JVA Wuppertal – WSV Borussia A-Jgd.  1:6
06.11.2008

JVA Wuppertal – WSV Borussia A-Jgd. 1:6

»Ein hartes Erlebnis«

Über den 90 mal 45 Meter großen Ascheplatz sind Stahlseile gespannt, die eine mögliche Flucht, etwa mittels eines landenden Hubschraubers, verhindern sollen. Hinter einem Tor lauert die kalte Betonfassade von »Haus C«.

Text:
Thomas Besche
Bild:
Thomas Besche
Freundschaftsspiel, Wuppertal, Deutschland: Ascheplatz JVA Simonshöfchen, 4. September 2008, 80 Zuschauer

Über den 90 mal 45 Meter großen Ascheplatz sind Stahlseile gespannt, die eine mögliche Flucht, etwa mittels eines landenden Hubschraubers, verhindern sollen. Hinter einem Tor lauert die kalte Betonfassade von »Haus C«. Kein Wunder, dass die Spieler des A-Junioren-Bundesligisten WSV Borussia in der Umgebung nie so ganz den Respekt vor der Gefangenen-Elf ablegen. Schon vor dem Kick im Knast kamen intern Fragen auf wie: »Spielen da auch Mörder mit?« Das sei nicht auszuschließen, sagt Ulrich Meerkamp, Sportübungsleiter der JVA. Laut Gesetz steht jedem Häftling täglich eine Stunde an der frischen Luft zu. Fußball ist sehr beliebt, auch bei einem 37-Jährigen, der wegen Körperverletzung noch zehn Monate abbrummen muss. Er sagt: »Wenn du 23 Stunden in der Zelle sitzt, sind solche Spiele eine willkommene Abwechslung, die wünsche ich mir öfter.« In der ersten Halbzeit macht seine Mannschaft ein gutes Spiel, führt sogar 1:0. Meerkamp ist stolz auf seine Jungs, die zuschauenden Kollegen feixen. Doch in der zweiten Halbzeit geht den Knackis die Luft aus. Der WSV gewinnt 6:1. Für WSV-Torhüter Joel Sczesny (17) war es das zweite Spiel im Gefängnis. »Ein hartes Erlebnis«, sagt er, »danach überlegt man sich zweimal, ob man draußen Mist baut.«




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