Karl Allgöwer über den Newcomer der Saison

Alles in rosigen Farben

Am Freitag ehren wir in Hamburg auch ihn: David Alaba vom FC Bayern ist für uns der Newcomer der Saison. Karl Allgöwer über einen Jungspund, der auf dem besten Weg ist, eine richtig große Karriere zu starten.

Illustration: Bartosz Kosowski
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Der Mann hat einfach gute Laune. Warum auch nicht? Ihm gelingt derzeit so gut wie alles. Als 19-Jähriger muss man das erst mal bringen: Im entscheidenden Elfmeterschießen im Santiago-Bernabeu-Stadion in Madrid zum Punkt marschieren und den Ball mit traumwandlerischer Sicherheit versenken. Mich hat David Alaba in dieser Szene im Champions-League-Halbfinale der Bayern gegen Real endgültig überzeugt. Wie abgeklärt er selbst in diesem hochbrisanten Spiel agierte, war beeindruckend. Noch dazu, weil es nie den Anschein hat, dass der Junge für die Galerie spielt. Im Gegenteil. Alaba verrichtet mit aller ihm gegebenen Zielstrebigkeit seine Aufgaben. Punkt.

Louis van Gaal hat ihn als Mittelfeldspieler in die Abwehr beordert. Es fällt mir schwer zu beurteilen, ob er dort seine Traumposition gefunden hat. Alabas Wirkungskreis hat die Außenverteidigerposition aber nicht eingeschränkt. Als Teil einer funktionierenden Viererkette findet er ständig Gelegenheit für gefährliche Vorstöße. Und wie er dort in höchstem Tempo eine grandiose Technik an den Tag legt, ist schon außergewöhnlich. In manchen Dingen erinnert er mich an Philipp Lahm. Der strahlte als junger Spieler auch diesen frischen Optimismus aus. Ich glaube, David Alaba könnte man zurzeit nachts um zwei Uhr wecken und in ein Finale schicken – dem würde kaum ein Fehler unterlaufen. Der hat so viel Freude am Spiel, empfindet alles, was ihm derzeit im Fußball passiert, als positiv, kein Wunder, dass ihm alles gelingt.

Bei Alaba ist es wie damals mit Lahm

Das Bayern-Management wird öfter gescholten, dass es zu sehr auf Stars setzt. Dabei hat es im Fall von Alaba bewiesen, wie man einen jungen Spieler optimal fördert. Es gibt nichts Schlimmeres für ein Talent, als auf der Bank zu schmoren. Nachwuchsspieler sind ungeduldig und bekommen schnell das Gefühl, nicht mehr gewollt zu werden. Als sich abzeichnete, dass Alaba nicht direkt den Schritt in den Stamm der ersten Mannschaft schafft, haben sie ihn von der Säbener Straße nach Hoffenheim geschickt. So wie sie es damals mit Philipp Lahm und dem VfB Stuttgart gemacht haben. So konnten beide tun, was sie am liebsten machen: spielen, spielen, spielen! Das Ergebnis der Maßnahme haben wir nun erlebt: Beim FC Bayern ist Alaba aus der Abwehr nicht mehr wegzudenken. Es war ein Riesenverlust für das Team, dass er im Champions-League-Finale wegen seiner Gelbsperre nicht auflaufen durfte.

Bei Bayern ist er sogar schon in die Geschichte eingegangen: als jüngster Spieler der Klubhistorie, der je in Champions League, DFB-Pokal und in der Bundesliga eingesetzt wurde. So leid es mir für David Alaba tut, als Österreicher wird ihm auf Länderebene die ganz große Karriere wohl nicht vergönnt sein, aber ich bin sicher: Jetzt kommen bald geballt die Angebote von internationalen Spitzenklubs. Wenn er sich den Kopf nicht verdrehen lässt und über gute Berater verfügt, steht ihm eine großartige Karriere bevor.

Hoffen wir, dass er seine gute Laune behält

Eine negative Begleiterscheinung von Ehrungen wie dieser ist, dass nun alle Gegenspieler gewarnt sind, mit was für einem Ausnahmekicker sie es zu tun haben. Momentan erlebt er ein Hoch, sieht alles in rosigen Farben. Ich wünsche ihm, dass er sich diesen Optimismus erhalten kann, auch wenn es mal nicht so läuft. Denn Spieler wie er machen einfach Spaß. Hoffen wir, dass seine Art und seine Fähigkeiten noch mehr Aufmerksamkeit bekommen. Damit nicht nur er, sondern auch wir Zuschauer die gute Laune behalten.

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