Kommentar zur Entlassung von Thorsten Fink

Wirrwarr forever

Der Hamburger SV entlässt Trainer Thorsten Fink. Ein logischer Schluss, denn nach schwachem Saisonstart agierte der Coach meist glücklos. Mit der Demission aber kaschiert der HSV sein generelles Problem, dass er auf vielen Ebenen zum Chaosklub verkommen ist.

imago

Am Ende der Sommerpause sinnierten die Beiden noch, ob sie nicht gemeinsam eine Ära beim HSV begründen könnten. Thorsten Fink und Oliver Kreuzer zwängten sich beim Fototermin für 11 FREUNDE einträchtig in das Modell des Hamburger Stadions im Miniatur-Wunderland in der Speicherstadt, signalisierten Verbundenheit zu ihrem Arbeitgeber, versprühten Optimismus für die neue Serie, auch wenn ihnen bewusst war, dass sie keineswegs ideale Voraussetzungen vorfanden, um den Klub wieder zügig dorthin zu führen, wo ihn das Umfeld traditionell erwartet. Thorsten Fink sagte: »Ist doch klar, dass nach einem siebten Platz nicht der achte, sondern lieber der sechste rausspringen soll. Aber das müssen wir erreichen, ohne viel Geld in die Hand zu nehmen.« Und Neuankömmling Kreuzer vergaß nicht zu ergänzen: »Zumal wir zwei, drei Jahre brauchen werden, um einen Kader ganz nach unseren Vorstellungen zusammenzustellen.«

Keine Zeit für Thorsten Fink


So viel Zeit wurde Thorsten Fink nicht mehr eingeräumt. Nach nur fünf Spieltagen wurde sein bis Juli 2014 laufender Vertrag aufgelöst. Mit seinen Entscheidungen in den vergangenen Wochen wirkte der Coach ein bisschen wie Peer Steinbrück im Wahlkampf: Um Lässigkeit bemüht, tappte er in so jedes Fettnäpfchen, was sich ihm im enger werdenden Spalier des Spießrutenlaufs durch die hanseatischen Presselandschaft bot. Der Boulevard in Hamburg ist gnadenlos, wenn ein Trainer seine Spieler nach Niederlagen nicht in aller Herrgottsfrühe zu Steigerungsläufen nach Stellingen bestellt. Es ist die Stadt, wo Branko Zebec seine Eleven an die Grenzen des Ermüdungsbruchs trainierte und damit zur Spitzenmannschaft stählte. Das Milieu, das aus einem Rotweinliebhaber und Kettenraucher namens Felix Magath den Darth Vader der deutschen Übungsleitergilde machte. Thorsten Fink aber gab seinen Männer nach der entwürdigenden 1:5-Heimniederlage gegen die TSG Hoffenheim am 2. Spieltag frei. Es war der Anfang seines vorzeitigen Endes beim HSV.
 
Natürlich wütet der Pöbel über solche Entscheidungen, aber jeder der mal mit etwas Ehrgeiz eine Sportart betrieben hat, sollte wissen, dass nach sprachlos machenden Demütigungen auf dem Feld, etwas Abstand Wunder wirken kann. Konnte ja niemand ahnen, dass Tomas Rincon und Dennis Aogo auf Malle vermeintlich die Disco-Strips unsicher machen mussten, um Abstand zu gewinnen. Aber so nahm das Unheil seinen Lauf. Man kann trefflich diskutieren, ob die beiden suspendiert werden mussten. Ob man Publikumsliebling Aogo auch gleich in die Wüste schicken musste. Aber all das passt zu diesem Klub, in dem seit Jahren jede noch so marginale Etatzahl, jede politische Strömung im Führungszirkel, über Whistleblower nach außen dringt. Vier schmale Punkte nach fünf Spieltagen – auf dem Papier ist die Entlassung von Thorsten Fink durchaus gerechtfertigt.

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