Kommentar zu Béla Rethys Wasserschlacht-Kommentar

Béla mau

Dank einer einstündigen Regenunterbrechung beim Spiel Ukraine gegen Frankreich, hatte ZDF-Kommentator Béla Rethy die Möglichkeit, sich unsterblich zu machen. Er vergab die Chance. Wirklich schade.

Man kann in diesen Momenten zur Reporterlegende werden. Günther Jauch und Marcel Reif haben das vorgemacht, als 1998 in Madrid ein Tor noch vor dem Anpfiff fiel (also umfiel), und Reif und Jauch just diesen schönen Flachwitz als Sprungbrett nahmen in eine 76-minütige Livereportage über die Unfähigkeit, ein Tor aufzustellen. Am Ende stand eine Grimme-Preis-Nominierung.
ZDF-Kommentator Béla Réthy entging der Legendenwerdung in Extremsituationen bisher: Als 2008 im EM-Halbfinale zwischen Deutschland und der Türkei das Bild ausfiel, bewies Réthy, dass er nicht zum Radioreporter taugt. Am Freitag bewies er in Donezk, dass er auch zum Kommentator von Regenabbrüchen nur so lala befähigt ist.

Multi-Kulti-Wasserschlacht

An den Bildern zumindest, die aus dem Stadion während der einstündigen Regenpause übertragen wurden, kommentierten Réthy und sein kurzzeitig zum Sidekick umfunktionierter Kartenanreicher Martin Schneider konsequent vorbei. Ukrainer, Franzosen und viele mehr feierten auf den Rängen, das suggerierten die Bilder, eine höchst amüsante Multi-Kulti-Wasserschlacht. Man hätte das kommentieren, als Inszenierung kritisieren oder einfach – ARD-Mann Tom Bartels hatte es am Vorabend vorgemacht, als er die irischen Fans minutenlang singen ließ – schweigen können. Réthy und Schneider machten sich stattdessen, während Partybilder gezeigt wurden, wortreich Sorgen um eine Spielverlegung. »Irgendwann fangen auch die Olympischen Spiele an«, mahnte Réthy – es blieb nicht der einzige schlechte Gag. Beispiel gefällig? »Die Spieler haben jetzt Zeit zur Regen-(Pause)-eration.« Den brachten sowohl Réthy als auch Schneider.

Dass die journalistische Leistung von Kommentator und Rechercheur dabei meist eine gute war, ihre Bemühungen um umfassende Information ehrenwert, die Sprecherstimme von Schneider überraschend angenehm, steht außer Frage. Wenn ein Kommentar allerdings auch die Stimmung aus dem Stadion transportieren soll, scheiterte Réthy, Gewinner des Herbert-Awards in der Kategorie Emotionalste Reportage von 2008. Der Grimme-Preis muss warten.

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