Leverkusens CL-Gegner Real Sociedad

Kommen und Gehen im Gourmetparadies

Die Jugendarbeit von Real Sociedad San Sebastian genießt in Spanien einen hervorragenden Ruf. Meistens bleiben die Talente jedoch nicht lange.

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Den bis dahin bittersten Moment der Vereinsgeschichte erlebte José Marí Bakero nur aus der Ferne. Im gut 900 Kilometer entfernten Sevilla unterlag Real Sociedad San Sebastian 1:2 und verspielte in der Hitze des andalusischen Frühlings von 1980 den ersten Meistertitel der Klubgeschichte. Bakero war zu diesem Zeitpunkt 17 Jahre alt und spielte in der A-Jugend. An die Tristesse im Klub kann er sich noch gut erinnern. »Alle standen wie unter Schock. Die Mannschaft, der Verein, die Stadt, ja beinahe das ganze Baskenland. Irgendwie wusste jeder, dass es vorbei ist.« San Sebastian blieben zwar noch zwei Spiele, aber Real Madrid ließ sich nicht mehr von der Tabellenspitze verdrängen. Besonders bitter: Das 1:2 in Sevilla war San Sebastians einzige Saisonniederlage. 21 Spieltage lang hatte man die Tabelle angeführt, aber ein Ausrutscher reichte Madrid, um seinen Titel zu verteidigen.

»Das war surreal«

»Das war schon sehr surreal. Mit lediglich einer Niederlage wird man normalerweise automatisch Meister«, sagt Bakero. Am Ende waren 14 Unentschieden zuviel, obwohl damals noch die Zwei-Punkte-Regel angewandt wurde.

Zwölf Monate später kannte San Sebastian dann kein Halten mehr. In der Saison 1980/81 klappte es endlich mit dem lang ersehnten Titel – obwohl man nun acht Spiele verlor. Real Sociedad kam knapp vor den beiden Großklubs aus Madrid, Real und Atletico, ins Ziel. Jesus Maria Zamora erzielte in Gijon in der letzten Sekunde den Ausgleich und machte San Sebastian zum Meister an einem hochdramatischen letzten Spieltag. »Nun hatten wir auf einmal das Glück, das uns im Jahr zuvor gefehlt hatte«, sagt Bakero. Er war inzwischen von der Jugend in die erste Mannschaft aufgerückt und kam in seinem ersten Jahr gleich auf 27 Einsätze.

Anfang der Achtziger erlebte Real Sociedad San Sebastian seine bis heute erfolgreichste Zeit. 1982 folgte eine weitere Meisterschaft, fünf Jahre später konnte man den spanischen Pokal gewinnen. Gemeinsam mit Athletic Bilbao bildete San Sebastian das baskische Bollwerk gegen die in Spanien traditionelle Dominanz der Teams aus Madrid und Barcelona. Die Stars des Teams waren Nationaltorhüter Luis Arconada, erwähnter Zamora, Jesus Maria Satrustegi und später auch José Marí Bakero.

San Sebastian feierte seine Helden überschwänglich, die Titel besaßen mehr als nur sportlichen Wert. 1981 ging die Meisterschaft zum ersten Mal seit dem Tod von Diktator Franco nicht an einen Klub aus Madrid. Für viele Basken, die sich während der Diktatur staatlicher Repression ausgesetzt sahen, eine Befreiung im doppelten Sinne.

Die Causa John Aldrige

Die Erfolge der Achtziger Jahre konnte San Sebastian später nicht wiederholen, dennoch zählt der Klub zu den Traditionsmannschaften in Spanien. Als 1928 die Primera Division ins Leben gerufen wurde, war San Sebastian mit dabei. Vor dem Abstieg 2007 spielte man 40 Jahre ununterbrochen in der ersten Liga. Lange unterwarf sich San Sebastian im Bezug auf seine Spielerauswahl den gleichen strikten Kriterien wie Nachbar Athletic Bilbao. Bis 1989 durften bei Real Sociedad, der königlichen Gesellschaft, nur Spieler aus dem Baskenland spielen. Dieses Dogma wurde mit der Verpflichtung von John Aldridge aber durchbrochen. Der Ire war der erste Spieler von außerhalb, der sich das blau-weiße Trikot überziehen durfte. Viele Fans protestierten damals vehement, noch heute wird die Frage, wer für La Real spielen darf, in der Feinschmeckermetropole leidenschaftlich diskutiert. Gemessen an der Einwohnerzahl, gibt es weltweit keine Stadt mit einer höheren Dichte an Restaurants, die über mindestens einen Michelin-Stern verfügen.

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