Katar-Klub Al-Sadd - Die verrückteste Story des Jahres

Die Glücksritter

Ein Eigentor, ein annulliertes Spielergebnis, eine Schlägerei. Ein Land, das die WM 2022 ausrichtet. Dies ist die kuriose Geschichte von Al-Sadd, dem amtierenden Champions-League-Sieger Asiens und Teilnehmer der Klub-WM 2011. Best of 2011: Katar-Klub Al-Sadd - Die verrückteste Story des Jahres

Vielleicht interessiert es ja den ein oder anderen, dass am anderen Ende der Welt momentan ein Turnier stattfindet, das, würde man sich lediglich am Namen orientieren, zu den besten, aufregendsten, spektakulärsten Turnieren des Planeten zählen müsste. Tut es aber nicht. Die »FIFA Klub WM« lädt alljährlich die Sieger der sechs kontinentalen Meister-Wettbewerbe ein, Prominenz versprechen da lediglich die Gewinner aus Südamerika und Europa. Auch in diesem Jahr kommt der klangvollste Teilnehmer aus Europa, Champions-League-Sieger Barcelona gibt sich die Ehre. Allerdings, so will es der Turnierplan, erst im Halbfinale. Dort treffen die Superstars um Lionel Messi, Xavi und Iniesta am Donnerstag auf eine Mannschaft namens Al-Saad aus Katar. Katar, das Land der WM 2022. Katar, das Land wo vielleicht nicht Milch und Honig fließen, dafür aber ganz sicher eine Menge Geld. Was das alles mit der Fußball-Mannschaft Al-Sadd zu tun hat? Nun, das sollte jeder nach der Lektüre dieses Textes für sich entscheiden.

[ad]

Alles beginnt, wie soll es anders sein, in der Gruppenphase der AFC Champions League, der Königsklasse des asiatischen Fußballverbandes. Nur weil die schlechten Ergebnisse seiner Mitglieder den Fußball-Verband aus Vietnam in der internen AFC-Statistik herab gestuft haben, darf Katar neben Meister Al-Gharafa und Al-Rayyan einen weiteren Teilnehmer stellen: Al-Sadd. Vier Unentschieden und zwei Siege, jeweils begünstigt von Platzverweisen für den Gegner, reichen aus, um mit zehn Punkten als Gruppenerster ins Achtelfinale einzuziehen. Dort wird Al-Shabab aus Saudi-Arabien knapp mit 1:0 geschlagen. Der Klub, der eigentlich gar nicht für die Champions League qualifiziert war, hat das Viertelfinale erreicht.

Aus im Viertelfinale – bis sich die Funktionäre einmischen

Viertelfinale, Endstation. Gegen den iranischen Klub Sepahan Isfahan verliert Al-Sadd das Hinspiel mit 0:3, das Rückspiel mit 1:2. Aus und vorbei. Bis sich der AFC-Kontrollausschuss zu Wort meldet. Sepahans Torhüter Rahman Ahmadi, so die Funktionäre, hätte im Hinspiel aufgrund einer nicht abgesessenen Gelb-Sperre gar nicht spielen dürfen. Die Partie wird mit 3:0 für Al-Sadd gewertet, mit 4:2 in der Gesamtwertung zieht der Klub aus Katar ins Halbfinale ein. Alle Proteste der Iraner, Torwart Ahamdi habe seine Sperre doch als Spieler seines Ex-Klubs Persepolis Teheran erhalten, bleiben unerhört. Was die Fußballnation Iran wiederum an eine Posse aus dem Jahr 2008 erinnert: Damals gewann die Nationalmannschaft von Katar ein WM-Qualifikationsspiel mit 2:0 gegen den Iran. Für Katar damals auf dem Platz: Emerson, ein junger Mann, der gar nicht spielberechtigt gewesen wäre, hatte er doch bereits für die U-20-Auswahl seines Heimatlandes Brasilien gespielt. Irans Protest wurde schließlich von der FIFA abgeschmettert. Begründung: Man habe die elftätige Deadline zur Einbringung der Beschwerde nicht eingehalten...

Halbfinale: Al-Sadds Gegner kommt aus Südkorea, heißt Suwon Bluewings, ist amtierender Meister der heimischen K-League und hat seit sage und schreibe 15 Jahren keines seiner 24 Heimspiele in der AFC Champions League verloren. Dass es am 19. Oktober nach 90 Minuten trotzdem 2:0 für den Gast aus Katar steht, ist eine der größten Überraschungen dieses Wettbewerbs – und eine der größten Sauereien des Fußball-Jahres 2011.

 

Nach 70 Minuten erzielt Mamadou Niang aus dem Senegal, genannt »El Toro«, das 1:0 für den Außenseiter Al-Sadd. Zehn Minuten sind noch zu spielen, die Südkoreaner rennen auf das Tor der Gäste an, als ein Spieler von Suwon unglücklich auf das Fußgelenk seines Gegenspielers fällt. In Al-Sadds Strafraum, auf Höhe des Elfmeterpunktes, bleiben beide Spieler liegen. Noch hat Schiedsrichter Mailk Abdul Bashir aus Singapur das Spiel nicht unterbrochen. Dann geht der Ball ins Aus. Die Spieler werden behandelt.

