Kommentar zum Leistungsstand von Werder Bremen

Die neue Hässlichkeit

Als Fan von Werder Bremen ist man so einiges gewöhnt. Vor allem schönen Fußball, der die 90 Minuten zum Spektakel macht. Das ist längst Vergangenheit. Inzwischen spielt der SVW Fußball, der die Erstklassigkeit eigentlich nicht verdient hat.

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Am Samstag kommt der Hamburger SV ins Weserstadion. Zum Abstiegsduell. Der HSV ist nach der offenbar erfolgten Blitzheilung durch Mirko Slomka Favorit auf den Sieg. Allein diese Informationen sind Ohrfeigen für jeden, der es mit Werder Bremen hält. Es ist aber weniger die schlimme sportliche Situation der Bremer, die den Fans in der Seele wehtut. Es ist die Art und Weise, wie sich Werder in die Misere manövriert hat.

Spielfreude wurde zum Markenzeichen des Klubs

Vor zehn Jahren führte Werder die Bundesliga an, am Ende der Saison 2003/04 wurde die Mannschaft von Thomas Schaaf Deutscher Meister. Sie holte sich den Titel nicht allein durch körperliche Dominanz, eiskalte Vollstrecker und kühl kalkulierte Taktik, sondern durch Raffinesse, Spielwitz, Ideenreichtum und Kreativität. Wenn Werder spielte, machte das Zuschauen Spaß. Selbst für neutrale Fans. Diese überschäumende Spielfreude wurde zum Markenzeichen des Klubs, der dadurch überall im Land Bewunderer fand. Noch viele Jahre nach dem Meistertitel bespaßte der SVW mit diesem Fußball die Bundesliga. Bis heute zehrt der Verein von diesem Image.

Wie lange noch?

Die gegenwärtigen Auftritte der Bremer sind erschreckend. Das 0:0 gegen Eintracht Frankfurt, eines der schlimmsten Fußballspiele dieser Saison, war nur die Krönung der neuen Bremer Hässlichkeit. Vom Raffinesse, Spielwitz oder Kreativität ist die Mannschaft von Robin Dutt meilenweit entfernt. Dieses Team zelebriert Fußball nicht, sondern verhackstückt ein Spiel, dass doch eigentlich so schön sein kann. Für jeden Zuschauer, der sich noch daran erinnern kann, wie Ailton, Micoud, Özil oder Klose einst in grün-weiß über den Rasen schwebten, sind die Auftritte der gegenwärtigen Auswahl eine Qual.

Die Abwehr wirkt so wenig souverän wie ein Teenager vor dem ersten Date. Das Mittelfeld mit ideenlos zu beschreiben, wäre noch ein Kompliment. Und die Angreifer scheinen überfordert zu sein, wenn man ihnen dann doch mal einen Ball sauber zuspielt. Es ist nicht zu fassen, aber ein gelungener Doppelpass oder ein raumöffnender 30-Meter-Pass ist in Werders Spiel der Gegenwart schon ein Highlight.

Gegen Frankfurt musste man der Mannschaft zumindest zugute halten, dass sie mit zehn Spielern das Unentschieden über die Zeit rettete. Anschließend lagen die Spieler am Boden, sie hatten sich körperlich verausgabt. Aber Maloche steht Werder so gut zu Gesicht wie einem Adipösen Radlerhosen. Zumal die körperliche Verausgabung zu einem Fußballspiel nun einmal dazugehört.

Die traurige Realität

Selbstverständlich kommt diese Einschätzung der Bremer Leistungen auch dadurch zustande, dass man an der Weser verwöhnt worden ist: Von spielerischer Überlegenheit, von gutem Fußball. Die Erinnerungen an früher verstärken den Schmerz der Gegenwart. Doch das Unverständnis, wie ein Klub, der noch vor ein paar Jahren aufregende Mannschaften auf den Rasen schickte, in so kurzer Zeit zum hässlichen Entlein der Bundesliga werden konnte, ist in der Fanszene enorm groß und verständlich. Wenn der SVW in diesem Jahr die Klasse hält, dann nur, weil es erstaunlicherweise doch drei Klubs gab, die weniger Punkte gesammelt haben.

Gegen den HSV erwartet man von dieser Mannschaft kein Spektakel. Sondern einfach nur, dass sie überlebt. Das ist die traurige Realität.

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