Leider kein Aprilscherz

Die Bundesliga in den Blogs (28)

Leider kein Aprilscherz

Dortmund – Hannover 4:1

Es könnte der entscheidende Schritt zur Meisterschaft gewesen sein für den BVB. »Traumtore gegen den neuen Lieblingsgegner« hat Any Given Weekend gesehen. Die Schlüsselszene für den Autor: Götzes Solo. »In Wirklichkeit haben wir es der Einzelleistung von Mario Götze zu verdanken, dass wir so schnell zurück ins Spiel fanden. Der jüngste schwarz-gelbe Feldspieler bekam im Mittelfeld den Ball und setzte sich mit einem Solo gegen die gesamte Hannoveraner Defensive durch. … Es war diese beeindruckende Einzelleistung, dieser Kraftakt, der dem Rest der Mannschaft ein Vorbild gewesen sein muss. Ab da waren alle zu 100% bei der Sache und eben viel effektiver als zuvor.« Man kann es auch einfach akustisch betrachten, wie Hamburg Schwarz-Gelb: »Meine Fresse ist dieses Stadion laut. Oder anders gesagt: Was KANN das Stadion laut sein, wenn es will. Gegen Mainz wollte es nicht. Es verweigerte sich einfach komplett. Aber gegen Hannover wollte es wieder. Und wie es wollte. Alter Falter war das laut … Ich bin sehr stolz wenn ich gestern denke.«

In den zehn an die Stadiontür genagelten Thesen des Hannoveraner Fanmagazins zur Niederlage findet sich unter Punkt zwei: »Wenn man 96 als ganz normalen Erstligisten betrachtet, ist eine deutliche Niederlage in Dortmund ja kein Beinbruch. Misst man 96 aber an den internationalen Ambitionen, war es aber einfach zu wenig. Da sind die Ansprüche halt gestiegen.«

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München und die Fanproteste

»Glanzlos und verzettelt« betitelt der Stadtneurotiker das Wochenende aus Bayern-Sicht. Ersteres Attribut bezieht sich auf das Spiel gegen Mönchengladbach, letzteres auf die öffentlichen Aussagen von Präsident Uli Hoeneß in den letzten Wochen. »Er giftete wieder einmal gegen Christoph Daum, er erkannte beim zukünftigen deutschen Meister Unsicherheiten, er kritisierte den DFB, er schimpfte über das Internet, lobte die Seriosität seines Vereins bei der Heynckes-Verpflichtung – nur zu den schwelenden Konflikten im Verein schwieg er.« Zu dem öffentlichen Protest der Fans sei es auch gekommen, weil der Dialog mit dem Verein nicht stattgefunden habe. »Beide Seiten vermitteln den Eindruck, nur wenig Interesse am gemeinsamen Austausch zu haben.«

Auch Breitnigge hat dazu »natürlich eine Meinung«. Und die geht so: »Ich kann – bis zu einem gewissen Punkt – die Beweggründe der protestierenden Bayern-Fans nachvollziehen. Wenn ich mich in ihre Welt hineinversetze … Der Punkt ist – und da hörte es bei mir am Samstag eben auf – dass man bei all diesen Protesten (und davon gab es in der letzten Zeit eben eine ganze Menge) nicht vergessen sollte, worum es eigentlich geht. Zum Beispiel als Fan seine Mannschaft zu unterstützen. Jederzeit. Bedingungslos. Und vor allem, wenn die das mal braucht. Ansonsten wäre man ja nur ein ›Erfolgsfan‹. Nichts liegt doch den Ultras ferner, oder?«

Pauli und der Becherwurf

Bei Pauli beginnt das große Zittern, wie wohl das Urteil des DFB ausfallen wird. »Besonders empfindlich könnte sie die Anwendung einer alten Fifa-Statute treffen«, führt der Taktikguru aus. »Demnach rutscht ein Verein nach einem Spielabbruch automatisch in der Tordifferenzwertung auf den letzten Platz. Bei Punktgleichheit würden sie demnach absteigen, egal wie viel schlechter die Tordifferenz der anderen Mannschaft ist. Sollte der DFB diese Statute der FIFA anwenden, wäre dies ein weiterer Rückschlag im Kampf gegen den Abstieg. Dieser ist für St. Pauli spätestens nach dieser Niederlage bitterer Ernst.« Der KleineTod bringt das Gefühl der Pauli-Fans nach dem Abbruch auf den Punkt: »Fassungslosigkeit. Leider kein Aprilscherz, sondern bittere Realität.«

