Kommentar zur FIFA-Posse

Lance Armstrong ist unschuldig!

Sepp Blatter ist unschuldig. Sagt jedenfalls die FIFA und die muss es wissen. Ron Ulrich wartet jetzt gespannt auf weitere Wahrheiten. Seine Favoriten: »Lance Armstrong hat nie gedopt!« und »Milli Vanilli haben nie Playback gesungen!« Kommentar zur FIFA-Posse

Was ist passiert? Blatters Gegenkandidat um das Amt des FIFA-Präsidenten, Mohammed Bin Hammam, soll am 10. Mai beim FIFA-Kongress die karibischen Verbände geschmiert haben – und wurde vom FIFA-Ethikrat (sic!) suspendiert.

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Glauben kann man das zunächst nicht, schließlich kommt Bin Hammam aus einem Land, in dem Geld nun überhaupt keine Rolle spielt: Katar. Der Ablauf der Geschehnisse soll so gewesen sein: Bin Hammam hat angeblich jeden der 25 Vertreter einzeln in ein Hotelzimmer gebeten und das Geld überreicht. Hereinbitten, Geldkoffer öffnen, um Stillschweigen bitten, verabschieden - bei einem Selbstversuch kam heraus, dass dieser Vorgang mindestens 4 Minuten und 50 Sekunden dauert. Bei 25 Funktionären macht das knapp zwei Stunden Schmieren, ein Kraftakt. Das aber soll Blatter gewusst haben, es aber nicht angezeigt haben. Vielleicht gab es SMS-Botschaften: »Joseph, bin völlig fertig, habe zwei Stunden Geldkofferübergabe hinter mir.« »Mo, dann mach mal Feierabend.«


40.000 Dollar für ein 4 Minuten, 50 Sekunden-Gespräch

Nun haben allerdings vier Funktionäre es nicht mehr ausgehalten und von den Zahlungen berichtet - vier. Das hieße im Umkehrschluss: Mindestens 21 karibische Funktionäre laufen momentan mit 40.000 Dollar herum für ein Gespräch, dass vielleicht 4 Minuten und 50 Sekunden gedauert hat und in dem sie versprochen haben, denjenigen zu wählen, den sie jetzt gar nicht mehr wählen können. Doch was sind 40.000 Dollar gegen 1,8 Millionen Dollar, die Bin Hammams Heimatland Katar dem afrikanischen Verband gezahlt hat. Das Geld soll aber keinen Einfluss auf die Abstimmung bei der WM-Vergabe für Katar genommen haben. Warum auch? Wie schnell gibt man heutzutage schon 1,8 Millionen aus! Motivationsreisen für Versicherungsvertreter kosten mittlerweile schon 83 000 Euro.

Letzten Endes musste bin Hammam gegen Blatters Schein-Reich kapitulieren. Nun wird die FIFA am Mittwoch eine Wahl schmeißen, auf der nur eine Person kandidiert. Man kennt das von Schülersprecherwahlen oder zuletzt von der Wahl des Kassenwarts der Sportfreunde Stuckenbusch. Der soll seinen Job aber bis dato sehr gut machen. Was aber, wenn das eintritt, was ein englischer Funktionär verlauten ließ? Man werde jeden Gegenkandidat zu Blatter unterstützen – und sei es ein Zementsack. Dürfte bei dieser Präsidentenwahl alle Fußballfans teilnehmen, dann wäre der Zementsack der glasklare Favorit. Blatter würde wahrscheinlich kontern: »Auch Zement kann schmieren.«

Das Schockierende sind nicht die Ermittlungen gegen die Kandidaten für das höchste Amt im Fußball. Schockierend ist, dass das keinen mehr schockt. Die Welt hat sich gewöhnt an die Entrücktheit und Unglaubwürdigkeit eines Verbandes im Elfenbeinturm, dessen Slogan ganz ohne Ironie lautet: »For the game. For the world.« Wer böse ist, könnte frei nach dem Kabarettist Volker Pispers sagen: »In Italien ist es ehrlich, da kann man die  Mafia noch Mafia nennen und muss nicht verschämt ,FIFA’ sagen.« Doch böse ist der FIFA niemand mehr. Denn um auf jemanden böse zu sein, muss man denjenigen auch ernst nehmen. Das ist bei der FIFA schon lange nicht mehr der Fall. 

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