Die Bluewings warten auf das Ende der Behandlungspause, Al-Sadd aber spielt weiter, als wäre nichts passiert. Ein weiter Pass landet beim an der Mittellinie lauernden Niang. »El Toro« saust los, und schießt den Ball an Suwans Torwart Sung-Ryong Jung vorbei ins Netz. 2:0 nach 81 Minuten. Ein reguläres Tor. Jetzt geht der Ärger erst richtig los.

Das Video mit der Massenkeilerei wird ein Youtube-Klickgigant

Auf den bis heute im Netz kursierenden Videos sehen Fußballfans aus der ganzen Welt schon einen Tag später die nun folgende Massenkeilerei, bei der selbst Betreuer und Trainer beider Seiten munter die Fäuste wirbeln lassen. Als die Hauerei endlich beendet ist, hat Schiri Bashir drei Spielern die Rote Karte gezeigt. Stevica Ristic, genannt »Stevo« von den Bluewings, Doppeltorschütze Niang und Al-Saads Superstar Kader Keita, 53-facher Nationalspieler für die Elfenbeinküste. Abwehrspieler Jung-So Lee, ehemals Suwon Bluewings, jetzt Al-Sadd, zeigt sich nach dem Spiel entsetzt: »Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder für diese Mannschaft spielen werde.« Im Rückspiel ist er dann wieder dabei, mit Ach und Krach und jeder Menge Talent im Schinden wertvoller Spielminuten, verliert Al-Sadd lediglich mit 0:1, der Klub aus Katar hat das Endspiel erreicht.




In Suwon bekommen sie große Augen, als vor dem Finale gegen ihre Landsmänner von Jeonbuk Hyundai Motors am 5. November 2011 plötzlich die eigentlich rot-gesperrten Mamadou Niang und Kader Keita in der Aufstellung von Al-Sadd zu lesen sind. Während ihr eigener Mann, »Stevo« aus Mazedonien, für sechs Spiele gesperrt worden ist, hat das zuständige Sportgericht das Stürmerduo von Al-Sadd rechtzeitig vor dem Endspiel freigesprochen. Keita ist es dann auch, der nach 61 Minuten das 2:1 für Al-Saad schießt, zuvor hatte bereits Woo-Yeon Sim nach 29 Minuten die südkoreanische Führung durch Enio Oliverira Junior (19.) per Eigentor ausgeglichen. Jeonbuk rennt an, Jeonbuk ist die bessere Mannschaft, Jeonbuk schießt in der 90. Minute das hochverdiente 2:2. Die 30 Minuten in der Verlängerung sind an Spannung und Kuriosität kaum zu überbieten: Dreimal treffen die Südkoreaner nur Pfosten oder Latte, findet der Ball doch den Weg Richtung Tor, steht da, der an diesem Tag überragende, Mohamed Saqr Ahmed.  Und es ist auch Ahmed, der mit zwei Paraden im Elfmeterschießen zum großen Helden dieses Endspiels aufsteigt. Es ist nicht zu fassen: Al-Sadd aus Katar ist AFC Champions-League-Sieger 2011.

Ein Pfostentreffer und Hooligans aus Tunesien

Jetzt ist die Mannschaft aus dem Land des WM-Gastgebers von 2022 Teilnehmer der diesjährigen Klub-WM, die am 8. Dezember im japanischen Yokohama gestartet ist. Im ersten Spiel, gleichzeitig das Viertelfinale, traf Al-Sadd auf Esperance Sportive de Tunis, den tunesischen Sieger der afrikanischen CAF Champions League. Spätestens jetzt, so die Beobachter vor dem Spiel, werde die wunderliche Glückssträhne der Kataris reißen. Von wegen. Nach 19 Minuten rettete der Pfosten gegen Tunis-Stürmer Yannick Ndjeng, in der 33. Minute rutschte dem tuneischen Keeper Moez Bin Sharifa der Ball durch die Hände, Al-Sadds Khalfan Al-Khalfan durfte zum 1:0 abstauben. Kurz nach der Pause erhöhte Abdulla Koni gar auf 2:0, Afrikas Vorzeigeteam aus Tunis kam lediglich zum 1:2-Ehrentreffer in der 66. Minute. Barcas Halbfinal-Gegner bei der »FIFA Klub-WM 2011« heißt: Al-Sadd.

Genug der Kuriositäten? Nicht ganz. Kurz vor dem Ende des Viertelfinal-Spiels stürmten tunesische Hooligans auf den Platz, einer rannte auf Al-Sadds Torwart Ahmed zu, konnte allerdings im letzten Moment von den Sicherheitskräften abgefangen werden. Vielleicht hatten die Hools ja einfach nur erfahren, wie die Mannschaft aus Katar es bis nach Japan geschafft hatte...

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!