25.03.2014

Klaas-Jan Huntelaar: Schalkes wichtigster Mann

Leader of the Jugendgang

Zehn Tore in elf Bundesliga-Spielen: Klaas-Jan Huntelaar ist derzeit Schalkes wichtigster Mann ist. Doch nicht nur seine Tore machen den Niederländer für Königsblau in diesen Tagen unersetzlich.

Text:
Benjamin Kuhlhoff
Bild:
imago

Manchmal wirkte Klaas-Jan Huntelaar nur noch wie ein Jäger nach dem Halali. Fast teilnahmslos irrte er über das Grün, verarbeitete Bälle, als hätte er hastig zehn Steinhäger eingeatmet. Und wenn er dann abzog, war das so beschämend harmlos, als hätte er seine Munition bereits längst verballert. Es waren jene Momente, in denen der Schalker Anhang in der Vergangenheit an seinem Hunter verzweifelten. Vergessen war die Euphorie über die Verpflichtung des Superstars, die Torjäger-Kanone, die goldenen Tage an der Seite von Raul. So etwas geht nur auf Schalke, wo eben alles königsblau oder pechschwarz ist. Und Geduld ein Fremdwort.

Diese Momente ließen leise Kritik aufkommen. Er sei über seinen Zenit hinaus, hieß es. Viel zu oft verletzt. Und wenn er nicht verletzt sei, dann sei er meist lethargisch. Fahrig. Ersetzbar. Ohnehin sei Huntelaar nur ein Old-School-Stürmer, ausgebildet durch das niederländische 4-3-3-Dogma, das Stürmer seiner Machart allein dafür vorsieht, im Strafraum geduldig auf Flanken zu warten. »Er ist der beste Strafraumstürmer der Welt«, sagte einst Louis van Gaal über Huntelaar. Das war durchaus als Kompliment gemeint. Doch in einer Zeit, in der Fußball von falschen Neunen, Doppelsechsen und One-Touch-Kickern regiert wird, wurde es immer mehr zum Makel. Und so wirkte es manchmal, als stünde der Torjäger von einst so deplatziert im modernen Hochgeschwindigkeitsfußball herum wie ein Libero. Nur eben am falschen Ende des Feldes.

Das nutzloseste Tor seiner Karriere

Seine Kernkompetenz hat er dabei allerdings nie aus den Augen verloren: das Toreschießen. Darin ist er unnachahmlich. Er kann es dreckig wie eine Zechentoilette. Er kann es kunstvoll wie ein Landschaftspark. Und vor allem kann er es wütend. Sein 1:6-Treffer gegen Real Madrid vereinte all diese Spielarten der hunterlaarschen Produktpalette in einem. Es war das vielleicht nutzloseste Tor seiner Karriere, aber eben auch ein Ausdruck seines Könnens. Er macht aus dem Nichts notfalls alles.

Doch der Fußball verlangt mittlerweile weit mehr von einem Stürmer als das eiskalte Ausnutzen von Chancen. Angreifer sind heute erster Verteidiger, Pressingdompteure, Wandspieler und das große Versprechen auf den dreckigen Abstauber in der Nachspielzeit. Sie sind Antreiber, Freistoßschinder und Lückenreißer zugleich. Dass dieser Tage andere Ansprüche an ihn gestellt werden, als etwa noch vor fünf Jahren, scheint Huntelaar erst jetzt erkannt zu haben. Auch deswegen ist derzeit Schalkes wichtigster Spieler.

 
 
 
 
 
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