Legendäres Wiener Stadthallenturnier

Kein Comeback fürs Parkett

Beckenbauer, Krankl, Prohaska, Polster: sie alle zauberten einst beim Wiener Stadthallenturnier. Heute liegt der Mythos brach - und der moderne Fußball macht ein Revival fast unmöglich.  

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Dieser Duft – eine Melange aus Schweiß, Bier und dem Rauch der heimlich auf den Tribünen gerauchten Zigaretten! Hinein mischte sich der aromatische Dampf von unzähligen Würstelständen auf den Gängen. Und jeder sog sie begierig auf, die einzigartige Atmosphäre beim Wiener Stadthallenturnier – ein halbes Jahrhundert lang, immer kurz nach Weihnachten.

Um den Stellenwert dieser Traditionsveranstaltung ermessen zu können, genügt ein Blick in die Teilnehmerlisten: Weltstars wie Herbert »Schneckerl« Prohaska von Austria Wien, die Bayern Franz Beckenbauer und Gerd Müller oder der berüchtigte Rapid-Torjäger Hans Krankl tanzten einst auf dem legendären Parkett im 15. Wiener Bezirk. Auch der legendäre Uruguayer Julio César Morales, der Ungar Tibor Nyilasi (beide Austria) oder Andreas Herzog (Rapid) waren am Start. Außerdem: Toni Polster.

Das Wimbledon des Budenzaubers

»Das Stadthallenturnier«, sagt Polster im Gesrpäch, »war sicher das beste Hallenturnier in Europa, besser als jedes Hallen-Masters oder sonst ein Turnier in Deutschland. Das Spiel auf Parkett war ja viel schneller als auf Kunstrasen.« Polster hätte es auch so formulieren können: Das Stadthallenturnier mit seinem heiligen Holzboden war das Wimbledon des Budenzaubers.


Fünf Mal gewann der »Polster Toni« mit der Wiener Austria die Siegertrophäe, drei Mal war er Torschützenkönig des Turniers. Vor etwa zehn Jahren offenbarte Österreichs Ex-Nationalspieler bei einer hastigen Zigarette in den Katakomben der Stadthalle: »Diesen Titel hier zu gewinnen, war für mich jedes Mal etwas Besonderes. Er hatte auch bei den Fans stets einen riesigen Stellenwert.«

Wenn Polster heute über das Stadthallenturnier referiert, gerät er noch immer ins Schwärmen: »Die Atmosphäre war absolut einzigartig. Die Zuschauer erlebten die Spieler hautnah«, erzählt er. »Und auf den Gängen gab es immer irgendwelche Verhandlungen. Wenn man Glück hatte, konnte man lauschen.« Manager, Berater und Spieler steckten in halbdunklen Ecken die Köpfe zusammen, besprachen Ablösen, Gehälter und Laufzeiten. »Da wurden etliche Transfers abgewickelt«, lacht Polster.




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