Labbadia is not available

Try again later

Bruno Labbadia ist nicht mehr Trainer beim Hamburger SV. Die vorzeitige Entlassung überrascht so wenig wie der Zeitpunkt. Aber war der Trainer wirklich das größte Übel in der hanseatischen Selbstzerfleischungskette?  Labbadia is not availableImago »Bruno Labbadia is temporary not available. Please try again later.« So oder so ähnlich könnte sich die Mailbox-Ansage vom frisch beurlaubten HSV-Trainer Bruno Labbadia wohl anhören. Er ist nicht erreichbar. Für niemanden. 

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Irgendwie passend, wurde seine Entlassung doch jüngst nach Schema F begründet: Satzbausteine wie »...der spätmöglichste Zeitpunkt, um zu reagieren...« oder »... hat die Mannschaft nicht mehr erreicht...« wurden hastig aus dem Phrasenkasten für vorzeitige Trainerentlassungen gezaubert. Immerhin wartet ja noch eine »historische Chance« auf den HSV. Noch so eine Phrase.

Die Liste der Labbadia-Verfehlungen ist so lang wie öffentlich: Knust mit Rost, Petric, Boateng, Jarolim, Trochowski, ja, mit wem eigentlich nicht? Das haut den stärksten Trainer irgendwann um. Bruno Labbadia sowieso. 
 
Altbewährtes in Umbruchphasen

Nun greift der HSV auf die Interimslösung zurück. Altbewährtes ist immer gut in Zeiten des Umbruchs. Und mit Umbrüchen kennen sie sich aus an der Elbe. Ricardo Moniz, bisher Technik-Trainer und ab der neuen Saison in Salzburg gebunden, übernimmt für die ausstehenden drei oder vier Saisonspiele. Er ist der neunte Trainer in den letzten zehn Jahren.

Der HSV hofft nach den Talfahrt-Wochen auf eine Art Heynckes-Effekt. Henyckes ersetzte in der letzten Saison kurz vor der finalen Klappe den ungeliebten Jürgen Klinsmann beim FC Bayern München und erreichte zumindest die Champions League. Heute stehen die Bayern im Halbfinale der Königsklasse und haben -– na, was wohl – die historische Chance auf das Finale in Madrid. Sowieso, Bayern. Die feuerten einst auch Otto Rehagel. Der stand seinerzeit zwar auf dem zweiten Platz, hatte die Mannschaft in das UEFA-Cup Finale geführt, bis die Oberen merkten: Es geht nicht. Mit dem Kaiser ging es dann weiter zum Finalsieg gegen Bordeaux.

Die Euphorie von einst war niemals da

Man kann herrlich darüber streiten, ob diese Art der Kurz-vor-Knapp-Trainerentlassung wirklich etwas bringt. Es gibt genügend Gegenbeispiele. Jörg Berger kann da was erzählen. Die Anti-Labbadia-Fraktion wird hingegen vor Zustimmung fast platzen. Ihnen war der eitle Darmstädter mit dem Schick eines Möbelverkäufers nie geheuer. Zumindest sagen sie das jetzt. Der euphorische Jubel zu Saisonbeginn? Vergessen.  

Die kühleren Köpfe dürfen zumindest einmal inne halten und nachdenken, ob der Trainer wirklich das Grundübel des HSV-Desasters war. Fakt ist: Eine mit Superstars künstlich hoch gezüchtete Mannschaft zerplatzt derzeit im Fegefeuer der Eitelkeiten in seine Einzelteile. Vielleicht ist es eine Frage des Charakters. Vielleicht aber auch einfach nur eine romantische Vorstellung, dass sich eine Mannschaft durchaus auf ein Ziel fokussieren kann, das sie wirklich erreichen will. Bisher rieb sie sich allerdings eher an Kleinkriegen mit dem Trainer auf, die phasenweise erstaunliche Parallelen zu einer Kindergartenzankerei aufwiesen. Der Trainingsplatz als Sandkasten. Der Stammplatz als Schäufelchen.

Der Fußball ist Boulevard

Drei, vielleicht vier Spiele können jetzt aus den Gurken von Hoffenheim die Europa-League-Helden machen. Drei oder vier Spiele. So schnelllebig ist der Boulevard. Und leider auch der Fußball von heute.

Im Grunde hat Marcell Jansen vor dem Halbfinal-Hinspiel gegen Fulham bereits die Parole für das Hamburger Saisonfinale ausgegeben: »Man muss einfach mal vergessen, wer an der Seitenlinie steht.« Zu diesem Zeitpunkt hat Labbadia schon längst niemanden mehr im Kader erreicht, hieß es. Vergessen konnten sie ihn trotzdem nicht.

Am Donnerstag wartet das Rückspiel in London. Die historische Chance. Die Mannschaft, die von Labbadia nicht zu erreichen war, muss nun selbst den Karren aus dem Mist ziehen. Ihre Ausrede ist weg. Und für die meisten seiner Ex-Spieler wohl für unbestimmte Zeit not available.  

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