10.09.2013

Kaiserslautern spielt bei der Trainersuche auf Zeit

Die Platz-Patrone

Noch immer hat der 1. FC Kaiserslautern keinen langfristigen Nachfolger für den geschassten Franco Foda präsentiert. Stefan Kuntz lässt sich Zeit. Er weiß, dass diese Entscheidung über seine Karriere beim FCK entscheiden könnte.

Text:
Dirk A. Leibfried
Bild:
Imago

Stefan Kuntz (50) ist ein bekennender Gefühlsmensch. Es dürfte deshalb auch niemanden groß überrascht haben, als der Vorstandschef des 1. FC Kaiserslautern ankündigte, die anstehende Trainerentscheidung »aus dem Bauch heraus« treffen zu wollen. Kuntz ist in der Zwickmühle. Schon einmal entpuppte sich seine »letzte Patrone«, wie er es damals nannte, als Rohrkrepierer. Und deshalb spielt Stefan Kuntz auf Zeit. Denn scheitert die Mission Aufstieg erneut, muss auch er um seinen Job bangen. Es wäre nicht der erste einst als Heilsbringer gefeierte Vereinsboss, den die Fans vom Betzenberg jagen würden.

»Stand heute sitzt Oli gegen Sandhausen auf der Bank«

Oliver Schäfer (44) ist wirklich nicht zu beneiden. Jeden Morgen, wenn er die Straße hoch zum Betzenberg fährt, sitzt auf dem Beifahrersitz die Ungewissheit. Niemand würde im Moment Wetten darauf abschließen, ob die Interimslösung mit dem vormaligen Fitness-Coach Schäfer befristet oder auf Dauer angelegt ist. »Stand heute sitzt Oli gegen Sandhausen auf der Bank«, ließ sich Kuntz nach dem 2:2 in Unterzahl gegen Energie Cottbus am vergangenen Spieltag entlocken. Eine Arbeitsplatz-Garantie für die am 14. September stattfindende Begegnung klingt anders.

Dabei ist das Vorgehen, sich einerseits Schäfer als »große Lösung« warm zu halten und andererseits den Trainermarkt zu sondieren, aus Sicht des FCK durchaus nachvollziehbar. Stefan Kuntz will nicht noch einmal den Fehler begehen, seine »letzte Patrone« unüberlegt abzufeuern. Genau das tat Kuntz im März 2012, als er Marco Kurz durch Krassimir Balakov auf der Trainerbank ersetzte. Nach 57 Tagen und dem Abstieg in die zweite Liga endete das Gastspiel des Bulgaren.

»Auch Stefan Kuntz sollte sich mal hinterfragen«

Damals wie heute kritisieren die Fans das falsche Timing von Kuntz in seinen Trainerentscheidungen. Viele forderten deshalb nach dem verpassten Wiederaufstieg im Mai dieses Jahres die Entlassung von Trainer Franco Foda (47). Doch der FCK-Boss zögerte, ging mit seinem ehemaligen Mannschaftskameraden in die neue Saison, um diesen nach fünf Spieltagen zu entlassen. Dabei war schon in der Vorsaison unverkennbar, dass die Chemie zwischen Trainer und Mannschaft nicht stimmte.

Doch zum Handeln waren die Vereinsbosse erst sehr spät bereit. »Wir alle haben festgestellt, dass das ein peinlicher Auftritt war. Alle haben das Recht auf Wiedergutmachung«, erklärte Stefan Kuntz noch nach der 0:4-Klatsche beim VfR Aalen. Kein Wunder also, dass Franco Foda erst einmal bass erstaunt über seine Demission war, und zudem Respekt, Stil und Anstand reklamierte. »Auch Stefan Kuntz sollte sich mal hinterfragen«, forderte der geschasste Coach in einem »Sport1«-Interview.

 
 
 
 
 
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