07.09.2012

Lahm gibt WM-Titel als Ziel aus

Der Neustart

Philipp Lahm ahnt, dass er nicht mehr viele Gelegenheiten hat, mit der Nationalelf einen Titel zu holen. Deswegen gibt der sonst so stille Kapitän große Ziele aus.

Text:
Michael Rosentritt
Bild:
Imago

Philipp Lahm trägt eine vertikale Falte auf seiner Stirn. Und man hat den Eindruck, diese Falte hätte sich über den Sommer tiefer eingegraben in das Gesicht des deutschen Fußballs. Das ist er ja irgendwie, der Münchner Fußballprofi, der seit zwei Jahren die beiden wichtigsten deutschen Kapitänsämter auf sich vereint: das des FC Bayern und das der Nationalmannschaft. Das Problem ist nur, dass hinter beiden Mannschaften, und damit hinter Philipp Lahm, eine Spielzeit der großen emotionalen Enttäuschung liegt. Mit dem FC Bayern wurde er Zweiter, wo immer es nur ging, und mit der Nationalelf kam ihm im EM-Halbfinale dieses merkwürdige Italienspiel dazwischen.

Muss man sich Sorgen machen?

Vielleicht muss Lahm ja so gucken. Es dauert ein paar verquere Sätze, bis er sich löst. Lahm spricht von neuem Mut, von neuer Motivation und von neuen Gelegenheiten, jetzt, da mit dem WM-Qualifikationsspiel in Hannover gegen die Färöer ein neuer Turnierzyklus beginnt. »Bei unserer Vergangenheit mit vier Halbfinalteilnahmen bei den letzten großen Turnieren kann es doch nur  unser Ziel sein, bei der WM 2014 den Titel anzusteuern«, sagt Lahm. Was soll er auch sagen? Die Nation hatte dieser exklusiven Mannschaft schon in diesem Sommer einen großen Titel zugetraut, um nicht zu sagen, erwartet. Doch es ist anders gekommen. Lahm spricht von Bitterkeit und Enttäuschung, jeder im Team hätte sich nach dem EM-Aus hinterfragt, auch er, was er falsch gemacht habe? Leider mag er seine Erkenntnisse nicht mit der Öffentlichkeit teilen. »Das lassen Sie uns intern aufarbeiten«, sagt Lahm. Schade, das Scheitern der Mannschaft war, wie es öffentlicher nicht mehr geht.

Gerade Lahm war während der EM von der Kritik nicht ausgenommen. Hinter ihm lag eine Allerweltssaison bei den Bayern, sie war nicht wirklich schlecht, aber eben auch nicht wirklich gut. Gleiches gilt für die EM. Sicher, es wurden Mannschaften wie Portugal und Holland, die zur gehobenen Gesellschaft des Fußballs zählen, geschlagen. Aber es fehlten das Mitreißende, die Power und die Fantasie, mit der die deutsche Mannschaft noch bei der WM 2010 über England oder Argentinien hergefallen war. Ja, und auch Lahm blieb beim Sommerturnier irgendwie blass. Er drohte fast in der Versenkung zu verschwinden.

Es fehle ihm an Emotionalität, werfen ihm seine Kritiker vor. Die benötige ein Kapitän, der eine Mannschaft zu Titel führen soll. »Uns hat ein Tick gefehlt«, sagt Lahm, bleibt aber im Ungefähren. »Es geht nicht um Willen und Einstellung, die hatte jeder.« Jetzt müsse es darum gehen, »wie wir uns verbessern können«. Immerhin räumt er ein, dass man gegen clevere Italiener auch taktische Fehler gemacht hätte. »Aber sehen Sie, bei jedem Turnier gibt es zwei, drei Mannschaften, die zu Recht die gleichen großen Ziele haben wie wir.« Es gebe eben keine Garantie auf einen Titel – bei aller Begabung.

 
 
 
 
 
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