26.07.2013

Köln-Düsseldorf: Was erwartet das Rheinland am Sonntag?

Verdamp lang her

Seite 2/3: »Opfer!«
Text:
Stephan Knieps
Bild:
Imago

Eine Frage, die die Mitglieder des Fanklubs »Achte Jeisel Jottes« gut beantworten können. Achte Geißel Gottes ist die abfällige kölsche Bezeichnung für Düsseldorf und somit ein treffender Name für diesen recht speziellen Kölner Fanklub – schließlich leben die Gründungsmitglieder mitten im Kölner Feindesland. »In Düsseldorf wird das Derby gegen den großen Rivalen aus Köln sehr intensiv erlebt«, sagt Thomas, einer der Köpfe der Gruppe. Wegen der »jahrelangen sportlichen Bedeutungslosigkeit der Fortuna« müsse sich ein richtiges Derby-Feeling zwar erst noch entwickeln, »dennoch freuen wir uns auf das Spiel und erwarten eine emotionale Begegnung«. Und da einige seiner Freunde Düsseldorfer sind, »gehören gegenseitige Provokationen natürlich auch dazu«.

»Ein solches Derby bereichert unseren Spielplan«

Was überwiegt denn: die Aussicht, endlich wieder gegen den alten Rivalen zu spielen oder der Hass auf den Gegner? »Natürlich spielen wir lieber gegen Traditionsklubs wie Fortuna als gegen Retorten- oder Werksvereine«, sagt Thomas. »Ein solches Derby bereichert sicherlich unseren Spielplan. Es ist aber nicht so, dass wir jahrelang auf dieses Spiel gewartet hätten. In Köln ist die Fortuna aus Düsseldorf erst seit dieser Saison wieder ein Thema.« Am Sonntag werden die rund 20 Klubmitglieder selbstverständlich nach Köln ins Stadion fahren, Südkurve, Block S3. Wohl etwas früher als die Düsseldorfer Fans, um sie in Köln in Empfang nehmen zu können.
 
Was sie dann erwartet, davon konnten sich die Kölner Fans schon seit Wochen ein Bild machen. Anfang Juli hatten die Ultras Düsseldorf auf ihrer Homepage einen Flyer hochgeladen: In martialischem Blutrot ist die Silhouette des Kölner Doms zu sehen, davor die eingestürzte Hohenzollernbrücke. In triefender Schrift steht geschrieben: »DAS rheinische Derby – alles andere ist nur Kokolores!« Für das Auswärtsspiel gibt es das passende T-Shirt zu kaufen, mit einem Geißbock darauf und der Bildbeschreibung »Opfer«.

Seit Sonntag kursiert das Fan-Video »Halbangst 3: Jetz simmer hier« bei youtube: Zwei Düsseldorfer Rentner in Fortuna-Bademänteln paddeln im Schlauchboot den Rhein hinunter, auf der Domplatte treffen sie auf mehrere Dutzend Fortuna-Fans, die ihre Düsseldorf-Schals in den Himmel strecken. Die Bilder sind unterlegt mit einem Liedtext, in dem es heißt: »Fortuna siegt, nur damit Du et weißt«. Die Melodie ist angelehnt an BAPs Kultsong »Verdamp lang her«.



Und schließlich klauen in einem anderen, recht professionellen Fan-Video die Düsseldorfer den Kölnern symbolisch die Punkte, in dem sie überall aus Köln »Koln« machen: auf Autobahnschildern, Bieretiketten, Trikots.

»Wir haben knapp 5000 Karten vom 1. FC Köln bekommen«, sagt Dominik Hoffmeyer, Fanbeauftragter von Fortuna Düsseldorf, »aber wir hätten 15.000 bis 20.000 verkaufen können. Die Nachfrage nach Köln ist enorm groß.« Vergangene Saison musste Borussia Mönchengladbach als Derby-Gegner herhalten, »aber Köln berührt jeden in der Stadt«, sagt Hoffmeyer. Bedingt durch die rasante Entwicklung und den so kaum vorherzusehenden Aufstieg des Klubs in den vergangenen Jahren ist die Düsseldorfer Fan-Szene schnell gewachsen und relativ jung, wie Hoffmeyer sagt. Das hat zur Folge, dass viele Fortuna-Fans das letzte Derby gegen Köln vor 14 Jahren gar nicht bewusst wahrgenommen haben. Für die ist das Spiel am Sonntag die Premiere in Köln. »Von daher weiß niemand genau, was uns erwartet.«

 
 
 
 
 
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