Kommentar zu den rassistischen Vorfällen in Serbien

Dumm und ignorant

Die rassistischen Vorfälle im U-21-Spiel zwischen Serbien und England waren schon schlimm genug. Noch empörender ist allerdings das ignorante Verhalten des serbischen Fußball-Verbandes.

Es ist eine Sache, wenn weltfremde Dumpfbacken ein Fußballspiel nutzen, um in der anonymen Masse ihr rassistisches Geplärre auszuspucken. Dagegen ist kein Stadion, kein Verein der Welt ausreichend geschützt. Wie soll man denn auch im Vorfeld verhindern, dass sich das halbe Dutzend in Block F in der 70. Minute erhebt, um den gegnerischen Stürmer mit Affenlauten zu beleidigen oder die Arme zum Hitlergruß in die Höhe reißt? Das ist unmöglich.

Viel entscheidender ist, was danach passiert. Werden die Idioten niedergesungen? In Form von kollektiver Selbstjustiz zum Schweigen gebracht? Und vor allem: Wie reagiert die offizielle Seite, der Verein, der Verband, die großen Entscheider in den Ehrenlogen? Dass Fans nicht auf Fans reagieren, ob aus Angst oder Ignoranz, kann passieren. Dass ein nationaler Fußballverband die schlimmen Vorfälle ignoriert, ja sogar mit schwülstigen Worten bestreitet, darf nicht passieren.

Englands Spieler Rose zeigte den Fans den Hitlergruß

Am Dienstagabend spielte Englands U21 in Krusevac gegen Serbien. Es war eine wichtige Partie, das Rückspiel in den Playoffs der EM-Qualifikation. Das Hinspiel hatte England mit 1:0 gewonnen. 95 Minuten lang fiel kein Tor, dann traf Connor Wickham zum entscheidenden 1:0. England war qualifiziert, Serbien raus. Die Zuschauer rasteten aus. Sie grölten »Uh-uh-uh«, nicht nur im Fußball kennt man diese unselige Form der rassistischen Beschimpfung als »Affenlaute«. Gemeint war Danny Rose, Englands dunkelhäutiger Abwehrspieler. Zornig schoss Rose den Ball nach dem Schlusspfiff auf die Tribünen, der Schiedsrichter zeigte ihm die gelb-rote Karte. Der Zuschauer grölten noch lauter. Rose kratzte sich an den Achseln, hob den Arm zum Hitlergruß, grüßte spöttisch mit dem Daumen um es seinen Peinigern irgendwie heimzuzahlen. Das U-21-Spiel zwischen England und Serbien endete in einer Massenschlägerei im Spielertunnel. Englands Spieler berichteten anschließend empört davon, wie sie schon während des Spiels rassistisch beleidigt und mit Steinen, Münzen, Feuerzeugen beworfen worden waren. Eine Schande.

Das war die eine Sache. Wie sich ein Teil der serbischen Fans furchtbar daneben benahm und dem Ansehen der serbischen Fußballkultur weiteren Schaden zufügte. Schon 2003 waren serbische Fans in einem U-21-Spiel ihrer Mannschaft gegen Wales mit »Affenlauten« negativ aufgefallen, 2007 wiederholte sich das ekelhafte Schauspiel in einem U-21-Match gegen England. Und 2010, die serbische A-Nationalmannschaft spielte in der EM-Qualifikation gegen Italien, brachten es die vermummten Hooligans zu trauriger Berühmtheit, weil sie sich stundenlang mit der Polizei von Genua prügelten und anschließend im Stadion für eine Spielunterbrechung sorgten.

Der serbische Verband entschuldigte sich nicht, er beschwerte sich bei Danny Rose

Noch schlimmer als die Ausraster des eigenen Anhangs ist allerdings die Reaktion der serbischen Funktionäre. Nach massiven Protesten des englischen Verbandes veröffentlichte der serbische Fußballverband eine offizielle Antwort, in der sämtliche Vorwürfe empört zurückgewiesen wurden. Allen Ernstes behauptet der Verband, das Spiel der Nachwuchskräfte sei in einer »sportlichen Atmosphäre des gegenseitigen Respekts« zu Ende gegangen. Kein Wort der Entschuldigung für die bedrohten Gäste aus England, stattdessen ein Vorwurf in Richtung Danny Rose für dessen »unangemessenes, unsportliches und vulgäres« Verhalten.

Diese Reaktion ist ein Skandal. Was auch immer die serbischen Offiziellen zu dem Verhalten genötigt hat, die Außenwirkung ist fatal: für die europäische Fußball-Öffentlichkeit gilt der serbische Fußball nun als Moloch zwischen Rassismus, Gewalt, Ignoranz und Engstirnigkeit. Kein Verband der Welt kann so ein Image wollen.

Englands Fußball ist selbstverständlich empört und fordert von der UEFA und deren Präsidenten Michel Platini drastische Strafen für den schlechten Gastgeber. Doch wie auch immer Platini auf den Vorfall von Belgrad reagieren wird, die Katze ist längst aus dem Sack. Ein Land lädt zum Spiel der Nachwuchs-Nationalmannschaften, lässt zu, dass der Gast 95 Minuten bedroht und beschimpft wird und drückt anschließend beleidigt beide Augen zu. Und das im Jahr 2012. Der europäische Fußball hat am Dienstag einen großen Schritt in die falsche Richtung gemacht.

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