08.05.2012

Köln vs. Bayern in der Spielanalyse

Ein taktischer Zusammenbruch

Die Flaggen hängen auf Halbmast in Köln: Nach einer herben Schlappe gegen FC Bayern ist Köln in die zweite Liga abgestiegen. Unser Tatktikexperte Tobias Escher beleuchtet die entscheidenden Fehler der Geißböcke.

Text:
Tobias Escher
Bild:
Imago

Frank Schaefer versuchte in der Partie gegen den FC Bayern München alles, um den rettenden Relegationsplatz 16 zu verteidigen. Gegen eine Bayern-Mannschaft, die in der voraussichtlichen Aufstellung für das Champions-League-Finale startete, pressten die Kölner von Anfang an unermüdlich. Aus ihrem 4-1-4-1/4-4-1-1 Mischsystem agierten sie überraschend offensiv.

Auffällig war, wie weit die beiden Außenstürmer Sascha Riether und Slawomir Peszko immer wieder in die Zentrale rückten. Für die Breite im System waren deswegen Außenverteidiger Miso Brecko und Christian Eichner zuständig, die oft in die Offensive stießen. Köln spielte immer wieder mit acht Spielern in der gegnerischen Hälfte – ein ziemlich risikoreiches Unterfangen. Konter verhinderten sie durch ihr starkes Gegenpressing, sie gingen direkt nach Ballverlust auf die Münchener Gegenspieler und gewannen so viele Bälle zurück.

Der Rekordmeister musste erst einmal ins Spiel finden. Erst als die Anfangsoffensive der Kölner ein wenig abebbte, bekamen sie die nötige Ruhe in ihr Spiel. Bastian Schweinsteiger rückte nun zwischen die eigenen Verteidiger, um das Spiel aus der eigenen Hälfte zu machen. In der Folge schaffte er es gegen tiefer pressende Kölner, die offensive Dreierreihe in Szene zu setzen.

Thomas Müller, Arjen Robben und Franck Ribery wirbelten spätestens ab der 30. Minute auf Champions-League-Niveau. Sie agierten enorm flexibel und tauschten oft die Positionen. Ein simples Offensivspiel, mit dem die FC-Abwehr allerdings überhaupt nicht klar kam. Im Gegenteil: Immer wieder ließ sich die Kölner Defensive zu leicht aus ihren Positionen locken, die entstehenden Freiräume besetzte Toni Kroos äußerst intelligent. Passenderweise fiel das 0:1 nach einer der zahlreichen Münchener Rochaden, Ribery leitete es mit seiner Flanke von rechts ein, Müller versenkte diese von der linken Seite aus (34.). Trotz der besser werdenden Münchener war es keine schlechte Halbzeit der Kölner. Das Torschussverhältnis von 4:5 untermauert diese Feststellung. Die Münchener nutzten jedoch kaltschnäuzig ihre Chancen, Lukas Podolski hingegen semmelte seine drei Versuche daneben.

Hohes Risiko der Kölner wird bestraft

Nach der Pause legten die Kölner nochmals eine Schippe drauf: Mit der Einwechslung von Milivoje Novakovic (für Jajalo) standen fortan zwei Stürmer auf dem Platz. Auch die Außenstürmer rückten nun immer weiter auf, um in der gegnerischen Hälfte noch mehr Druck zu erzeugen. So stand Köln phasenweise im 4-2-4-System. In den ersten zehn Minuten konnten sie mit ihrem hohen Druck die Münchener tatsächlich in deren Drittel festspielen, unter anderem erarbeiteten sie sich so zwei Freistöße aus guten Positionen. Allerdings wurde in diesen Situationen wieder die Kölner Schwäche bei Standards erkennbar: Mit nur neun Toren nach Eckbällen und Freistößen sind sie nach Hoffenheim und Lautern die schlechtesten Verwerter von ruhenden Bällen.

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Die hoch stehenden Außenstürmer auf Kölner Seite hatten allerdings auch entscheidende Nachteile: Immer öfter wurden Räume auf den Flügeln frei. Robben und Ribery nahmen diese Angebote dankend an, bespielten klug die Halbräume und zogen die Sechser Lanig und Pezzoni damit aus der Mitte. Dies eröffnete Räume für Doppelpässe mit den zentralen Akteuren Müller und Kroos. Auch auf engstem Raum kombinierten sich die Bayern durch, vor allem die Kombination vor Pedro Geromels Eigentor zum zwischenzeitlichen 0:2 war äußerst sehenswert (52.). Auch das 0:3 wurde aus dem Halbfeld heraus eingeleitet, diesmal bediente Kroos den Niederländer Robben (54.).

Nach dem klaren Rückstand folgte der totale Zusammenbruch des 1. FC Köln. Da die Kölner fortan gezwungen waren, noch höher anzugreifen, öffneten sich wiederum in ihrer Defensive Freiräume, die den FC Bayern zum Kontern einluden. Doch der Champions-League-Finalist nutzte seine zahlreichen Chancen nicht und traf erst wieder in der 85. Minute durch Müller. Zudem glaubte Köln selbst nicht mehr an die eigene Chance, das Spiel zu drehen und ging weniger leidenschaftlich in die Zweikämpfe. Zwar gelang ihnen Dank einer guten Podolski-Vorlage das 1:3 durch Novakovic, das war allerdings ihre vorerst letzte Möglichkeit als Erstligist.

In der Schlussphase ließen die FC-Kicker die Köpfe hängen und warteten nur noch auf das Ergebnis in Berlin. Herthas 3:1-Sieg bedeutete den Abstieg für die Kölner. Dabei wurde dieser nicht in dieser akzeptablen Partie gegen die Bayern besiegelt – die Kölner haben mit ihren taktisch schwachen Leistungen Mitte der Rückrunde diesen Abstieg selbst verschuldet.

 
 
 
 
 
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