Kommentar zum abgebrochenen Lambertz-Interview

Keiner mag die Leberwurst

Nach dem 1:1 seiner Mannschaft gegen Borussia Dortmund wollte Düsseldorfs Andreas Lambertz dem übertragenen TV-Sender Sky ein Interview geben. Bis ihn sein Boss Wolf Werner mit den Worten »Heute geben wir Sky kein Interview« in die Kabine scheuchte. Musste das sein?

Screenshot Sky

Wer die Bundesliga seinen Arbeitsplatz nennen darf, muss ein dickes Fell haben. Auf dem Platz geht es darum, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu gewinnen, um Sieger und Besiegte. Auch abseits des Fußballplatzes ist der Profisport häufig kalt und berechnend. Hier gilt am Ende des Tages immer noch der als Sieger, der seine Ellenbogen am effektivsten zu nutzen weiß. Dazu kommt: Profifußball ist ein Job, der mehr als jeder andere von Emotionen begleitet wird. Da gönnen sich millionenschwere Anzugträger vor laufender Kamera feucht-fröhliche Bierduschen-Exzesse oder blaffen wütend wie Nachbars Bullterrier unschuldige Fragesteller beiseite, weil die nach einer schmerzhaften Niederlage zufällig im Weg standen.

»Wieso datt denn?«

Das muss man wissen, wenn man sich über mögliche Ausraster der beteiligten Personen beschwert. Düsseldorfs Sportvorstand Wolf Werner hat sich nach dem gestrigen Spiel seiner Mannschaft gegen Borussia Dortmund solch einen Aussetzer geleistet, über den es sich zu sprechen lohnt. Als sein Spieler Andreas Lambertz dem TV-Sender Sky gerade die erste Frage im obligatorischen Field-Interview beantworten wollte, hörte man plötzlich aus dem Off die Stimme von Wolf Werner, der seinem Angestellten etwas zurief. Lambertz schaute verdutzt und fragte: »Wieso datt denn?«, Werner antwortete: »Heute geben wir Sky kein Interview, die haben uns vorher nur niedergemacht!«, packte Lambertz an der Schulter und zog ihn weg.

Ein Skandal? Das nicht. Aber eine selten unüberlegte Aktion von einem so erfahrenen Mann wie Wolf Werner, der sich durch die angeblich zu destruktive Live-Berichterstattung von Sky so beleidigt fühlte, das er einem Fußballer vor laufender Kamera das Wort verbot. Nicht nur, dass Sky pro Jahr 400 Millionen Euro für die Übertragungsrechte bezahlt – und damit auch den Kader von Wolf Werner finanziert –, die Fieldreporter von Sky sind Journalisten, Lambertz eine Person des öffentlichen Lebens, ein paar Fragen nach Spielende also Teil des Arbeitsplatzes Bundesliga. Wolf Werner hat nicht unbedingt gegen die Pressefreiheit verstoßen, er hat sich nur verhalten wie eine beleidigte Leberwurst. Er hat sich von seiner gekränkten Eitelkeit dazu verleiten lassen, sich, seinen Verein und seinen Spieler der Lächerlichkeit preis zu geben.

Sollte man Wolf Werner sogar dankbar sein?

Es bleiben, wie immer, wenn irgendjemand im durchgeplanten Bundesliga-Zirkus aus der Reihe tanzt, einige offene Fragen. Hätte sich ein Fußballer wie Andreas Lambertz, der durchaus als selbstständig und selbstbestimmt bekannt ist, vielleicht anders verhalten müssen? Hätte er, dem wütenden Sportvorstand zum Trotz, sein Interview einfach zu Ende führen müssen? Sollte sich Wolf Werner bei Sky entschuldigen? Sollten wir am Ende sogar dankbar sein, dass endlich mal wieder etwas Kurioses vor der Kamera passierte, statt dem nächsten belang- und ergebnislosen Frage-Antwort-Spiel von Field-Reporter und Fußballer zu lauschen?

Vielleicht.

Aber letztlich geht es auch darum, wen die Auswirkungen des Wernerschen Zorns letztlich trafen. Nämlich uns, die Zuschauer vor dem Bildschirm, die möglicherweise gerne gewusst hätten, wie das angefangene Interview (Frage: »Mit diesem Ergebnis konnte man nicht rechnen. Oder haben sie damit gerechnet?« Antwort: »Ja, natürlich nicht, das war ja für uns wie ein Bonusspiel…«) geendet wäre. Mit seiner  Leberwurst-Aktion hat Düsseldorfs Wolf Werner nicht Sky bestraft, sondern die Zuschauer. Und das wird er sicherlich nicht gewollt haben.

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