967 gutgeschrieben. Viel wurde gerätselt, warum es nicht zum Beispiel den Wembley-Held Geoff Hurst traf, sondern den um 1950 in Liverpool zum Lokalhelden aufgestiegenen Albert Stubbins. Thompson deutet es keineswegs so, dass Lennon ein großer LFC-Fan war. »Offenbar mochte er nur den Klang des Namens Albert Stubbins.« Eine Version, die auch McCartney mal erzählte.    

Kein Privatkonzert für Pelé

Dagegen war der Beatles-Roadmanager und Apple Records-Chef Neil Aspinall ein ausgewiesener Liverpool-Fan, der während der US-Tourneen der Beatles am meisten am Herausfinden der Spielergebnisse verzweifelte. Die desinteressierten Beatles seien ihm jedenfalls keine Stütze gewesen, so Thompson.   

Umso erstaunlicher ist die Geschichte, die Pelé in seiner Autobiografie erzählt. Während der WM 1966 in England hätte Titelverteidiger Brasilien, der seine Vorrundenspiele in Liverpool absolvierte, von den Beatles das Angebot eines Privatkonzerts erhalten. Es sollte im Quartier der Brasilianer in Lymm stattfinden. »Unsere Leitung lehnte ab, diese Art von ‚alternativer’ Musik war der Teamleitung suspekt. Man kann sich leicht vorstellen, wie enttäuscht und wütend wir alle waren!« Damit erklärt sich vielleicht die schwache Turnierleistung und das frühe Aus der Titelverteidiger. Möglicherweise handelte es sich um einen auf dem Platz ausgetragenen Protest gegen die kulturstalinistische Entscheidung ihrer Funktionäre.

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