Kommentar zum neuen Bayern-Trainer Josep Guardiola

Habemus Pep!

Nur der weiße Rauch fehlte am Mittwoch-Nachmittag über der Säbener Straße: Trainer-Heiligtum Josep, genannt »Pep« Guardiola, der erfolgreichste Übungsleiter des vergangenen Jahrzehnts, übernimmt zur neuen Saison den FC Bayern München. Ein Kommentar.

Er kommt: Der FC Bayern München und Pep Guardiola haben auf eine Zusammenarbeit mit Beginn der Saison 2013/14 geeinigt. Der begehrteste und erfolgreichste Trainer der vergangenen Jahre wird ein Bayer – was für ein Ausrufezeichen von der Säbener Straße. 14 Titel hat Guardiola während seiner Zeit als Macher beim FC Barcelona gewonnen. Er hat eine Mannschaft um die Weltstars Iniesta, Xavi und Messi den attraktivsten Fußball der jüngeren Vergangenheit spielen lassen. Und er ist erst 41 Jahre alt. Auf den ersten Blick ist den Bayern ein Sensationstransfer gelungen.

Guardiola suchte eine neue Herausforderung – in München hat er sie gefunden

Auch auf den zweiten Blick? Wer kann jetzt schon mit Gewissheit sagen, ob der Katalane Guardiola und die »Mia san mia«-Bayern so gut miteinander harmonieren, wie es sich die Vereinsoberen um Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Matthias Sammer wünschen? Eine so perfekte Mischung, wie es die Kombination Guardiola-Barca war, wird nicht zu wiederholen sein. Aber die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit sind gegeben: der FC Bayern München 2013 ist längst auf Augenhöhe mit den Topadressen im Vereinsfußball. Finanziell, sportlich, stadiontechnisch, strukturell – und jetzt kommt ein junger Trainer, der nicht nur als einer der besten seines Fachs gilt, sondern auch noch nach Jahren mit der Barca-Siegesfabrik nach einer neuen Herausforderung sucht. Und wer, wenn nicht der FC Bayern, ist so eine Herausforderung?

Der durchaus überraschende Guardiola-Transfer ist auch eine klare Ansage der Bayern an die Konkurrenz. Nach dem Motto: Seht her, wenn wir wollen, arbeitet der begehrteste Trainer der Welt eben für uns! Weil wir ihm Arbeitsbedingungen, exzellente Spieler und ein Umfeld bieten können, das er so höchstens nur bei vier oder fünf anderen Klubs auf diesem Planeten finden könnte. Und weil wir ihn bezahlen können – den Milliardären aus London, Paris und Manchester zum Trotz.

Einziges Vorab-Risiko bei dieser Verpflichtung: Außerhalb von Barcelona hat Guardiola noch nicht als Trainer gearbeitet. Hier ist der am 18. Januar 1971 in Santpedor, 70 Kilometer nord-östlich von Barcelona geborene Guardiola groß geworden, hier reifte er in der Jugendakademie und später als Stammspieler zu einem europäischen Topstar. Hier begann er 2007 seine Arbeit in der B-Mannschaft, hier wurde er zum erfolgreichsten Trainer in der Geschichte des an Erfolgen eben nicht armen FC Barcelona. Und jetzt? Die Bayern. Es ist Experiment. Das Experiment heißt: kann Pep Guardiola auch außerhalb von Barcelona eine Ära prägen?

Wieder ein Experiment

Schon einmal sind sie in München mit einem Experiment gescheitert. Das Experiment hieß Jürgen Klinsmann. Aber das war eine andere Zeit, andere Voraussetzungen, ein anderer FC Bayern. Klinsmann hatte keine Erfahrung als Vereinstrainer und wollte den Verein radikal revolutionieren.

Guardiola schuftete als Vereinsangestellter jahrelang so hart, dass er am Ende nach eigener Aussage die Reißleine ziehen musste, um nicht als psychischen Wrack zu enden. Er ist kein Revoluzzer wie Klinsmann. Er ist ein Trainer mit einer klaren Vorstellung davon, wie Fußball funktionieren kann und soll. Und er ist mit seinen 41 Jahren erfahren genug, um sämtliche ihm in München zur Verfügung stehenden Möglichkeiten auszunutzen, um seine Idee des Spiels bei den Bayern einzupflanzen — und die Möglichkeiten nicht zu manipulieren oder gar zu ignorieren. Nicht nur Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge hofft deshalb, dass »einer der erfolgreichsten Trainer der Welt […] nicht nur dem FC Bayern, sondern auch dem deutschen Fußball viel Glanz verleihen kann.«

Deutschland ist dem zur Weltmarke gereiften Klub aus München nicht mehr genug. Europa ist das Ziel. Zweimal ist man in den vergangenen drei Jahren am großen Ziel, dem Champions-League-Triumph, gescheitert. Guardiola soll es richten. Und wenn einer weiß, wie man den Silberling mit den großen Ohren gewinnt, dann ja wohl Pep Guardiola. Dreimal bestieg er bislang Europas Thron: 1992 als Spieler, 2009 und 2011 als Trainer. Sollte ihm dieses Kunststück auch mit dem FC Bayern gelingen, dürfte tatsächlich weißer Rauch über der Säbener Straße aufsteigen.

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