Karriereende wegen Kommerz im Fußball

Die Aussteiger

Der Hamburger Jürgen Werner und der Spanier Javi Poves entschieden sich, nie mehr Profifußball zu spielen. Der Grund: die zunehmende Kommerzialisierung. Der eine tat es 1963, der andere 2011. Doch die Aussagen und Standpunkte gleichen sich. Ein Porträt über zwei Rebellen ihrer Zeit.

Karriereende wegen Kommerz im Fußball
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Spezial-Nr. 3

Am 28. Juli 1962 wurde im Dortmunder Goldsaal die Geschichte des Fußballs in Deutschland nachhaltig verändert. Mit 103:26 Stimmen beschlossen die Delegierten der Landesverbände die Einführung der Fußball-Bundesliga. Damit wurde nicht nur verfügt, dass es nun eine einheitliche, landesweite Liga geben sollte, sondern auch fortan das Lizenzspielertum. 200 Ausgewählte der insgesamt 2600 Spieler durften nun mehr als die bis dato als Maximalgehalt festgelegten 400 D-Mark verdienen.

Unter ihnen auch Jürgen Werner. Doch der meldete sich just am Tag des Beschlusses mit den Worten: »Ich kann diesen Weg nicht mitgehen. Und wenn ich in den nächsten fünf Jahren 300. 000 Mark verdienen würde – das ist mir die Sache nicht wert.« Werner, viermaliger Nationalspieler und 1960 Deutscher Meister mit dem Hamburger SV, erklärte später sein Karriereende – im Alter von 28 Jahren.

Dienstwagen zurück gegeben

Javi Poves ist 26 Jahre alt, bis vor eineinhalb Jahren war er Spieler des spanischen Erstligisten Sporting Gijon. Doch frustriert über die zunehmende Kommerzialisierung im Fußball erklärte Poves sein Karriereende. Gerade das horrende Gehalt könne er nicht annehmen, in dem Wissen, dass in der dritten Welt Kinder verhungern. Seine Dienstwagen gab Poves an den Verein zurück.

Zwischen beiden Entscheidungen liegen 48 Jahre, die (Fußball-)Welt hat sich nicht nur verändert, sie hat sich in dieser Zeit mehrere Male neu erfunden. Die 300.000 Mark, von denen Werner gesprochen hatte, verdient Cristiano Ronaldo laut Schätzungen nicht in fünf Jahren, sondern fünf Tagen. Und doch gleichen die Standpunkte des Spaniers Poves denen des 2002 verstorbenen Werner in einigen Punkten.

Pelé gestoppt

Werner prangerte in diversen Zeitungsartikeln den Heroenkult im Fußball an. Dabei war er selbst kein Unbekannter, er bestritt 206 Spiele für den Hamburger SV. Vor allem das Freundschaftsspiel gegen den FC Santos, als Werner den großen Pelé abmeldete, blieb vielen im Gedächtnis.

Poves hingegen war erst in der Saison 2009/10 vom B- ins A-Team von Sporting Gijon aufgerückt. Der Rummel um die Stars der Primera Division stieß ihm schon zu Beginn jener Saison unangenehm auf. »Jedes Kind möchte heute Cristiano Ronaldo oder Messi sein. Aber nicht Cristiano oder Messi als talentierte Fußballer, sondern als die mit den Häusern, den Autos und dem Ruhm«, sagte er.

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