Kochen mit Maurizio Gaudino

»Das ist für Schwuchteln!«

Italo-Bundesligist Maurizio Gaudino will sein Gäste bekochen, doch er hat keine Zutaten! Das kann ja heiter werden, denken sich die Gäste – und behalten Recht. Hier der Bericht von einem Abend, der durch den Magen ging. Kochen mit Maurizio Gaudino
Heft #90 05/2009
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Ein Tableau mit Telefonnummern poppt auf. Man soll anrufen für seinen potenziellen Dschungelkönig. Der Rahmen um die Geschichte ist exotisches Unterschichtenfernsehen und RTL. Als die Zahlenkombination für Ex-Nationaltorwart Eike Immel verlesen wird, läuft als Hintergrundjingle »Hips Don't Lie« von Shakira.

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»Hips Don't Lie« – ein subtiler Hinweis auf das, was mittlerweile ohnehin jeder Zuschauer weiß: Immel lässt sich lebendig begraben und interessierte Ratten in sein Gesicht beißen, um mit dem Urwaldauftrittshonorar die Operationskosten seiner Hüfte abzudecken. Wohl dem, der von all den peinlichen Details hinter dieser Anekdote in den letzten Wochen nichts mitbekommen hat. Aber immerhin rückte sie mal wieder einen Promi-Typus ins Licht, der viel reizvoller ist als die ewigen Schafe aus der Pop-Sparkasse oder der Gala. Gemeint ist der Ex-Fußballer. Ein Veteran, ein Held. Was macht der jetzt? Trainer, Trinker, Bauherrenmodelle, Ratten oder Freitod? All diese Möglichkeiten.

Und pünktlich zur EM im eigenen Lande besuchen wir einen der illustersten Ex-Profis der Bundesliga-Geschichte: Maurizio Gaudino. Der Mittelfeldspieler wurde 91/92 Meister mit dem VFB Stuttgart, drehte kurz darauf mit Yeboah, Bein und Okocha bei Eintracht Frankfurt an dem Begriff »Fußball 2000«, war WM-Teilnehmer 1994 in den USA und später noch unter Vertrag in der Schweiz, der Türkei und England. Neben seinem Rasen-Fame dürfte er vielen auch dadurch in Erinnerung sein, dass er kurz nach dem Auftritt in der Gottschalk-Latenight-Show Ende 1994 verhaftet wurde. Versicherungsbetrug. Ganz verlorene Trash-Seelen haben ihn sicher auch letztens beim Star-Poker auf DSF bemerkt. Eine Appear, die ihm sein alter Wegbegleiter Uli Stein eingebrockt hatte. Der erinnerte sich eben daran, mit wem er früher im Mannschaftsbus Karten gedroschen hatte. Die restlichen Basic-Infos haue ich aber lieber bei Wikipedia rein. Hier sollen schließlich nicht die Gaudino-Files entstehen, sondern hier soll mit einem glamourösen Ex-Profi gekocht werden.

Der kennt sich ja auch sicher aus mit Ernährung. Lebt doch Leistungssport davon, in den Feinheiten zu justieren, um den entscheidenden Vorteil auf höchstem Niveau vor der Konkurrenz zu erzielen. Dagegen ist unser Halbwissen aus den allseitigen neoliberalen Kampagnen für die Volksgesundheit nur hinfälliger Unsinn. Oder?

»Nur saufen durfte man nicht«

»Also zu meiner aktiven Zeit war Ernährung kein Thema. Ich habe morgens von mir aus immer nur eine Banane gefrühstückt, damit ich mich nicht so voll fühlte beim Training. Aber wenn Mittagspause war, sind wir letztlich alle zu McDonalds und haben uns da jeden Tag die Burger reingehauen.«

Was, wirklich? »Das war dem Trainer egal, nur saufen durfte man nicht, darauf wurde geachtet. Dieser Fokus auf das gesundheitliche Drumherum, das gab es in anderen Ländern schon früher, in Deutschland hat sich das letzten Endes erst so mit Klinsmann durchgesetzt.«

