27.03.2013

Kuriose Stadionverbote

An dem Hahn herbeigezogen

Seite 3/4: Konfetti und Schnauzbärte
Text:
Benjamin Kuhlhoff
Bild:
Imago

Ein Schnauzer an der Leine
Es gibt wohl nichts, was Peter Neururer nicht schon erlebt hatte. Nach seiner Entlassung bei Hannover 96 im Jahr 1995 erteilte ihm der damalige Präsident Klaus-Dieter Müller mit der Entlassung gleichzeitig noch Stadionverbot. Das Verbot hielt stolze zehn Jahre und damit so lange, bis Hannover 96 den Schnauzbartträger wieder als Trainer verpflichtete. Als ihn ein Journalist fragte, warum er sich das Chaos an der Leine trotz dieser Vorgeschichte tatsächlich noch einmal antue, sagte Neururer trocken: »Ich bin ja auch nicht normal.«

Früher war mehr Konfetti
Weil Sigrid D. nach Toren ihres VfL Wolfsburg jedes Mal euphorisch eine Handvoll Konfetti über die Ränge schleuderte, drohte ihr der Klub mit harten Sanktionen. »Bereits im Oktober 2005 sind mir meine Schnipsel, die ich immer in einer Bauchtasche verstaut hatte, vor dem Stadion abgenommen worden, um mir obendrauf ein Schnipselverbot zu erteilen«, gab die Lehrerin enttäuscht zu Protokoll. Doch die renitente Dame ließ sich nicht aufhalten und organisierte einen kleinen aber effektiven Schmugglerring, der die Schnipsel fortan schon vor Frau D. ins Stadion brachte.
Als sie erneut erwischt wurde, entgegnete sie den verdutzten Ordnern: »Ich habe die Schnipsel nicht mitgebracht. Die waren schon hier.« Die Sicherheitskräfte verstanden keinen Spaß und drohten mit Stadionverbot. Erst als die Geschichte an die Öffentlichkeit kam, lenkte der Klub ein und nahm die Androhung eines Stadionverbotes wieder zurück. Das Schnipselverbot übrigens auch.

Kein Platz für Ostalgie   
Das ging nach hinten los: Die Verantwortlichen von Rot-Weiss Essen kündigten vor dem Zweitliga-Heimspiel gegen Energie Cottbus im Jahr 2004 an, jedem Fan mit DDR-Symbolen auf T-Shirts oder Schals den Zutritt zum Georg-Melches-Stadions zu verweigern. Zur Begründung hieß es: »Es werden vermehrt DDR-Symbole gezeigt, um die Fans aus dem Westen zu provozieren.« Zudem spiele die »teilweise provokant von den ostdeutschen Fans vorgetragene DDR-Nostalgie« eine nicht unerhebliche Rolle beim »gegenwärtigen Ost-Westkonflikt, was die Verteilung staatlicher Ressourcen angeht«. Nach massivem Protest aus allen Ecken der Republik, nahm RWE schließlich das Stadionverbot zurück.

Gutes Rad ist teuer
Weil ein betrunkener BVB-Fan nach einem Champions-League-Auswärtsspiel 2003 in London offenbar keine Lust mehr auf Gehen hatte, schnappte er sich kurzerhand ein Fahrrad vom Straßenrand und fuhr einige Meter schwankend auf dem Drahtesel. Als seine Freunde das Rad wieder zurückgebracht hatten, stellten sie mit Schrecken fest, dass ihr Kumpel soeben verhaftet worden war und über Nacht ins Londoner Gefängnis gesteckt wurde. Doch damit nicht genug, nach seiner Rückkehr nach Deutschland flatterte dem übermütigen Hobbyradler ein Bescheid über ein dreijähriges bundesweites Stadionverbot ins Haus. Da ist guter Rat teuer.

 
 
 
 
 
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