Kommentar zum Gladbacher Pfeif-Eklat

Was sich liebt, das neckt sich

»Unverschämt« hat Torhüter Marc-André ter Stegen die Pfiffe der Fans gegen die eigene Mannschaft genannt. Dabei sollte er sich eigentlich bedanken, findet Sebastian Wolf.

Es war eine recht unbedeutende Szene zu Beginn der Partie zwischen Borussia Mönchengladbach und der SpVgg Greuther Fürth. Oscar Wendt spielte einen Einwurf in Richtung eigenes Tor, anstatt seinen Vordermann Juan Arango anzupeilen. Doch weil der Schwede nicht seinen besten Tag erwischt hatte, entlud sich nach dieser Szene der gesamte angestaute Frust der Ostgerade in Richtung des Linksverteidigers. Wendt quittierte den Unmut mit einer wütenden Geste und goss noch einmal Öl ins Feuer. Fortan wurde jede Aktion von deutlich vernehmbaren Pfiffen begleitet, was wiederum die treuesten der Treuen in der Nordkurve auf die Palme brachte. »Scheiss Tribüne« hallte es zurück. 

Auch der glückliche 1:0-Sieg der Gladbacher gegen die SpVgg Greuther Fürth konnte Mannschaft und einen Teil der Fans am Ende nicht versöhnen. Während sich Wendt für seine Aktion entschuldigte, sah sich Torhüter Marc-André ter Stegen nach dem Abpfiff dazu berufen, zum Verbalschlag auszuholen. »Ich finde es unverschämt, wenn man einen eigenen Spieler auspfeift. Dafür habe ich kein Verständnis und das macht mich ein Stück weit traurig«. Schließlich waren es die Spieler gewöhnt, selbst nach schwachen Spielen wie beim Ausscheiden aus der Europa League im Römer Olympiastadion, von den eigenen Anhängern stundenlang gefeiert zu werden.

Dabei sollte ter Stegen genau diesen Quertreibern danken. Seitdem man am Niederrhein in der Saison 2010/2011 dem Abstieg von der Schippe sprang und sich nur ein Jahr später für die Europa League qualifizierte, herrscht rund um den Borussia Park Kritikverbot. Sportdirektor Max Eberl und insbesondere Trainer Lucien Favre haben das Umfeld mit konsequenter Tiefstapelei geradezu hypnotisiert und erschufen damit sowohl eine Wohlfühloase als auch ein Blanko-Alibi. Misserfolge und schwache Leistungen lassen sich im Jahr 2013 allerdings nicht mehr mit einem Beinahe-Abstieg von vor zwei Jahren entschuldigen.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!