Bei den Schalker Bloggern geht es auch um eine Neubewertung des FC St. Pauli. Blogundweiss schreibt etwa: »Der Mythos St. Pauli, mit seinen Totenköpfen, besonderen Aktionen und einzigartigen Fans hat einen dicken Riss bekommen. Das ist schade. Mehr aber auch nicht.« Der Königsblog führt etwas weiter aus: »Vielleicht ist der FC St. Pauli als Marke »Freudenhaus« einfach nur das Che Guevara-T-Shirt unter den Fußballclubs. Manch ein Träger verbindet damit eine Aussage, aber für viele ist es doch nur ein Stück zum coolen Outfit, das abends in Muttis Wäschekorb wandert bevor man mit Schlafanzug ins Bett geht. Es ist irgendwie jung, irgendwie anders und zwischen den ganzen Oberhemdenclubs der Liga auch irgendwie aufregend, aber alleine für sich nur ein billiges Kleidungsstück im Versandkatalog Bundesliga.« Der Schalkefan findet es dagegen vor allem schade, dass das Sportliche in den Hintergrund rückte. »Natürlich war der Bierbecherwurf die Tat eines Einzelnen, der zudem den Treffer seines Lebens landete. Bei 100 Versuchen landet ein aus 20 bis 30 Metern geschleuderter gefüllter Becher mindestens 99 Mal bestenfalls auf dem Rasen. Dumm für St. Pauli, dass es diesmal anders lief. Dumm aber auch für Schalke. Denn so wurde ein sportlich ansprechender Auftritt am Millerntor zur Nebensache.«

Und sonst so?

In Leverkusen gehen die Blogger nach dem 1:0 beim 1. FC Kaiserslautern vom Erreichen des zweiten Platzes aus, nicht mehr, nicht weniger. catenaccio: »Sieben Punkte liegt man hinter dem BVB und sieben Punkte vor dem FC Bayern. Man hat zwar schon so einiges gesehen, doch derzeit hat man nicht das Gefühl, dass sich an dieser durchaus positiven Situation noch groß etwas ändern wird. Der BVB hat einen weiteren großen Schritt Richtung Meisterschaft gemacht, aber Leverkusen halt auch in Richtung Vizetitel.«

Im Werder Exil hakt man das 1:1 gegen den VfB Stuttgart schnell ab und widmet sich den personellen Planspielen auf der Torhüterposition. Knackpunkt dürfte Tim Wiese werden, der einen Vertrag bis 2012 hat, dessen Gehaltswünsche aber wohl ohne Champions-League-Teilnahme nicht erfüllt werden können. Verlängern oder verhökern – und wenn ja, wohin? Und dann sind ja noch drei andere Keeper... Fazit: »Es ist auf jeden Fall eine verzwickte Situation.«

Über den 1:0-Sieg des 1. FC Köln gegen den 1. FC Nürnberg in letzter Minute schreibt der FC-Blog: »Eigentlich war es ein langweiliges Spiel. Um ehrlich zu sein sogar ein wirklich schlechtes.« Doch dann kam ja die 92. Minute. »Während der Finger schon auf dem Aus-Knopf der Fernbedienung lag und auf den ersehnten Pfiff wartete um endlich abzuschalten (vorher gehen oder ausschalten geht gegen meinen Fanstolz), kam der FC noch einmal über die linke Seite...« Der Spielbeobachter erinnert zum siebten Heimsieg in Folge an die beste derartige Serie der Vereinsgeschichte. Damals, als sogar neun Spiele zu Hause nacheinander gewonnen wurden, wurde der FC Meister...

Christoph Daums erstes Spiel als Frankfurter Trainer wäre ja beinahe mit einem (unverdienten) Auswärtssieg in Wolfsburg beglückt worden. Doch auch so »hat sich schon einiges verändert bei Eintracht Frankfurt«, schreibt der Blog-G. Unter anderem der Trainingsplan, der deutlich verdichtet wurde: »Der nächste trainingsfreie Tag für die Profis ist erst am kommenden Sonntag, bis dahin ist schwitzen und schuften angesagt.«

Auf Schalke schaut man schon nach vorne. Auf das Champions-League-Viertelfinale gegen Inter Mailand, das am Dienstag ansteht. Web 0.4 hat sich sogar einen Reim darauf gemacht. Kurze Leseprobe: »Wer denkt, das Twix hieße noch Raider / heißt vermutlich Wesley Sneijder.«

Das 11FREUNDE-Fazit:

Wenigstens stellt sich im aktuellen Fall die Frage nicht, wie der Übeltäter das Wurfgeschoss ins Stadion bekommen hat. Weil er das Plastikbehältnis nebst Inhalt schlicht und einfach käuflich erworben hat. Bierbecherwurf? Naja, vom Einfallsreichtum her nicht das Allerdollste. Gab da doch schon Besseres, in anderen Ländern. Aber vielleicht war dem Pauli-Fan auch die Frage zu knifflig, wie er einen Schweinskopf oder auch eine Vespa ins Stadion bekommt. Und vielleicht war ihm auch der gute alte Golfball, im Breisgau ja für solche Zwecke recht beliebt, dann doch zu gefährlich. Nun gut, Abbruch also, auch darüber kann man diskutieren, weil das Spiel ja sowieso fast vorbei war und 2:0 für Schalke stand. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird es ja nun auch so gewertet. Alles irgendwie langweilig. Aber auch nicht unser Bier.

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