Leverkusens Abwehrchef Hyypiä

Ich bin der Fels

Leverkusen ist das Team der Stunde. Doch was wäre die Rasselbande ohne ihren großen Bruder in der Abwehr, Sami Hyypiä? Der Abwehrchef reduziert ihre Angst vorm Gegentor dramatisch. Unser Experte Christoph Biermann huldigt ihm. Leverkusens Abwehrchef Hyypiä
Heft#97 12/2009
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Die Position des Innenverteidigers ist nicht unbedingt eine, auf der einem die Herzen des Publikums zufliegen. Man muss also schon etwas Besonderes geleistet haben, wenn man als Mann in der Abwehrzentrale zum Helden der Fans bei einem internationalen Spitzenklub wird und – nach einem überraschenden Transfer – auch beim neuen Verein gleich Huldigungen erfährt.

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Doch Sami Hyypiä ist ein ganz besonderer Verteidiger. Er nimmt Fans deshalb so für sich ein, weil er ihre Angst vorm Gegentor dramatisch reduziert. Wo sonst zappelige Abwehrspieler das Publikum von einer Ohnmacht in die nächste schicken, sagt der große Finne mit jeder Bewegung: Sorgt euch nicht, ich bin der Fels, auf dem wir unsere Defensive bauen können. So ist es auch eines der offensten Geheimnisse dieser Saison, warum Bayer Leverkusen im ersten Drittel der Spielzeit defensiv stabil spielte wie schon seit Jahren nicht mehr.  Die Mannschaft hatte nach zehn Spielen erst sechs Gegentore hinnehmen müssen, und alle Erklärung führten zum ältesten Innenverteidiger der Bundesliga, der erst im Sommer vom FC Liverpool gekommen war. Er gebe der Abwehr endlich Stabilität und seinen Nebenleuten viel Sicherheit, sagten Trainer und Mitspieler über den 36-Jährigen. Doch wie macht er das eigentlich, und warum gelingt ihm das trotz des für einen Profifußballer fortgeschrittenen Alters immer noch?

Hyypiäs Spielweise ist durch Zahlen besonders gut zu erklären, weil er viele Spitzenwerte erreicht. In dieser Saison hat er bislang 92 Prozent seiner Kopfballduelle gewonnen. Das ist in der Bundesliga genauso unübertroffen wie die Zahl der aus der Gefahrenzone herausgeschlagenen oder -geköpften Bälle. In den Top Vier ist er auch bei den abgefangenen Bällen, was die Qualität seines Stellungsspiels unterstreicht. Hyypiä agiert also zugleich mit gutem Auge, überragender körperlicher Präsenz und perfektem Kopfballspiel. Kein Wunder, dass er mit diesem Profil auch im fortgeschrittenen Alter, durchaus etwas langsamer geworden, jedem Mitspieler eine Stütze ist.

607 lange Bälle nach vorn

Noch klarer wird die Charakteristik seiner Spielweise, wenn man auf Statistiken aus der Premier League schaut. Dort kam Hyypiä vor acht Spielzeiten – also eben jener, in der Liverpool in der Champions League gegen Bayer Leverkusen ausschied – aufgrund seiner überragenden Leistungsdaten als bester Verteidiger in die Mannschaft des Jahres. Ungewöhnlich für einen Spieler auf dieser Position war, dass er fast doppelt so oft gefoult wurde, wie er selbst Foul spielte. Doch auch heute noch braucht Hyypiä bei aller körperlichen Dominanz keine Regelverstöße, um an den Ball zu kommen. In zehn Jahren in Liverpool flog er nur einmal vom Platz. Schon damals sah man, dass er gerne lange Bälle nach vorne spielt. 607 waren es in der ganzen Saison 2001/02, im Schnitt 16 pro Partie. Im Moment steht dieser Wert bei elf pro Spiel, aber Bayer Leverkusen bevorzugt auch einen etwas ruhigeren Spielaufbau. Dazu gehört, dass Hyypiä eigentlich nur noch bei Eckbällen oder Freistößen mit nach vorne kommt und seine Offensivaktionen sonst sehr niedrig dosiert.

Zweifellos sind seine Aktionen nicht mehr so dynamisch und spektakulär wie zu seinen besten Zeiten an der Anfield Road. Doch Hyypiäs schiere Präsenz und sein italienisches Geschick im Abwehrspiel ist so gesättigt mit Erfahrung, dass er in Leverkusen wohl noch länger viele Nerven beruhigen wird.

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