Klaus Toppmöller über Lauterns 7:4 gegen den FC Bayern

»Zwei Kreuze im Kalender«

Bis heute unvergessen, nicht nur in Kaiserslaurern, ist das 7:4 der Roten Teufel gegen Beckenbauer und Co. im Herbst 1973. Lauterns damaliger Stürmer Klaus Toppmöller erinnert sich an eine denkwürdige Partie.

Bei uns im Ort war es ganz einfach: Diejenigen, die unsportlich waren, traten der Freiwilligen Feuerwehr oder dem Gesangsverein bei. Alle anderen spielten Fußball. Und wissen Sie was: Aus allen Fußballern ist etwas geworden! Die anderen singen teils heute noch...

Ich bin 1951 geboren und in einer Generation groß geworden, die praktisch den ganzen Tag draußen war und Fußball gespielt hat. Die ganzen Ablenkungen wie Computer oder Fernsehen gab es für uns gar nicht. Wir blieben draußen, bis uns unsere Eltern im wahrsten Sinne heim getrieben haben. Die Cleverness und Torgeilheit, die mich dann später auszeichnete und die ein guter Stürmer einfach haben muss, lernte ich so schon als Kind. Die Erfahrungswerte sind entscheidend. Wenn ich eine Chance vergab, machte ich mir immer Gedanken, wie ich es beim nächsten Mal besser machen könnte. Auf der Straße kann man da genau so viel lernen wie in einem Bundesligastadion. Wenn wir zu neunt waren, spielten wir fünf gegen vier – da war doch alles dabei: Mal spielte man Überzahl, mal Unterzahl...

Ein Überangebot an Zerstörern im Team

Als Mittelstürmer lebt man natürlich auch von seinen Mitspielern. Ich hatte das Glück mit Seppl Pirrung links und Roland Sandberg rechts zwei tolle Zuarbeiter zu haben, später kam noch Hannes Bongartz dazu, der Meister des Übersteigers, für dessen Wechsel ich mich vehement eingesetzt hatte. Als ich 1972 zum FCK kam, war das noch ein bisschen anders. Wir waren damals alles andere als eine Spitzenmannschaft. Wir hatten, salopp gesagt, ein Überangebot an Zerstörern im Team, standen folgerichtig meist im unteren Drittel der Tabelle, vor allem, weil wir auswärts fast nie gewannen. Auf fremdem Platz lauerten wir praktisch nur auf Konter. Spielten wir bei einer starken Mannschaft, bin ich in 90 Minuten vielleicht zwei, drei Mal im gegnerischen Sechzehner aufgetaucht. Dazu kam, dass man damals seinem Gegenspieler auf Gedeih und Verderb hinterher rennen musste. Peter Nogly, der Vorstopper des HSV, hat mich einmal über den ganzen Platz geschleppt, so viel war ich in meinem ganzen Leben noch nicht gelaufen. Er hatte am Ende zwei Tore gemacht, ich keins. So war das damals eben.

Aber wenn ich meine Chancen bekam und zehn, elf Meter vor dem Tor an den Ball kam, dann wurde es brandgefährlich. Viel ließ ich mir da nicht entgehen.

Der FC Bayern lag mir als Gegner

Die Tore gegen die Bayern waren zweifellos die schönsten. Sobald der Spielplan bekannt wurde, machte ich im Kalender zwei fette rote Kreuze. In der Regel schenkte die Presse dem kleinen Kaiserslautern kaum Beachtung, aber wenn es gegen die großen Bayern ging, dann schaute ganz Deutschland auf uns. Der FC Bayern lag mir als Gegner: Bis heute bin ich nach Manni Burgsmüller der erfolgreichste Torschütze gegen die Münchner. Beim 2:1-Heimsieg 1975 machte ich beide Tore, zu unserem 4:3 in München nach 1:3-Rückstand ein Jahr später steuerte ich drei Treffer bei, beim 5:0 ein paar Jahre später traf ich ebenfalls drei Mal. Das waren großartige Spiele damals. Auf dem Betzenberg habe ich mit dem FCK nicht einmal gegen die Bayern verloren in all den Jahren.

Aus allen Spielen gegen Beckenbauer und Co. ragt dieses 7:4 natürlich heraus. Es ist im Grunde unerklärlich, wie so ein Spiel kippen kann. Schon nach zwölf Minuten führten die Bayern durch zwei Treffer von Bernd Gersdorff mit 2:0, sie hatten uns richtig kalt erwischt. Zehn Minuten vor der Pause machte Gerd Müller dann auch noch das dritte Tor. Totenstille im Stadion. Immerhin schafften wir durch Pirrung vor dem Halbzeitpfiff noch das 1:3. In der Kabine sagten wir uns: »Jetzt probieren wir es noch mal, vielleicht geht noch was!« Stattdessen machte Müller nach dem Wiederanpfiff sein zweites Tor. 1:4! Wir konnten sehen, wie die ersten Zuschauer die Ränge verließen. Eine absolute Demütigung bahnte sich an.

Doch fast im Gegenzug gelang mir ein Superkopfballtor. Aus gut fünfzehn Metern wuchtete ich den Ball über Sepp Maier ins Netz. Auf einmal war das Publikum wieder da, wir rannten mehr, versuchten noch einmal alles. Und ab dann war im Prinzip jeder Schuss ein Treffer. Die großen Bayern waren plötzlich verunsichert, Sepp Maier leitete das 3:4 durch einen verunglückten Abstoß ein, später musste Gersdorff auch noch mit Rot vom Feld.




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