23.09.2013

Kondolenznote zum Ende der Achtziger Jahre

Porsche, Genscher, auf Wiedersehen HSV!

Der HSV steigt als erster Verein der Bundesligageschichte noch vor der Winterpause ab, die FDP löst sich auf, und wo ist eigentlich Sascha Hehn? Die Achtziger Jahre sind, erstaunlich spät und doch zu früh, vorüber. Dirk Gieselmann weint ihnen hinterher.

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Ich bin weder Fan der FDP noch des HSV. Das sage ich ausdrücklich, obwohl die Wahrscheinlichkeit, dass eines von beiden zutrifft, dieser Tage ohnehin unter fünf Prozent liegt. Und doch betrübt es mich, dem Verbleichen dieser Institutionen zuzusehen. Es geht wieder etwas unter, das ewigen Bestand zu haben schien, und ich beginne zu ahnen, dass das auch für meine eigene Existenz gilt. 



Tor! Tor! Tor! Scheinbar für immer

Als ich jung war, spielte der Tod in meinen Überlegungen noch keine Rolle, mal abgesehen von dem Tag, als ich Winnetou sterben sah und ins Cordsofa meiner Eltern schluchzte. »Porsche, Genscher, Hallo HSV«, sangen die »Goldenen Zitronen«, das war der Soundtrack einer Welt, in der Sascha Hehn, schönster Mensch Deutschlands, ins Cabrio sprang, ohne vorher die Tür zu öffnen, der Außenminister gelbe Pullunder trug, überm Ozean sich selbst begegnete und Kaltz auf Hrubesch bananenflankte. Tor! Tor! Tor! Scheinbar für immer. Unendliche Achtziger Jahre. 

Und jetzt, erstaunlich spät und doch zu früh, soll all das vorbei sein. Porsche, Genscher, auf Wiedersehen HSV?




Der HSV steigt ab, als erster Verein der Bundesligageschichte wohl noch vor der Winterpause, und die FDP ist raus aus dem Bundestag. Das schuldig unschuldige Personal ist auswechselbar – linkische Epigonen, greise Mahner, joviale Trostspender: Thorsten Fink ist der Philipp Rösler des HSV, Gerhart Baum ist der Uwe Seeler der FDP. Feuchten Blickes saß der Altliberale am Sonntagabend bei Günter Jauch und musste sich von Wolfgang Schäuble trösten lassen: »Totgesagte leben länger«, sagte der Finanzminister denkbar lieblos. Und Ottmar Hitzfeld sprach tags zuvor auf SKY: »Von der Qualität her kann der HSV sicher Zwölfter, Dreizehnter werden.« 



Sätze, die vollkommen ungeeignet sind, um das Achtziger-Gefühl noch einmal zu entfachen. Wo ist eigentlich Sascha Hehn? Hoffentlich bereitet er die Rettung der FDP vor. Oder des HSV. Mir egal. Denn wie gesagt: Ich bin kein Fan. Es geht mir um mich.

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