Kandidat für Löw: Stefan Reinartz

Meister der Einfachheit

Kandidat für Löw: Stefan Reinartz Jupp Heynckes ist Anfang des Jahres ein bisschen grundsätzlich geworden. In einem Interview hat er erzählt, dass er kein Freund davon sei, seine Spieler in die Nationalmannschaft zu singen. Insofern kann sich Stefan Reinartz wirklich glücklich schätzen. Heynckes hat Bundestrainer Joachim Löw empfohlen, mal über den jungen Mann nachzudenken, den er in Leverkusen trainiert. So viele gute defensive Mittelfeldspieler gebe es in Deutschland schließlich nicht, und wenn jemand im Verein Simon Rolfes so ersetzt, dass sein Fehlen kaum auffällt – wieso sollte der das nicht auch in der Nationalmannschaft schaffen?  

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Reinartz, 21 Jahre alt und mit der Erfahrung von 19 Bundesligaspielen gesegnet, bestreitet an diesem Dienstag mit der U-21-Nationalmannschaft in Magdeburg das EM-Qualifikationsspiel gegen Island (17.45 Uhr, live im DSF). Doch das ist wohl nur eine Zwischenstation. Der Leverkusener erlebt derzeit eine rasante Entwicklung: vom Regionalligaspieler zum Kandidaten für Joachim Löw in nicht einmal 15 Monaten. Da könnte man leicht verrückt werden. Nationalmannschaft, vielleicht sogar die WM? »Man macht sich besser nicht allzu große Gedanken“, sagt Reinartz. „Hoffnungen sowieso nicht.«  

»Nicht schießen, nicht köpfen«

Was zeichnet diesen Reinartz aus? »Ich bin nicht besonders schnell«, sagt Stefan Reinartz. »Ich kann nicht besonders gut schießen, habe keinen guten Kopfball, aber ich kriege es hin, halbwegs ordentlich zu spielen.« Die Zurückhaltung steht in scharfem Kontrast zu seiner sportlichen Vita. Mit Leverkusens A-Jugend war er Meister und Pokalsieger, mit der U 19 Europameister, und mit dem 1. FC Nürnberg, an den er in der vorigen Saison ausgeliehen war, ist er in die Bundesliga aufgestiegen. Kurz: Reinartz ist ein Siegertyp. »Es sah die letzten Jahre zumindest so aus«, sagt er. »Glücklicherweise war ich immer da, wenn was gewonnen wurde.«   Dabei hat seine Karriere mit einer ziemlichen Pleite begonnen. Reinartz war sieben, er spielte in der F-Jugend seines Dorfvereins – und verlor 0:21. Trotzdem wurde er nach dieser Begegnung von einem Scout angesprochen. Reinartz trainierte acht Wochen bei Bayer Leverkusen zur Probe mit, dann kam ein neuer Trainer, und der brauchte gerade 20 Minuten, um zu erkennen, »dass der Junge das Spiel nicht verstanden hat«.  

Das erste Spiel in der F-Jugend: 0:21

Auf eine solche Idee würde heute niemand mehr kommen. »Er spielt intelligent und verteidigt sehr gut nach vorne«, sagt Jupp Heynckes, der Reinartz seit dem elften Spieltag immer von Anfang an aufgeboten hat. Eigentlich ist er Innenverteidiger, doch zuletzt hat Reinartz meistens den verletzten Rolfes im defensiven Mittelfeld ersetzt. Die Umstellung hat ihm keine Probleme bereitet. Er verfügt über das nötige Verständnis für diese Position, macht kaum Fehler und beherrscht vor allem die elementaren Dinge des Fußballs. Stefan Reinartz ist ein Meister der Einfachheit.  

Ob es das war, was der Scout von Bayer Leverkusen schon bei der 0:21-Niederlage vor knapp 15 Jahren erkannt hat? »Keine Ahnung«, sagt Stefan Reinartz. Er habe damals den Auftrag gehabt, einen Stürmer zu decken, der als besonders gefährlich galt. Sein Gegenspieler erzielte acht Tore. Stefan Reinartz sagt: »Das spricht eigentlich für sich.«

 

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