Kommentar zu der 50.000-Euro-Strafe für den »Elfmeter-Dieb«

Image ist alles

Fortuna Düsseldorf hat den sogenannten »Elfmeter-Dieb« aus dem skandalösen Relegationsspiel gegen Hertha BSC auf 50.000 Euro verklagt. Eine vernünftige, weil nachvollziehbare Entscheidung, oder eine unverhältnismäßige Reaktion des Bundesligisten?

Screenshot/ARD

Jede Geschichte braucht ein Gesicht, jeder Skandal ein Momentum, der es den Menschen ermöglicht, das große Undurchschaubare zu verstehen. 100.000 Obdachlose nach einem Tropensturm übersteigen unser Vorstellungsvermögen. Das Schicksal der Familie xy, denen die Natur das Dach über dem Kopf und die Existenz geraubt hat, bewegt uns, weil wir es nachvollziehen können.

Nun wird niemand die Begleitumstände im Rückspiel der Bundesliga-Relegation zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC mit einer Naturkatastrophe vergleichen wollen. Doch auch in diesem so folgenreichen Fußballspiel brauchte es Einzelschicksale, um aus dem Vorfall eine echte Story zu machen. Das Gesicht des Platzsturms von Düsseldorf trug eine Brille und auf dem Kopf eine weiße Mütze. André P. hieß der Mann, der gemeinsam mit Hunderten anderen Fans noch vor dem Schlusspfiff auf den Platz gerannt war und sich ein ganz besonderes Souvenir gesichert hatte: Ein etwa 20 mal 20 Zentimeter großes Stück Rasen, den Elfmeterpunkt. Die ARD-Kameras hielten diesen Moment für den Rest der Nation fest, die Verantwortlichen wiederholten die Szene gar in Zeitlupe. »Das ist nicht zu fassen, meine Damen und Herren«, ereiferte sich der sonst so emotionslose Kommentator Tom Bartels, »der möchte den Elfmeterpunkt mitnehmen, vor Spielende!« Das Skandalspiel hatte seinen Bösewicht gefunden, die Geschichte vom beinahe abgebrochenen Relegationsspiel ein Gesicht bekommen. Dass Anne Will und Co. in den folgenden Tagen wie ihm Wahn auf die aktiven Fanszenen in Deutschland einprügelten, hatte auch mit dem Stück Rasen in den Händen von André P. zu tun.

So einfach ist die Frage nach richtig oder falsch nicht zu beantworten

Jetzt hat Fortuna Düsseldorf bekannt gegeben, dass der Verein André P. auf 50.000 Euro verklagen wird. Eine ungeheure Summe, die den jungen Mann vermutlich in eine private Schuldenkrise katapultiert, so er denn tatsächlich zu dieser Strafe verurteilt wird. Der Rest des Landes fragt sich derweil, ob der Bundesligist eine vernünftige, weil nachvollziehbare Entscheidung getroffen hat, oder völlig unverhältnismäßig reagiert. So einfach ist diese Frage gar nicht zu beantworten.

Rein auf den Sachschaden bezogen, sind 50.000 Euro für ein paar Quadratzentimeter Rasen natürlich völlig überzogen. Zumal P. nicht der einzige Fan war, der dem Spielfeld im Düsseldorfer Stadion Erinnerungsstücke entwendete oder mit Leuchtfeuern Schaden zufügte. Jede aus der Verankerung getretene Sitzschale dürfte teurer sein, als die Restaurierung des ominösen Elfmeterpunkts. Der DFB verurteilte Fortuna Düsseldorf aufgrund der Platzstürme zu einer Strafe von insgesamt 100.000 Euro, der Verein kündigte bereits kurz nach dem Urteil an, die Strafe auf seine Fans abwälzen zu wollen. Einer Einzelperson, der, wenn überhaupt Dummheit, nicht aber schwerer Vandalismus vorzuwerfen ist, die Hälfte dieser Strafe aufzubürden, erscheint alles andere als verhältnismäßig.

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