Okay ... Maurizio, der schöne Frühvierziger mit dem rau-grauen Dreitagebart, ist also nicht per se Food-Fetischist - aber hey, immerhin Italiener. Da muss doch kulinarisch was zu holen sein. »Muss ich euch auch enttäuschen. Ich koche nie und würde eigentlich wochenlang Pasta essen, wenn das nur ginge. In meiner neuen Wohnung haben wir bis jetzt noch gar nicht gekocht. Weil die alten Töpfe nicht auf den Induktionsherd passen.«

Mann, das ist ja wie, sich die aufregendste Stereoanlage des Jahres zu kaufen und gleichzeitig aber alle CDs zu verschenken. Maurizio, warum tust du uns das an? »Und ich habe jetzt auch gar keine Zutaten mitgebracht.« Kochen ohne Zutaten? Sogar Eike Immel hatte im Urwald wenigstens Blätter, Bohnen und Hoden zu essen. Doch alles nicht so wild. Immerhin treffen wir uns in Gaudinos city of choice: King Stuttgart! Und zwar bei seinem Lieblingsitaliener Sante De Santis. Und hoppla, als der lautstark zu uns schreitet, fällt der Groschen: Sante De Santis war einer der populärsten Köche in dem Über-1000-Folgen-Dauerbrenner »Das Kochduell« auf VOX. Er ist flink an der Schwelle zur Hektik, wiegt mehrere hundert Kilo und raucht dabei. Auf eine Küche mit Gesundheitswahn müssen wir uns hier wohl nicht einlassen. Aber Sante besitzt ja immerhin die »Kochduell«-Skills, aus wenig Zutaten etwas Einzigartiges zu zaubern. Er scheucht seinen Tribünenplatz-Kumpel Gaudino und uns auch gleich in die dem Restaurant angeschlossene Kochschule und bricht mit seiner massiven Vehemenz Maurizios Phlegma, das sich eigentlich lieber bekochen lassen würde.

»Letzte Nacht haben wir gesungen mit der Frau Babbel und ihrem Mann«


»Nein! Du machst die Spaghetti selbst! Sollst du lernen!« poltert es in der Mischung aus Italo-Klischee, Drill-Instructor und Wahnsinn. »Haben Sie eigentlich wegen dieser Kochschule Ihr Fernsehkoch-Dasein aufgegeben?«, frage ich, um es sofort wieder zu bereuen. Denn Sante explodiert: »Stupido! Mache ich doch immer noch Fernsehen. Gestern war die ProSieben hier für ›Galileo‹ und habe ich ein Format auf TV Gusto.« Alles klar. Don't mess with Chefkoch. Weiß ja jeder. Und kommt vermutlich allein wegen dieser Performance gern. »Letzte Nacht haben wir gesungen mit der Frau Babbel und ihrem Mann«, gibt Sante weiter, während er Gaudino Himalaya-Salz in eine Schüssel schaufeln lässt. Wertig, oder? »Die Gäste wollen das. Aber unter uns, das macht keinen Unterschied. Das ist für Schwuchteln!«

Oder für Gaudino, der hier im Restaurant schon mit Horst Heldt oder Trappatoni saß und nun in eine Tomatensoße De Santis eingewiesen wird. Und dabei sogar sein weißes Hemd weiß behält. Gaudino war eben schon immer ein Techniker. Und arbeitet nach einem Exkurs ins Managergewerbe (bei Waldhof Mannheim) mittlerweile als Spielerberater. U. a. ist Gomez vom VFB sein Schützling. Gaudino erzählt davon, wie das Handy in diesem Job nie aus sein darf, da seine Jungs mitunter weder die Sprache sprechen noch eine Festanstellung bei Vereinen haben. Maurizio als Mutterschiff für Stars von morgen.

Wegen eines Stars von heute muss er sich dann aber mit seiner Partnerin auch schon verabschieden. Es geht nach München, dort feiert die SonyBMG für eine Freundin der beiden, für Andrea Berg, ein riesiges Fest. Tja, echte Veteranen hat man eben selten für sich allein. Und der hektische Sante ist auch schon weg? Na, schließen wir halt ab. Die Ungelenken, die hinten dicht machen, sind ja auch wichtig beim Fußball.

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