Leroy Rosenior, der Zehn-Minuten-Trainer

Hello Goodbye

Lieber zukünftiger HSV-Trainer, wer auch immer du sein wirst, bitte nicht nachmachen! In unserem 11FREUNDE-Spezial »Das waren die Nuller« erinnern wir an den Briten Leroy Rosenior, der 2007 für exakt zehn Minuten Trainer von Torquay United war... Leroy Rosenior, der Zehn-Minuten-Trainer

Leroy Rosenior hatte es sich gerade gemütlich gemacht. Hatte in seinem Tee gerührt, sich entspannt in seinen Stuhl zurückgelehnt und damit begonnen, sich an diesen Ort zu gewöhnen: An das kleine Pressezimmer von Torquay United, einem Fünftligisten aus dem äußersten Süd-Westen Großbritanniens. Soeben hatte der Verein bekannt gegeben, dass Leroy Rosenior, ein verdienter Ex-Profi, den Trainerjob des geschassten Keith Curle übernehmen werde. Nichts Neues für Rosenior, der die »Gulls« bereits zwischen 2002 und 2006 mehr oder weniger erfolgreich durch die Niederungen des englischen Profifußballs geführt hatte. Ein Lächeln für die Kameras, ein paar nette Worte für die heimischen Reporter aus der ersten Reihe und bitteschön: Die erste Pressekonferenz, um der Öffentlichkeit den neuen starken Mann an der Seitenlinie zu präsentieren.

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Die ersten Fragen plätscherten durch den etwas muffigen Raum, Rosenior antwortete, aber vielleicht dachte er ja auch an die glorreichen Zeiten, als er noch selbst über die Äcker des englischen Profifußballs gestürmt war. 1982 hatten ihn die Kollegen beim FC Fulham zum »Nachwuchsspieler des Jahres« gekürt, fünf Jahre später sogar zum »Spieler der Saison«. Der Zenit seiner Spielerlaufbahn, Mitte der Neunziger rieselte die Karriere des zweifachen englischen U-21-Spielers langsam aber sicher in die Bedeutungslosigkeit; bei Gloucester City wurde aus dem Spieler Rosenior schließlich der Trainer. Eine gelungene Metamorphose? Eher weniger. Der Torjäger von einst, musste über die Dörfer der britischen Fußball-Tristesse tingeln, um sich sein Geld zu verdienen. Gloucester, Merthyr Tydfil, Torquay United, Brentford und nun eben wieder Torquay. Rosenior nahm es gelassen. immerhin, ein neuer Job.

»Ich habe meine Anteile verkauft. Tut mir leid.«

Seit zehn Minuten spielte er sich nun schon artig die Bälle beim unvermeidlichen Frage-Antwort-Spiel mit den Journalisten zu. Seine Ziele? Klar, der Aufstieg. Die Taktik? Offensiv, das Stümergen, sie verstehen. Das Treffen mit den Journalisten ist beendet. Rosenior verlässt den Raum. Kaum sitzt er in seinem neuen Büro, erreicht ihn ein Anruf. Es ist Mike Bateson, mit 51 Prozent Hauptanteilseigner des Klubs. Er hat schlechte Nachrichten: »Ich habe soeben meine Anteile verkauft. Tut mir leid.« Leroy Rosenior weiß, was das bedeutet. Denn das neue Besitzer-Konsortium um Cris Boyce hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass es ihn, den Ex-Trainer, nicht wieder haben möchte. Ihr Favorit heißt Paul Buckle, ein früherer Spieler der »Gulls«.

Leroy Rosenior ist seinen neuen Job wieder los. Nach gerade mal zehn Minuten. Die schnellste Trainerentlassung der englischen Fußballgeschichte ist perfekt. Dem Nachrichtensender »BBC News 24« wird Rosenior kurz darauf ein Interview geben. Es ist eine kurze Abschiedsrede. »Ich denke«, sagt der Zehn-Minuten-Trainer von Torquay United, »dass ich hier einen guten Job gemacht habe.«


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