Kaiserslautern, Hoffnungsträger des deutschen Fußballs

Bushido ist ein Teufel

Vor der Relegation hat sich ganz Deutschland auf die Seite des 1. FC Kaiserslautern geschlagen, es geht offenbar um alles - und noch etwas mehr. Eine Bestandsaufnahme.

Es ist fast wie vor der Wahl von Obama. Damals, im Spätherbst 2008, schlugen sich ja praktisch alle Prominenten auf die Seite des charismatischen Präsidentschaftskandidaten. Ein „celebrity endorsement“ nach dem anderen sammelte der smarte Jüngling aus Illinois, während es um den greisen John McCain mit jedem Tag einsamer wurde. »Yes we can!«, das war die Botschaft, die sie alle gewinnen sehen wollten, egal ob sie nun George Clooney hießen, Chris Rock oder Jennifer Aniston. Yes we can! Und wir sind dabei. Egal bei was.

Zugegeben, die Dringlichkeitsstufe ist nicht ganz so hoch angesiedelt bei jener Debatte, die seit dem späten Samstagnachmittag durch Deutschland wabert. Wobei, Debatte? Es gibt ja erneut nur eine taugliche Option bei dieser Entscheidung: Kaiserslautern oder Hoffenheim. Der FCK, der sich insgesamt doch recht blutarm durch seine Zweitligasaison geschleppt hat, ist plötzlich der Hoffnungsträger und Heilsbringer einer ganzen Fußballnation.

Gegen die Reichen, die Mächtigen, die Unerreichbaren

»Jetzt sind wir alle Lauterer«, so in etwa lautete der Tenor, der sofort von allen Seiten zu vernehmen war, als die Paarung feststand - über die sozialen Netzwerke, am Arbeitsplatz. »Haut sie weg! Tut uns allen den Gefallen.« So oder so ähnlich. Nein, übermäßig beliebt ist die TSG aus Sinsheim nicht. Sie hat die Sympathien, die sie sich in ihrem ersten halben Jahr Bundesliga mit begeisterndem Offensivfußball – trotz allem – bei vielen gesichert hatte, recht zügig wieder abgegeben. Vermutlich zurecht. Durch eine Mischung aus sportlichem Niedergang, immer geistloseren Personalentscheidungen und nicht zuletzt einer Wagenburg-Mentalität rings um ihren großen Gönner, die oft genug zwischen mimosenhaft und aggressiv schwankte. Stichwort: Beschallung gegnerischer Fans, eines der groteskesten Kapitel in 50 Jahren Bundesliga. Bestraft wurde keiner. Es bricht sich daher nun wohl auch ein diffuses Ohnmachtsgefühl Bahn, gegen die Reichen, die Mächtigen, die Unerreichbaren.

Ein Gründungsmitglied dieser Liga kann also den Emporkömmling von der Klippe stoßen. Toll, oder? Die Vermarkter der DFL dürften sich die Hände reiben. Eindeutiger sind die Storylines nicht mal beim Wrestling. Zu nicht minder als dem Kampf der »Alten gegen die Neue Welt« machte das Aufeinandertreffen folglich auch ein Blogger auf der Seite Fankultur.com. Vielleicht gibt es im Rückspiel an den Fressbuden dann tatsächlich »tradition fries« und 50 Jahre altes Bier.

Die herzliche Abneigung, in der sich beide Lager verbunden sind, setzte der Karikaturist Oli Hilbring treffend ins Bild: Begegnen sich Dietmar Hopp und das FCK-Maskottchen am Aufzug. Sagen beide: »Oh mein Gott, der Teufel!« Anfeindungen gegen den Mäzen wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch diesmal wieder geben.

Dass der Traditionsklub, den Hoffenheim auf dem Weg in die erste Liga im Frühjahr 2008 praktisch schon in die Drittklassigkeit geschossen hatte, längst nur noch eine Fahrstuhlmannschaft ist, fünf der letzten sieben Spielzeiten zweitklassig war – geschenkt. Dass kaum einer der Hochbezahlten da im roten Trikot in dieser Saison den guten, alten Fritz nachhaltig stolz gemacht hätte – geschenkt. Zählt jetzt alles nicht mehr. Jetzt ist Relegation. Jetzt ist heiliger Krieg. Wir alle gegen die da oben. Auf sie mit Gebrüll!

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